Ein entspannter Sonntag

(Ein Artikel verfasst von Annegret Cramer)

Das war heute ein richtig entspannter Sonntag! Wie ich es mir erhofft hatte.

Es ist immerhin der dritte Palmsonntag, den wir hier in Logaweng erleben. Dieser Sonntag eignet sich hervorragend für ein kleines Theaterstück („Drama“). Auf uns wartete also nichts Neues und wir konnten gelassen und entspannt den Einzug Jesu auf dem uns ebenfalls schon vertrauten Papp-Pferd verfolgen.IMG_1502

Einzig Jaron war etwas skeptisch und zog es vor auf meinem Arm das Spektakel zu verfolgen. Nora dagegen, deren fünften Geburtstag wir am Freitag groß gefeiert hatten, war mitten unter den „Sandeskul“ – Kindern und schwenkte eifrig Palmblätter. Es tut gut, dass der Alltag hier wirklich inzwischen Alltag ist. Was mich während der Predigt beschäftigt hat, war dann eher, ob ich trotz diesem zugegebenermaßen manchmal auch ermüdenden Alltag und dem oft ebenfalls sehr erstarrten Gottesdienstleben eigentlich noch erwarte, dass mir Gott bei dieser Veranstaltung überhaupt etwas zu sagen hat. Die Predigt zumindest, ist nicht weiter der Rede wert.

Nach dem Gottesdienst folgte eine wahre Wohltat. Ich musste nicht kochen! Unsere Nachbarn hatten uns zum Gulasch-mit-Spätzle-Essen eingeladen. Köstlich! Das ständige Kochen, Abwaschen, Backen, Abwaschen, Kochen… geht mir schon manchmal auf die Nerven und ich denke sehnsüchtig an das reiche Sortiment an fertigen oder halbfertigen Lebensmitteln, auf die man in Deutschland einfach und unkompliziert zurückgreifen kann. Wenn ich kein Brot backe, gibt es eben Müsli. Ich war allerdings noch nie ein großer Fan von Müsli und werde es auch wohl nicht werden. Gott sei Dank sind unsere Kinder mit dieser Art der Ernährung ganz zufrieden, vorausgesetzt es ist Schokomüsli.

Direkt nach dem Essen bin ich an meinen Schreibtisch geeilt und habe dort ungestört und ohne unmittelbaren Zeitdruck 2 ½ Stunden meine letzten Unterrichtseinheiten dieses Terms vorbereitet. Das war Entspannung pur! Knut war mit den Kindern zu Gange und ich hatte einfach meine Ruhe, einmal zu tun was getan werden muss. Das Unterrichten selbst macht mir wirklich Spaß und auch die Themen der beiden Kurse finde ich sehr reizvoll. „Law & Gospel“ im zweiten Jahr und „Confessio Augustana“ im dritten Jahr. Vor allem der letztere fünfstündige Kurs in einem kleinen und sehr engagierten Jahrgang hat mir sehr viel Freude gemacht und auch zu anregenden Gesprächen mit den Studenten geführt. Im Kern geht es um eine Einführung in die Lutherische Dogmatik und trotz des etwa trockenen klingenden Titels gab es viele sehr relevante Anknüpfungspunkte an den Alltag in den Gemeinden. Ist es z.B. rechtens, dass Gemeindeglieder wegen „unangemessener Kleidung“ (keinem weißen Hemd) vom Abendmahl ausgeschlossen werden? Darf man Kinder aus unehelichen Beziehungen wirklich taufen? Die Bibel sagt ja gar nichts zur Konfirmation?! Wenn es für die Rechtfertigung keine Rolle spielt, wie ich mich verhalte, warum soll ich dann denn überhaupt noch Gottes Gebote befolgen?

Wie gesagt, das Unterrichten selbst macht mir viel Freude. Es ist nur absolut herausfordernd den Unterricht neben dem Alltag mit den beiden Kindern und einem ebenfalls sehr eingespannten Mann vorzubereiten. Im Zweifelsfall heißt das dann eben Müsli zu essen.

Natürlich haben wir Entlastung durch Joice, unserer Hausmeri. Aber die Kinder wollen dann manchmal doch lieber mit mir spielen und lungern ungeduldig vor meinem Büro herum. Mit Kindern zu spielen, ihnen kreative Angebote zu machen, sie für eine Aufgabe zu begeistern, sie in den Alltag mit einzubeziehen, all diese „Pädagogik“ ist hier einfach nicht sehr ausgeprägt. Und so sitze ich im Büro, die Kinder stöbern durchs Haus und unsere Hausmeri flüchtet sich in irgendwelche Gartenarbeit, die ja auch erledigt werden will. Ich kann es ihr nicht verübeln. So ein Tag mit den Kindern ist manchmal auch ganz schön anstrengend. Ganz anders gestaltet sich die Situation, wenn andere Kinder zum spielen kommen. Dann sind die Kinder im Garen und alles ist gut!

Apropos Kinder im Garten. Ich war auch deswegen so scharf auf einen ruhigen Sonntag, weil wir ja nicht nur unter der Woche viel zu tun haben, sondern auch am Wochenende immer was los ist. Es war ein echter Kraftakt, den Geburtstag von Nora im Kalender frei zu halten und ihn nicht ob der ganzen anderen Aufgaben unter den Tisch fallen zu lassen. Und so waren am Freitag etwa 20 Kinder inklusive Mütter bei uns im Garten. Die ganze Kakaruk-Gruppe des Kindergartens war eingeladen und es sind auch alle gekommen! Es gab Spiele, eine Schnitzeljagd mit Schatz und natürlich Kuchen.

Nora war selig, ich KO und ein bisschen erstaunt, wie viele Mädchen in Noras Alter tatsächlich unter den Kindern sind. Normalerweise kommen, sehr zu Noras Leidwesen, fast ausschließlich Jungs zu uns in den Garten. Mädchen sind da nur ganz vereinzelt dabei. Das hängt sicher damit zusammen, dass Mädchen hier schon sehr früh angehalten werden, sich „häuslich“ zu verhalten. Während die kleinen Jungs durch den Busch streifen, gehen die kleinen Mädchen der Mama zur Hand. So sieht es leider aus und so ist es auch erwünscht. Noras Vorstoß bei den Jungs „ich spiele nur mit euch, wenn ihr ein Mädchen mitbringt“ hat da leider auch keine Früchte getragen.

Der letzte Sonntag brachte im Gegensatz zu dem diesigen auch trotz der inzwischen zweijährigen Erfahrung im Land wieder einmal ganz neue und herausfordernde Einblicke mit sich. Knut war angefragt, in der Not-Siedlung, die nach dem gewaltsamen Konflikt im Nachbardorf im Dezember letzten Jahres in Gagidu entstanden ist, einen Gottesdienst zu feiern.

Nachdem das halbe Dorf eines Morgens in Flammen aufgegangen war, flüchteten die betroffenen Familien nach Gagidu, wo sie nun seit nunmehr fast einem halben Jahr auf den sogenannten „Wanbel“ warten. „Wanbel“ bedeutet Frieden oder Einigkeit. Nachdem lange nichts passierte, haben inzwischen von Kirche und Regierung vermittelte Gespräche stattgefunden. Es sollen die Konditionen ausgehandelt werden, zu denen die verfeindeten Familien einer friedlichen Rückkehr der Vertriebenen zustimmen würden. Ostern wäre ein schönes Datum für diesen Wanbel. Aber danach sieht es momentan noch nicht aus. Also, wir sind mit einigen Studenten in dieses Not-Dorf gefahren, um Gottesdienst zu feiern. Etwa 70-80 Menschen wohnen hier in fünf provisorischen Häusern und warten auf bessere Zeiten. Ein Elend! Mich lassen diese Umstände nicht kalt, sie „ziehen mich runter“, beschweren mich. Aus dem gleichen Dorf kommen auch die Arbeiter unseres Workshops. Einer der Männer hat eine Tochter mit einem Herzfehler. Da kann man hier nicht viel machen. Ein Student erzählte, während wir auf den Beginn des Gottesdienstes warteten, von seinem Vikariat. Dort, im Busch in dem es keine Straßenverbindung gab, war auch ein Krankenhaus in unerreichbarer Ferne. Wenn jemand krank wurde, wartete man darauf, dass er oder sie starb, so sagte er. Gerade hat Knut einem unserer Studenten als Kassenwart das Geld für die Fahrt in sein Heimatdorf ausgezahlt, seine Schwester, zweifache Mutter war nach dreiwöchiger Krankheit gerade gestorben. Auch sie war nicht rechzeitig in ein Krankenhaus gebracht worden.

Wir haben also mit den Leuten Gottesdienst gefeiert. Mit einer der Frauen habe ich schon oft gesprochen, weil sie immer wieder bei uns am Haus vorbei kommt. Aber manchmal fehlen mit da auch die Worte. Anschließend wurden wir zum Essen eingeladen. Und jetzt begann für mich wiederum ein Stress der anderen Art. Auf dem Boden sitzend bekommt jeder von uns, also auch die Kinder (Einspruch sinnlos!) einen riesigen Teller mit Reis, Fleisch, Krabben und Gemüse, das man jetzt irgendwie verdrücken muss. Hände waschen, Fehlanzeige! Von hinten lungern die Hunde herum und versuchen auch einen Happen zu bekommen. Die Kinder machen sich natürlich keine Gedanken um Hygiene und legen ganz munter los. Ich versuche das Schlimmste zu verhindern und dabei keinen allzu unglücklichen Eindruck zu machen, da natürlich 70 Leute beim Essen zuschauen. Da helfen letztlich nur noch Gottvertrauen und die Hoffnung, dass unsere Mägen inzwischen auch einiges gewohnt sind. Und tatsächlich, wir haben das Essen gut vertragen. Geschmeckt hat es auch, keine Frage! Ich bin dankbar für solche Erfahrungen. Aber ich bin auch unglücklich darüber.

An Ostern werden wir nun im anderen Teil dieses unseligen Dorfes Gottesdienst feiern. Ich wünsche mir nur, dass die Osterbotschaft etwas weniger verborgen zu erleben wäre!

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Spiel, Spaß, Spannung

Das bringt nicht nur ein Ü-Ei mit sich, sondern auch mein neues Amt. Seit 3 Wochen bin ich jetzt offiziell Kassenwart des Seminars, darum blogge ich jetzt zum Thema „Geld“.

Sparen gehört eng mit der westlichen Kultur zusammen. Besonders von meinen Großeltern weiß ich, dass im Spätsommer Silagen angelegt werden mussten. Heu wird für den Winter eingefahren, denn die Kühe und Rinder brauchen auch dann etwas zu fressen.

In Logaweng gibt es im Laufe des Jahres Schwierigkeiten, alle Studenten wirklich satt zu bekommen. Das ist allerdings untypisch. Unsere Böden sind mittlerweile etwas ausgelaugt. Recht kleiner Raum muss viele ernähren. Es wird zu etwas untypischen Zeiten gepflanzt: Am Jahresanfang, wenn die neuen Studenten kommen, werden neue Gärten angelegt, aber dann ist es hier häufig zu trocken und Ungeziefer befallen die Süßkartoffeln. Dank der Partnerschaft mit dem Dekanat Castell können wir aber in dieser Zeit Reis kaufen!

Insgesamt kann man sagen, dass in Neuguinea weniger jahreszyklisch gepflanzt wird. Irgendetwas wächst immer. Vorratsspeicher sind fast unbekannt. Die Geschichte von Josef, der in Ägypten Scheunen für 7 dürre Jahre anlegte, passt nicht in diese Kultur. Niemand muss hier sparen, entweder eine Kokosnuss, eine Taroknolle, Süßkartoffeln oder ein Fisch aus dem Meer ist schon da.

Es liegt also in gewisser Weise an der Kultur, dass Sparen, Budgetieren und Vorausplanen meinen einheimischen Kollegen schwerer fallen. „Jetzt ist Geld vorhanden, jetzt kann es ausgegeben werden.“

Dazu kommt, dass neue einheimischen Kollegen noch nicht einmal 200 € monatlich neben dem gestellten Haus und Garten an Gehalt bekommen. Mal ganz ehrlich: Würde ich nur so wenig auf meinem Gehaltszettel sehen, würde ich mich auch bemühen, überall noch einen Zusatzverdienst aufzutun.

Mein neues Amt steht also in gewissen Spannungen. Was kann finanziert werden? Wem kann ich helfen? Wann gilt es zu sagen: Nein, wir haben dafür kein Budget.

Teilweise mache ich mit. Für eine mehrtägige Fahrt zu einer Gemeinde, um dort Bibelarbeiten zu halten, habe ich mich erweichen lassen, ein großzügiges Spesengeld auszahlen zu lassen. Das bringt die Seminarkasse dann schon noch her.

Mir macht es Spaß zu bilanzieren, buchen und mit Studenten über ihre Schulgebühren ins Gespräch zu kommen. Ich bekomme mit, welchen guten Job die Studentenvertretung macht, in dem Sie mit einfachen Mitteln Geld erwirtschaftet und diese sinnvoll einsetzt. Gerne suche ich nach Lösungen wie dies oder jenes finanziert werden kann und gleichzeitig versuche ich unser Budget nicht überzustrapazieren, sondern eine gute Balance zu erhalten. Das ist fast wie beim Fußball Manager oder einem anderen Computerspiel, nur eben die Realität.

Ich spiele am Computer schon lange nicht mehr mit großen Summen. (Eigentlich schon nicht mehr, seitdem ich zweifacher Vater bin. Dafür ist einfach keine Zeit mehr.) Nun muss ich tatsächlich in zweifacher Hinsicht darüber in gewissen Rahmen verfügen. Die Höhe des Gehaltes von 1,5 bayrischen Pfarrerstellen ist durchaus mit dem Jahresbudget des Senior-Flierl-Seminars zu vergleichen.

Noch stehe ich ganz am Anfang und werde es wohl auch bleiben. Ich bin nur Kassenwart auf Zeit, denn unser Vertrag hier endet ja schon in einem Jahr. Ich bin dankbar, dass ich jetzt dem Seminar noch dienen kann, nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch im Büro des Kassenwartes. Hoffentlich kommt es dabei nur zu erfreulichen Überraschungen.

Von Trubel und Hektik zu Langsamkeit und Ruhe

Wir dachten, der normale Alltag hätte sich jetzt nach dem hohen Besuch eingestellt, aber weit gefehlt. Wir haben nun schon drei Tagen überhaupt keinen Strom mehr und vorher immer wieder Unterbrechungen.

Unten in Gagidu stehen vier Dieselgeneratoren, gerade funktioniert keiner! Liegt es an Missmanagement und Korruption? Oder an Unfähigkeit? Lohnt es sich über die Ursache zu spekulieren?

Der Stromausfall beeinträchtigt jedenfalls das Leben ungemein, vor allem für die Studierenden. Wir pumpen üblicherweise Wasser aus einem nahen Bach hoch und versorgen damit alle Dozierenden und Studenten mit Wasser. Jetzt müssen wieder alle Studierenden runter laufen, um unten an dem Bach Wasser zu holen, sich oder ihre Kleidung zu waschen.IMG_20190218_151925

Die Fließgeschwindigkeit eines zweiten Baches in der Nähe des Seminars ist schon so gering, dass das Waschmittel nicht mehr wegspült wird. Darum wurden jetzt beim einzigen intakten Bach Waschzeiten eingerichtet: Bis 15 Uhr die Frauen, ab dann die Männer.

Es gibt zwar auch noch zahlreiche Wassertanks, um Regenwasser aufzufangen, aber es hat dieses Jahr noch fast nicht geregnet. Wir haben bisher hier noch nie eine solche Trockenzeit erlebt! Bisher ist mir höchstens der viele Regen auf den Keks gegangen. Jetzt aber tragen die Felder der Studenten weniger, weil es zu trocken ist. Wahrscheinlich werden wir bald Reis kaufen müssen, um die Mägen der Studenten etwas zu füllen.

Unser Seminarleiter hat verkündigt, dass der Unterricht vorerst ausfällt, damit alle Studenten Zeit haben für die Reparaturarbeiten an den Plumpsklos, um Quellwasser zu holen oder sich an den nahen Bach abzukühlen. IMG_20190218_152509

Abends macht jetzt unser Stationmanager den Stromgenerator für 2-3 Stunden an, denn viele wollen ihre Handys oder Laptops laden.IMG_20190217_195434

Das Ganze mag für deutsche Ohren recht dramatisch klingen, aber die Bewohner des Nachbardorfes sagen nur: Das sei doch alles kein Problem. Sie hätten auch nur Quell- und Flusswasser und die Flüsse führen auch nicht immer gleich viel Wasser.

Wir vier sind zwar vom Wassersystem des Seminars unabhängig, weil wir zwei große Regenwassertanks haben. Durch den fehlenden Regen sind diese aber auch fast leer. Das restliche Wasser kann wiederum ohne Strom nicht ins Haus hochgepumpt werden. Auch unsere Autobatterie, mit der wir in solchen Notfällen die Wasserpumpe betreiben, ist mittlerweile leer. Gestern haben wir unten bei einem der Ärzte geduscht, ansonsten gibt es Eimer und Becher.

Durch Sonne und Trockenzeit, aber vor allem durch fehlenden Strom sind wir immer noch nicht im Alltag angekommen. Meine Vorlesungen werde ich jetzt zusammenkürzen und ich habe Zeit, liegen Gebliebenes aufzuarbeiten, falls einem die 35°C im Haus nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Gerade schreibe ich noch an einem Artikel über die Kirchenpartnerschaft zwischen den Lutherischen Kirchen von PNG und in den Philippinen. Aber das ist ein anderes Thema.

Es grüßt aus dem warmen und ruhigen Finschhafen,

Ihr / Euer Knut Cramer

 

Hoher Besuch auf dem heiligen Berg

Anne schreibt aus ihrer Perspektive über den Besuch des Landesbischofs und der Delegation vor zwei Wochen:

Langsam trudelten die Studenten mit ihren Familien aus den Ferien oder dem Vikariat wieder in Logaweng ein. Auch unsere Familie war gerade erst aus dem Urlaub nach Logaweng zurück gekehrt und hatte in der sogenannten Orientierungswoche erste Bekanntschaften mit den zahlreichen Studenten (29) des neuen ersten Jahres gemacht.

Und dann begann das neue Schuljahr mit einem ganz besonderen Besuch! Für drei Tage kam der bayrische Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm in Begleitung seines Amtsbruders Jack Urame, dem Bischof der Evangelisch Lutherischen Kirche von Papua Neuguinea (ELC-PNG) sowie dem Direktor von Mission EineWelt Hanns Hörschelmann, dem Referatsleiter „Pazifik/Papua-Neuguinea/Ostasien“ Dr. Traugott Farnbacher, dessen Frau und weiteren Vertretern unsere schöne Schule auf dem Berg über dem Meer. Viel war im Vorfeld geschehen, um dem hohen Besuch einen würdigen Empfang mit einem traditionellen Singsing zu bereiten.SAMSUNG CSCUnsere Tochter mit dem Bischof

Nach kurzer Verschnaufpause (am Vortag in Lae war wegen einem Flugausfall das Programm von zwei Tagen in nur einen Tag gepackt worden) hielt der Landesbischof vor den Studierenden einen Vortrag, in dem er anschaulich betonte, dass wir als Christen ganz in der Welt leben und als Salz und Licht jedoch nie ganz in der Welt aufgehen können. Ein sehr spannendes Thema im Kontext von Papua- Neuguinea, wo Tradition und Kultur in den Menschen tief verwurzelt sind und nicht selten in einem Widerstreit zum christlichen Glauben stehen können. Unsere Studierenden stehen vor großen Herausforderungen, sich sowohl selbst von der Kraft des Evangeliums erneuern zu lassen, als auch das Licht des Glaubens in Dörfer zu tragen, in denen der Glaube an Geister und Dämonen allgegenwärtig scheint und viel Angst und auch Gewalt mit sich bringt.

Anschließend wurde die neu renovierte Unterkunft der ledigen Studenten eingeweiht.SAMSUNG CSC

Abends haben alle in unserer Region tätigen Mitarbeiter aus Deutschland, den Philippinen und Madagaskar bei einem gemeinsamen Abendessen Gelegenheit gehabt, in geselliger Runde beieinander zu sitzen. Mit der Delegation, dem Stationmanager, allen Dozenten den Ärzten und unserem Volunteer waren immerhin 22 Erwachsene und Kinder anwesend.

Der zweite Tag des Besuchs führte den Bischof zu den auch missionsgeschichtlich wichtigen Orten Simbang, Heldsbach und hinauf auf den hoch über dem Meer gelegenen Sattelberg. Überall gab es ein prächtiges Singsing und anschließend Reden und Geschenke.SAMSUNG CSC

Auch das Braun Memorial Hospital konnten die beiden Bischöfe besuchen. Alle Orte, an denen das Klima und die Zeit deutliche Spuren hinterlassen haben, wurden für den Besuch herausgeputzt und von ihrer besten Seite gezeigt. Dennoch war ich überrascht über die deutlichen Worte des Regionalbischofs (Distriktpresident) des Kote- Gebiets. In seiner Rede räumte er auch Versäumnisse und fehlendes Engagement Seitens der Leiter der Kirche in PNG ein. Und in der Tat sind mit dem Weggang zahlreicher Missionare auch viele Arbeiten eingestellt worden und eben nicht in einheimische Hand über gegangen. Der Bischof Jack Urame betonte im Gegenzug, dass die Verantwortung für eine lebendige Kirche bei jedem einzelnen Glied läge und er als Bischof viele Menschen kennen gelernt habe, die sich mit hohem Einsatz auch unter schwierigen Bedingungen für den Glauben engagieren.

Ein festliches Essen am Senior-Flierl-Seminary bildete den Abschluss eines langen Tages.

Am nächsten Tag hieß es dann wieder Abschied nehmen.

Es war beeindruckend, welche Hoffnung und Hochschätzung dem Besuch aus dem Heimatland Johann Flierls (dem ersten lutherischen Missionar in PNG) entgegen gebracht wurde. Es war ebenfalls beeindruckend mit wie viel Energie der Bischof dieses wirklich dichte Programm mit seiner Präsenz gestaltete.

Als die Delegation dann gerade mit dem Hubschrauber des Gouverneurs zum sehr entlegenen Krankenhaus in Etep unterwegs war, wurden am Seminar gerade die ersten Stunden des neuen akademischen Jahres 2019 gehalten.

Zurück und sofort mitten rein ins pralle Leben!

Seit dem 24. Januar sind wir wieder in PNG. Die letzten 14 Tage fühlen sich wie eine halbe Ewigkeit an: Besuch vom Landesbischof Prof. Bedford-Strohm, Visitationen zum Ende meines Probedienstes im Unterricht und im Gottesdienst, Einkaufen in Lae, Konferenz aller Mitarbeitenden der bayrischen Landeskirche, Unterzeichnung einer Partnerschaftsvereinbarung der Lutherischen Kirche in den Philippinen und von Papua-Neuguinea…

Der Landesbischof ist zusammen mit dem Direktor von Mission EineWelt Hans Hörschelmann und dem Referatsleiter Papua-Neuguinea / Pazifik / Ostasien Dr. Dr. h.c. Traugott Farnbacher in Papua-Neuguinea unterwegs. (Zahlreiche Fotos der Reise finden sich auf den Facebookseiten von beiden erstgenannten.)

Urlaub bedeutete Kontrastprogramm: Bahnfahren, in einer Pizzeria gut speisen, funktionierendes und günstiges Internet, Sicherheit auf den Straßen und dann natürlich Winter, Kälte und auch etwas Schnee. Ich liebe es am Kamin zu sitzen und dabei ein Buch zu lesen. Dafür war endlich einmal wieder Zeit, anders als in den letzten Tagen hier.

Alle Flüge und Bahnfahrten mit den Kindern, sowohl nach und von Deutschland wie auch innerhalb des Landes haben wirklich gut geklappt. Zurück ging es von München über Riad nach Manila, von dort über Port Moresby nach Lae. Ankommen am finalen Flughafen vor den Toren Laes war die Freude groß: Andere Überseemitarbeiter wurden gerade zum Flughafen gebracht. Das Krankenhaus in Etep, an dem sie tätig sind, ist noch abgelegener als unser Seminar, sodass sie es nur mit dem Flughafen erreichen konnten. Wir haben uns gefreut das Ehepaar mit seinen beiden Kindern wiederzusehen. Sie waren Anfang 2018 für einige Wochen bei uns in Finschhafen, um Sprache und Kultur kennenzulernen und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.

Die Freude war aber auch schnell wieder vorbei. Noch am selben Tag wurde das Auto, mit dem ich in Lae unterwegs war, ausgeraubt: Ein geschlossener Karton war im Auto. Darin waren Bücher im Wert von ca. 400 €, allen voran Bibeln und Kalender. Ob der Dieb das erwartet hat?

Am 25. Januar mussten wir mal wieder aufs Speedboot. Eigentlich sollte schon seit 2 Jahren wieder ein großes Schiff fahren. (Ein Bild habe ich schon mal gepostet.) Es fehlt anscheinend immer noch Genehmigungen. Die Kirchenleitung gibt aber auch keine Neuigkeiten an die Öffentlichkeit.IMG_20190204_111419

Am folgenden Tag kamen dann Herr Farnbacher und auch unser Nachbar Jomie Wild nach Finschhafen. In Lae waren wir schon auf unseren Volunteer Milo gestoßen, der von einem Auswertungsseminar zurückkam. Logaweng füllte sich wieder.

Ich habe erstmal alles stehen und liegen gelassen und mich auf den Gottesdienst am 27.01. konzentriert. Jesus nimmt für sich in Anspruch der Gottes Knecht zu sein, über den viele zu seiner Zeit nachdenken (Lukas 4:14-21). Er verkündigt den Armen zuerst das Evangelium. Wieder waren wir bei dem Thema „Armut und Reichtum und Chancengerechtigkeit“. Darüber hatte ich schon mehrfach im wohlhabenden Deutschland nachgedacht, besonders der Klimawandel beschäftigt mich. In meiner Heimat wird Kohlendioxid produziert, welches hier den Menschen die Lebensgrundlage nimmt. Auf dem Weg von Lae nach Finschhafen fahren die Boote immer wieder einen Markt an, der bald keinen Platz mehr an der Küste hat. Das Meer rückt immer näher.

Wir haben jetzt eine Konsequenz gezogen. Wir spenden in Zukunft einer Organisationen, die sich für den Klimaschutz einsetzen und CO2 kompensiert, welches andere verbrauchen. Auf die Flugreise nach Deutschland wollten wir nicht verzichten, weil es uns wichtig ist, Freunde und Familie zu treffen. Die Großeltern sollen ihre Enkelkinder wenigstens einmal im Jahr sehen.

In Deutschland haben wir mit unseren Familien besprochen, dass wir uns vorstellen können, ein halbes Jahr länger hier zu bleiben, also vielleicht bis April 2020. Das müssen aber verschiedene Parteien bejahen, sowohl die Kirchen wie auch der Staat, von dem wir ein neues Visum brauchen. Im Laufe des Jahres dürfte mir die sogenannte Bewerbungsfähigkeit auf eine bayrische Pfarrstelle bescheinigt werden, denn alle Gespräche und Visitationen sind erfolgreich verlaufen.

Der Unterrichtsbesuch fand statt während der EKD-Ratsvorsitzende und der Bischof der Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea hier waren. Anne hat die Delegation mit unserem Auto bis zum Sattelberg gefahren. Unterwegs kamen sie auch in Heldsbach vorbei. Herr Bedford-Strom veröffentlichte zu seinem Besuch in Heldsbach auf seiner Facebook-Seite am 07.02.2019:

„Eine große Menge von Menschen und alle Repräsentanten der Kirchen erwarteten uns dort, wiederum mit einer bunten Zeremonie und wunderschönem Blumenschmuck überall. In den Reden wurde unser Besuch immer wieder als historisch bezeichnet und die große Bedeutung der Partnerschaft unterstrichen. Anders als in manch anderen Kontexten, in denen Mission und Kolonialismus eng miteinander verbunden werden, haben wir keine Kritik an dem Wirken der weißen Missionare gehört, sondern eine große Dankbarkeit und die Bitte an uns, uns weiter und intensiver zu engagieren. Bischof Urame versucht in seinen Predigten und Reden, auch während unserer Reise, immer wieder auf die Notwendigkeit der Eigenverantwortung hinzuweisen. Gleichzeitig braucht man einfach an vielen Punkten Unterstützung von außen. In einer Gesellschaft, die erschüttert ist von Gewalt, den negativen Folgen der Globalisierung und verschiedenen Kulten wie der Zauberei und des Hexenwahns, ist das Zeugnis des Evangeliums und seine Menschenfreundlichkeit umso wichtiger.“

Ich kann dem nur zustimmen, denn das erfahren wir immer wieder. Es wird erzählt, dass angebliche Zauberei wohl auch der tiefere Grund für den Konflikt im Nachbardorf sei. Ein großer Ungeist müsse noch vertrieben werden, behaupteten zwei Dorfvorsteher. Ein Teil der Dorfbewohner sind immer noch vertrieben. Einige leben in der provisorischen Unterkunft, andere sind mittlerweile bei Bekannten untergekommen. Einerseits sollen diese Tage Versöhnungsgespräche geführt werden, andererseits wird mehr Gewalt bis hin zu Mord befürchtet.

Zu der Delegation, mit der Herr Bedford-Strom unterwegs ist, gehören neben den erwähnten Personen auch noch der Rektor von der Evangelist Training Schule in Amron bei Madang und 2 Mitarbeiter vom Media-Team der neuguineischen Kirche. Alle sind am Montag, den 04.02. mit mir hierhergekommen und am 06.02. weiter über Wasu nach Madang geflogen. Ich habe vorher in Lae einerseits am offiziellen Programm teilgenommen: Es gab ein Mitarbeitertreffen mit dem deutschen Bischof. Er und seinem Amtskollegen hielten einen Vortrag am Martin-Luther-Seminar. Die Partnerschaftsvereinbarung zwischen den lutherischen Kirchen PNGs und der Philippinen wurde feierlich unterzeichnet.IMG_20190203_151004

Ein Gottesdienst wurde gefeiert, wo Prof. Bedford-Strom gepredigt hat. Das Programm war unheimlich dicht. Jetlag wurde den Reisenden nicht zugestanden. (Die drei folgenden Bilder zeigen das Kirchengelände in Lae kurz vor und während der Begrüßung des Besuchs.)

Andererseits habe ich auch vieles eingekauft, damit sich alle hier wohl fühlen können. Hochlandgemüse, Früchte, Fleisch, aber auch Bier und Wein wurden dann auf ein Speedboot geladen, damit sich hier alle des Lebens freuen können. (Das nächste Bild zeigt die Studenten bei der Zubereitung des Festessens für die Gäste.)IMG_20190205_122526

Anne und ich sind Herrn Hörschelmann, der bei uns im Haus schlief, dankbar, dass er ein offenes Ohr hatte. Wir fühlen uns grundsätzlich wohl, aber vieles ist auch nicht einfach. Er äußerte viel Verständnis.

Jetzt schaffe ich es endlich mein Büro wieder so aufzuräumen, dass ich wirklich arbeitsfähig bin, um gut unterrichten zu können. Nächste Woche kommt ein Student zu mir, dessen Abschlussarbeit ich betreue soll. Das mache ich dann zum zweiten Mal. Das erste Mal hat es mein Denken weitergebracht. Die erste Arbeit drehte sich um das Priestertum aller Gläubigen. Alle, egal welcher Hautfarbe, ob mit oder ohne Studium, ob Mann oder Frau, ob postmodern oder vormodern, ob Bischof oder Laie (Der Begriff wird hier durchaus positiv verwendet), wir dienen und feiern Seite an Seite in der einen Welt Jesus Christus.

Letzter Gruß aus Logaweng im Jahr 2018

Die Sonne brennt. Ich schwitze mehr als sonst. Es ist heißt. Nur noch Echsen fühlen sich richtig wohl. Sie baden in der Sonne.

Letzte Woche suchten sich 18 Pfarrer ein schattiges und windiges Plätzchen. Ich hatte Sie aufgefordert sich auszutauschen. Ihre Erfahrungen zum Wirken des Heiligen Geistes beim Gemeindeaufbau interessierten mich. Wir unterhielten uns während dieser Gruppenarbeit aber auch über die Echsen in der Trockenzeit aus. Es war zu beobachten, dass wir gerne ein schattiges Plätzchen aufsuchen, Echsen aber heiße Steine lieben.

Unter dem großen Thema der Macht Gottes, leitete unser Seminarleiter Gesprächsrunden zu Zauberei und Hexerei (poison and witchcraft), unser Studiendekan gab eine Einführung in Methoden, um Bibelarbeiten gewinnbringend durchzuführen und ich referierte über das Wirken von Gottes heiligem Geist. Es war für die Pfarrer eine volle Woche, aber sie haben die Woche auch als Erholung wahrgenommen: Austausch & Begegnungen, gutes Essen und abendliches Videoschauen ließ den Alltag fern sein.

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Der Alltag kann hier manchmal sehr herausfordernd sein. In unserem Nachbardorf wurden gerade über 15 Häuser abgebrannt: Stammeskonflikte bis zum Todesfall und auch Zauberei sollen die Ursache sein. Ich habe einen Mann schwerverletzt nach mehreren Buschmesserschnittwunden ins Krankenhaus gefahren. Auch ein dreifacher Widerhaken, mit dem Wildschweine gejagt werden, hing in seinem Rücken. Gerade schläft das halbe Dorf nur unter Plastikplanen und kann nicht in ihr Dorf und in ihren Garten. Ein Pfarrer, der an der Fortbildung teilnahm, meinte, bei ihm in den Gemeinden gebe es noch viel schlimmere Kämpfe. Was alles um uns herum so los ist, können wir manchmal nur erahnen. Viele Informationen werden bestimmt verschwiegen und zurückgehalten.

Bisher fühlten wir uns hier immer sicher, aber dieser Konflikt fast vor der Haustür stimmt nachdenklich. Wir versuchen zu helfen. Anne hat Reis vergeben und hört sich die Sorgen unserer Nachbarn an. Ich habe Frauen und Kinder im Dunkeln noch zur Polizei oder zu ihrem gegenwärtigen Schlafplatz gefahren. Aber wir wollten auch nicht in den Konflikt hineingeraten und waren darum vorsichtig und zurückhaltend in unserem Handeln.

Morgen brechen wir nach Lae auf. Ich will noch einmal für die Bibliothek und den Buchladen einkaufen und dann fliegen wir aber in den Urlaub mit Zwischenstopp auf Bali nach Deutschland. Ich brauche jetzt eine Pause und will die Seele baumeln lassen.

Mein Schwager Felix und seine Frau Johanna sind vor ca. 2 Wochen zu Besuch gekommen. Besonders Jaron und Nora freuen sich, dass ihr Onkel und ihre Tante sogar ein Piratenfloß mit ihnen gebaut haben. Während ich über den Heiligen Geist nachdachte und mir erste Gedanken über meine allerletzten Prüfungen gemacht habe, sind beide mit Jaron und Nora und natürlich auch Anne mehrfach schwimmen gewesen. Ende Januar / Anfang Februar werde ich noch mal im Unterricht und im Gottesdienst visitiert, um dann hoffentlich erfolgreich meinen sogenannten Probedienst zu beenden.

Jetzt ist hier in Logaweng aber wenig los. Es ist richtig ruhig. Viele Studenten sind nach der feierlichen Graduierung (Foto) zu ihren Heimatorten aufgebrochen. Die Klassenräume und die Kirche wurden durchgeputzt und alles ist in den Warte- bzw. Adventsmodus gesetzt worden. Anderseits nutzten wir eben die Zeit, um noch ein Seminar zu veranstalten und dann bricht dieser Konflikt im Nachbardorf aus.

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Wir hatten auch vor, einen Tag bis nach Kalassa zu fahren (ca. 100 km die Küste hinauf) und dort zu übernachten. Alles war organisiert. Die Idee war, dort einen kleinen Abendgottesdienst zu feiern, einen Studenten zu seiner Familie zu bringen, zwei Vikare abzuholen. Gesangbücher und Kirchenkalender wollten wir dort verschenken und verkaufen. Und eben auch einfach die Gegend kennenlernen. Die Orientierung ist schließlich auch nach 2 Jahren nicht zu Ende. Es wurden einige Telefonate geführt und Bekanntschaften während der Graduation geknüpft. Soweit so gut. Wir packten das Auto und starteten erwartungsvoll den Motor, aber nach 2/3 der Strecke brauch vorne der Stoßdämpfer entzwei und ohne den schädigt man hier das Auto sehr, weil die Straße hier wirklich in einem extremen Zustand ist. Mehrere kleine Flüsse hatten wir schon durchquert. Brücken gibt es wohl schon seit mehren Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr, nur noch letzte Betonplatten liegen am Ufer. So bauten wir eben das beschädigte Teil aus, drehten um und informierten den „Dekan“, dass wir im nächsten Jahr noch mal probieren würden zu kommen.

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Ja, das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Wir sind jetzt Teil von Logaweng und doch nicht mittendrin. Wir sind anders, die Übersee-Mitarbeiter. Vieles sehen wir mit einer anderen Brille, wir verteilen schlechtere Noten, wir haben ein eigenes Auto und lassen es sogar in Lae reparieren. Die Neugineaner würden vielleicht auch nicht so schnell umdrehen. Und doch habe ich den Eindruck, dass es geschätzt wird, dass wir hier sind. Als ich vom Bibliothekar und 6 Studenten eingeladen wurde, um mit ihnen Hühnchen zu essen, um das vergangene Jahr Revue passieren zulassen, ging mir durch den Kopf: Ich gehöre dazu. Diese Einladung, gute Worte, geschenkte Bilums oder auch ein gemeinsames Wochenende mit unserer waspapa-grup (8 Studenten und ihrer Familie) auf Tami-Iland (Foto unten) motivieren mich, hier mitzuarbeiten trotz der Stammeskonflikte, angeblicher Hexerei in der Umgebung, schlechter Straßen und der stechend heißen Sonne. Ich werde nach 4 Wochen Urlaub gerne zurückkommen!

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Kurzzusammenfassung des Artikels: Gefahren abwenden, Hitze aushalten, Informationen verschweigen, Jahresabschluss feiern, Konflikte durchschreiten.

Hochzeit, Reformation, Jahresabschluss und doch nicht nur Feierstimmung

Neonröhren leuchten, denn Mitten am Tag ist es dunkel geworden. Im lauten Regen schreiben 11 Studenten gerade einen Test über Pastoraltheologie. Ich habe mit ihnen überlegt, was das Priestertum aller Gläubigen für die Arbeit des Pfarrers bedeutet. Hier ähnelt die Rolle des lutherischen Pfarrers doch häufig der eines katholischen Priesters. Hauptaufgabe sind die Verwaltung der Sakramente. Die Folge: Spannende Diskussionen.

Es ist der letzte Test, den ich dieses Jahr schreiben lasse. Auch daran merke ich, das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Viele Noten stehen fest. Diese Woche hat unser Abschlussjahrgang auch seine letzten Prüfungen abgelegt. Ich muss noch 10 Arbeiten korrigieren.  In der Aufgabenstellung heißt es, ein Pfarrer soll eine Fortbildung zu den lutherischen „Säulen“ „sola gratia, sola scriptura, sola fide, solus Christus“ halten. Dazu mussten die Studenten ein Konzeptpapier und eine inhaltliche Auslegung konzipieren. Mir wird bewusst, ich arbeite in einer konfessionellen Einrichtung mit.

IMG_20181028_152941Auch außerhalb der Klassenräume neigt sich das Jahr zu Ende. Mit Buschmessern und Äxten wird gerade über mehrere Wochen ein Stück Regenwald gerodet, um den Garten fürs nächste Jahr anzulegen. Das ist wirklich harte Arbeit! Diese Art Landwirtschaft wird aber nicht den Lebensraum dieses Gesellen vernichten.

IMG_20181108_140053Das Baumkänguru Findus wird nämlich von Milo, unserem Volunteer, als Haustier gehalten. Er trägt ihn immer mit sicher herum und Nora und Jaron spielen lieber mit dem putzigen Gesellen als mit meinen Hühnern.

Einen Garten dieser Größe anzulegen, ist alleine unmöglich. Alle Studenten helfen mit, damit auch nächstes Jahr alle satt werden. Trotz dieses Teamgeistes gab es auch dieses Jahr wieder eine bedrohliche Auseinandersetzung zwischen zwei Studenten. Ein Student muss nun nächstes Jahr ein Jahr pausieren. Unser kleiner Laden auf dem Campus wurde mit roter Bettelnussspucke bespuckt und war vorrüber­gehend geschlossen. Fast 200 Männer und Frauen leben auf recht engem Raum zusammen. Da bleiben Frustrationen und Enttäuschungen nicht aus. Das verstehe ich gut. In der Aufarbeitung gibt es allerdings kulturelle Unterschiede.

Es gibt aber auch viel Erfreuliches zu berichten: Am 20. Oktober haben sich Thorsten und Bernadette das „Ja“-Wort gegeben. Im Vorfeld haben alle kräftig mit angefasst: Feuerholz holen, Süßkartoffeln ernten, Schwein schlachten, Pizza backen, Schimmel von Wänden entfernen…. Dann gab es Gottesdienst, Kuchen essen im Garten, Festmahl im Versammlungshaus und abends ein gemütliches Beisammensein. Philippinos, Niuginis, Deutsche und ein Österreicher saßen zusammen und haben sich gut unterhalten. Für Nora war es etwas ganz Besonderes, dass sie Blumen streuen durfte.

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Auch die Feierlichkeiten zum 501. Reformationsjubiläum haben Spaß gemacht. Diesmal waren fast alle unserer Kollegen irgendwo unterwegs . Anne und ich gestalteten dafür hier das Programm: Ich habe am 28.10. das Leben Luthers und Bartimäus (Mk 10) verglichen: Beide suchen einen gnädigen Gott, beide blicken wieder durch und beide werden zu Nachfolgern Christi. Anne predigte am 31.10. zu Luthers Gedanken zum christlichen Leben: „oratio, meditatio et tentatio“ und abends zeigte ich Bilder zu den Wirkungsstätten des Reformators.

IMG_20181030_082821Ich finde an dem Tag war der Altarraum besonders feierlich geschmückt.

Vorgestern gab es auch schon das erste Abschlussfest dieses Seminarjahres. Die Frauen-Fellowship hat den Anfang gemacht und auch die Ehemänner durften kommen. Es wurde natürlich zuerst Gottesdienst gefeiert und dann wieder fast hochzeitlich aufgetischt: Taro, Süßkartoffeln, Blattgemüse, Würstchen und frischen Fisch unter sternenklarem Himmel und leuchten Neonröhren.