Buai in Plastik

…nun bin es einmal wieder ich (Anne) die sich auf unserem Blog bei euch/Ihnen meldet.

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich auf dem „Rustys Market“ in Cairns die PNG- Fraktion mit Meriblauses, Bilums, und natürlich Buai und Daka gesehen habe. Dabei stach ein kleines Detail ins Ausge: In PNG kauft man das Ganze wie es ist. Die Buai wechselt von einer in die andere Hand. Hier in Australien wechselt die Buai gut verpackt in einer Plastiktüte den Besitzer.IMG_20180706_110444

In Logaweng sind gerade zwei Wochen Semesterferien und wir machen als Familie Urlaub in Cairns. Und es gefällt uns hier sehr gut! Die lutherische Kirche unterhält ziemlich im Zentrum Cairns eine sogenannte „Missionary- Flat“ die wir recht preiswert für zehn Tage bewohnen können. Wir flanieren an der „Esplanade“, baden in der „Lagune“, besuchen das Aquarium und machen was man sonst so als Tourist in Cairns machen kann. IMG_0530Zum Beispiel eine Gondelfahrt von Kuranda ausgehend über den australischen Regenwald. Sehr teuer, sehr touristisch, aber auch beeindruckend und…schön! Die Kinder sind gut drauf und freuen sich an ihren Eltern und wir uns an ihnen.IMG_0352IMG_0520

Ob Nora es auch etwas eigenartig findet „westliche“ Kleidung zu tragen und überall viel Haut zu sehen? Und ob ihr auch auffällt, dass wir hier in zwei Tagen so viel Müll produzieren wie in Logaweng in zwei Wochen? Letzteres finde ich zumindest wirklich bedenkenswert. Und das alles mit dem freundlichen Hinweis „..Help us protect the environment…“. Man denke hier am Ausgangspunkt für unzählige Touren ans Great Barrier Rief an den Plastikmüll in unseren Meeren.

Letztes Jahr in den Semesterferien hatten wir gefüht (oder echt?) mindestens einen Monat Dauerregen hinter uns und wären dieser klimatischen Herausforderung gerne einmal entflohen. Dieses Jahr war es etwas anders. Regen und Sonne wechselten sich bis jetzt immer schön ab und auch sonst fühlen wir uns in Logaweng gerade sehr wohl. Ein bisschen „rauskommen“ schadete aber trotzdem nicht.

Als wir vergangenes Jahr Weihnachten in Deutschland waren, wurde ich gefragt, ob ich hier meinen Glauben manchmal anders erlebe. Damals sagte ich, dass dies eigentlich nicht der Fall ist. Inzwischen denke ich doch, dass das manchmal so ist. Unser Weg nach Cairns zum Beispiel… Am Freitag wollten wir nach Lae aufbrechen.  Da fährt eigentlich das sogenannte SDA-Boot, das etwas größer und komfortabler ist, als die sonst üblichen Bananenboote. Außerdem hat es ein Dach! Das ist schon sehr hilfreich bei viel Sonne oder viel Regen. Insgesamt ist das Meer um diese Zeit ja eher unruhig. Nun fuhr dieses Boot am Freitag nicht. Am Donnerstag waren bereits einige Studenten in ihre Dörfer aufgebrochen und das bei nicht gerade günstigen Wetterbedingungen. Da ist so eine Überfahrt wirklich kein Spaß, um genau zu sein, sie kann ziemlich gefährlich werden. Da habe ich am Donnerstag schon gebetet: „Lieber Gott, lass das Wetter morgen mitspielen.“ Wir hatten dann am Freitag wieder einmal eine echte Bilderbuch-Überfahrt die ich sogar genießen konnte. Bisher hatte ich bei keiner der Überfahrten mit den Kindern Angst. Aber ich möchte auch nicht in die Situation kommen, diese Angst haben zu müssen. Im Zweifelsfall müssten wir kurzerhand so eine geplante Überfahrt eben platzen lassen. Das ist aber auch leichter gesagt als getan, wenn man auf gepackten Koffern sitzt und ja auch nicht weiß, wie das Wetter am nächsten Tag dann ist. Wie gesagt, bisher hatten wir immer Glück – oder göttlichen Beistand. Für den Satz mancher Studenten uns könne ja nichts passieren, schließlich seien wir alle im Auftrag des Herrn unterwegs, kann ich mir nicht so einfach erwärmen. Vielleicht haben sie solchen „Galgenhumor“ aber auch einfach nötiger. Ihre Kinder besitzen keine Schwimmwesten – ganz im Gegensatz zu unseren…

Wie gesagt, gerade genießen wir den „westlichen Lifestyle“, wir genießen ihn wirklich! Oh, was für ein Unterschied es ist, im Flughafen in Lae oder in Cairns eine öffentliche Toilette aufzusuchen! Aber wir freuen uns auch auf das zweite Semester am Seminar in Finschhafen.

Wir haben beide gestaunt wie mutig Nora hier in Cairns auf dem wirklich sehr toll angelegten Spielplatz herum geklettert ist. Sie ist wirklich sehr geschickt geworden! Offenbar hat sie am Frangipani-Baum in unserem Garten ordentlich geübt. Heute beim Abendessen hörten wir der Satz „meine Freunde in Logaweng…“ aus Noras Mund. Welche Freude! Aber auch, dass sie das nächste Mal wieder zu Oma und Opa in den Urlaub fliegen will. Überhaupt redet unsere Nora gerne und viel, mit ihrem Bruder vorzugsweise auf Tok Pisin. Jaron, dessen zweiten Geburtstag wir hier gerade gefeiert haben, bevorzugt ebenfalls Tok Pisin. Aber auch er wird wohl irgendwann auch Deutsch sprechen, was er von sich gibt klingt auf jeden Fall schon ganz vielversprechend.

Ich habe im letzten halben Jahr viele schöne und gute Erfahrungen in PNG gemacht! Und vieles ist und bleibt natürlich auch zumindest herausfordernd. Ich möchte gerne mehr davon berichten, aber gerade bin ich im Urlaub…

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Mehr in weniger Zeit.

Ich könnte von einsetzenden Starkregenfällen, von einem fast 14-tägigen Stromausfall oder von Gewalttaten im Nachbardorf schreiben, aber das ist nur frustrierend. Stattdessen möchte ich einmal einige Worte zum Unterricht und dem neuen Curriculum loswerden. Dabei schreibe ich, wie in einem Blog üblich, subjektiv und wertend.

Wen bilden wir wofür aus? Ob sich darüber die ELC-PNG 2016 und in den Jahren davor viele Gedanken gemacht hat, wüsste ich gerne. Damals wurde das neue Curriculum für die drei theologischen Seminare der Kirche beschlossen. Unser Seminar in Logaweng hat es letztes Jahr nach dem Synodenbeschluss der Kirche pflichtbewusst eingeführt. Anne und ich waren zum Zeitpunkt, als dieser Beschluss gefällt wurde, noch nicht hier. Diese Entscheidung betrifft allerdings unsere tägliche Arbeit.

Offiziell werden nun 2 Jahrgänge auf Englisch unterrichtet. Da allerdings weder die Englisch­kenntnisse der Studierenden noch der Lehrkräfte (mich eingeschlossen) durchgängig zufriedenstellend sind, lesen wir zwar englische Texte, allerdings ist Unterrichtssprache weiterhin „Tok Pisin“. Auch auf der Straße würde ich schließlich nie einen der Studenten auf Englisch ansprechen. Ferner mag ich das bildhafte Pidgin, auch darum bleibe ich dabei.

Das neue Curriculum brachte es mit sich, dass viele neue Kurse erteilt werden müssen, u. a. Sprachkurse. Ich unterrichte nun tatsächlich 4 Stunden Griechisch und dekliniere und konjugiere mit den Studenten. Die Studenten steigen in eine neue Denkwelt ein. Ich und zumindest ein weiter Student haben Spaß an Grammatik und der Analyse von immer länger werden Sätzen.

Die Kursbücher dafür habe ich übrigens mit „bayrischen“ Gelder erworben, über so etwas hat sich die Kirche im Vorfeld keine Gedanken gemacht.

Passend zum Griechisch-Kurs erteile ich nun auch den Kurs „Umwelt und Zeitgeschichte des Neuen Testaments“. Über die erste Christenverfolgung, Hellenismus oder die Tempelzerstörung im Jahre 70 sollten die Studenten jetzt bescheid wissen. Diesen Kurs halte ich für sehr gewinnbringend. Ohne Einblick in die historischen Umstände ist das NT in meinen Augen weniger gut zu verstehen.

Aber ob die Studenten Griechisch können sollten, da bin ich, obwohl ich es selbst unterrichte, unsicher. Eigentlich ist die Idee doch, Pastoren auszubilden, die anschließend an entlegenen Orten Menschen begleiten. Da sind doch praxisorientierte Kurse sinnvoller: Seelsorge, Religions­unterricht, Gemeindeleitung, etc.

IMG_20180429_110425Das neue Curriculum sieht allerdings weniger praktische Kurse vor, weniger klassische Dogmatik und deutlich weniger Kirchengeschichte. Es ist nur noch die junge Kirchengeschichte in Papua-Neuguinea und die Reformationsgeschichte im Blick. Dafür wird Wert auf interkulturelle Theologie gelegt, es sollen beide klassischen Sprachen eingeführt werden und die Ausbildung wurde auch um ein Jahr verkürzt. Vorher dauerte die Ausbildung fünf Jahre, nun sind es eben nur noch vier. Die Kirche will zu viel, in zu kurzer Zeit!

In meinen Augen hat man übers Ziel hinausgeschossen. Ich lasse mich gerne begeistern, Theologie interkulturell zu betreiben. Aber ebenso wichtig ist doch auch ein gewisses Grundwissen. Es scheint mir ebenso wichtig zu sein, erklären zu können, in welcher Zeit und unter welchen Umständen Luther was behauptet und durchdacht hat. Dafür brauche ich auch einen Blick in Mittelalter.

Häufig werden die lutherischen „Säulen“, wie man hier sagt: sola gratia, sola scriptura, sola fide und solus Christus als Glaubensbekenntnis herausgerufen, aber die Bedeutung ist vielen nicht klar; vielleicht noch nicht einmal, welche Sprache ich spreche, wenn ich diese Fachtermini verwende.

Eigentlich müssten nun nächstes Jahr 2 Jahrgänge gleichzeitig ins Vikariat gehen, aber es scheint, als ob wir darauf noch nicht eingestellt sind. Wochenendpraktika als Vorbereitung aufs Vikariat absolviert jetzt erstmal nur ein Jahrgang. Mal sehen, was nächstes Jahr passiert.

Nächstes Semester soll eben nun auch Hebräisch unterrichtet werden. Anne und ich haben beide gesagt, dass wir dazu nicht in der Lage sind. So wird diese Sprache wohl nicht erteilt. Klar, sollte es einige wirklich gut ausgebildete Theologen mit hohen Abschlüssen geben. Aber Hebräisch hilft den Menschen im „Busch“, wo keine Straße hinführt, kein Stromleitung verlegt wurde, wo Wasser aus einem Bach getrunken wird, kein Krankenhaus in der Nähe ist und die Schulbildung keine hohe Priorität hat, nicht. Dort braucht es Pastoren, die Hoffnung vermitteln und Frieden schlichten. Es ist wichtig, dass das Evangelium in einfachen Worten übermittelt wird. Kommunikationsfähigkeiten sind in meinen Augen wichtiger als alte Sprachen. Die haben auch ihren Platz, aber nicht an diesem Seminar. Alles ist nicht möglich, besonders nicht, wenn die Zeit dafür noch gekürzt werden soll.

Die Unruhe bezüglich der weiteren Umsetzung des neuen Lehrplans wächst langsam, Gespräche mit der Kirchenleitung werden geführt, aber bisher scheint wenig Unterstützung von dort zu kommen. Vielleicht ist diese auch überfordert, weil einige, die alles ins Laufen gebracht haben, verstorben oder erkrankt sind. Aber es muss etwas geschehen: Das erste Semester geht noch 4 Wochen. Schaffen wir dann wieder unsere eigene Umsetzung des Lehrplans mit allen Unsicherheiten? Ich bin sehr gespannt und begleite den Prozess gerne konstruktiv kritisch mit.

Unterschiedliche Perspektiven

Mit einem Speedboot sind wir vor nun mehr gut zwei Wochen nach Lae gefahren: Wir vier haben richtig darauf gefreut während der Unterrichtspause unsere Übersee-Kollegen zu treffen. Ich bin von Lae noch weiter mit den Kollegen auf unsere jährliche Männerfreizeit aufgebrochen.

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PNG Forest schlägt Holz und verarbeitet es, Wafi-Golpu will im großen Stil Gold abbauen. Beide sind international vernetzt und präsentieren sich als sozial engagiert und umweltbewusst. Auf der Männerfreizeit haben wir uns mit Mitarbeitern von beiden Firmen unterhalten und von PNG Forest auch eine Betriebsführung bekommen. Nach beiden Begegnungen waren unsere Bedenken groß, in wie weit Wort und Tat zusammen-passen.

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Auf der anderen Seite haben wir erlebt, wie in einem kleinen Dorf Gold mit ganz einfachen Mitteln (Schaufel, Schubkarre, Flusswasser und Quecksilber) abgebaut wird. In unserem Nachbardorf Sokaneng werden große Urwaldbäume mit einer Kettensäge gefällt und nur damit weiterverarbeitet.

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Es fehlt eine einflussreiche Regierung und eine wirksame Verwaltung, die die Schätze des Landes für viele gerecht und nachhaltig nutzbar macht.

In Bundun (ca. 1 ½ Stunden von Lae entfernt gelegen) haben wir am vorletzten Wochenende fünf spannende Tage verbracht. Früher gab es dort eine Bibelschule, heute wird von einem Konferenzzentrum gesprochen, aber es kommen nur wenig Gäste. Nach dem der letzte Missionar gegangen ist, wurde vieles nicht so erhalten, wie der es sich wahrscheinlich gewünscht hätte. Das Zentrum wurde allerdings soweit hergerichtet, dass wir fließendes Wasser, frisch bezogene Betten und auch durchgängig Strom hatten.

Einige haben vorher in Lae kräftig eingekauft, sodass wir vorzüglich speisten: Teilweise haben wir selbst gekocht, teilweise auch kochen lassen. Es war aber nicht das Essen, Sport oder kleinere Trips in die Natur, sondern es waren vor allem die Begegnungen mit den anderen Missionaren, die die Zeit zu einer besonderen gemacht haben: Austausch und Entspannung statt Arbeit und gewisse Anspannungen.

Zusammen mit zwei neuen Familien sind wir zurück nach Finschhafen gefahren. Ein neues Ärzteehepaar beginnt ihren Dienst im 4km entfernten Krankenhaus in Butaweng, ein weiterer junger Arzt ist mit seiner Frau gerade noch zur Einarbeitung hier, wird aber bald an ein anderes Krankenhaus bei Wasu umziehen. Beide Familien haben kleinere Kinder, mit denen Nora und Jaron gerne spielen.

Ansonsten hat uns der Alltag wieder: Unterricht, Gottesdienste und Andachten, Buchladen und auch die sogenannte waspapa-grup hat begonnen. Neun Studenten teilweise mit ihren Frauen und Kindern sind uns zugeteilt, für die wir Ansprechpartner sein sollen. Unsere erste Gruppe im letzten Jahr ist uns schon sehr ans Herz gewachsen. Mit der neuen Gruppe hatten wir erst ein erstes Treffen, um einander besser kennen zu lernen.

Gerade schreiben einige Studenten kleinere Aufsätze. Ich bin mit ihnen in unserer überschaubaren Bibliothek und will ihnen erklären, wie man Literatur findet, richtig zitiert und ein Literaturverzeichnis anlegt. Dass ist vielleicht nicht entscheidend, um später als Pfarrer irgendwo tief im Regenwald zu wirken. Ich habe aber die Hoffnung, dass doch einige wenige ihr Studium am Martin-Luther-Seminar in Lae fortsetzen und dort ihren Bachelor erwerben. Die Kompetenzen und Begabungen der Studenten sind sehr unterschiedlich: Einige erlernen z. B. mit Leichtigkeit griechische Vokabeln und durchschauen die Grammatik dieser Sprache und andere können auch nach mehrfachen Wiederholen einfachste Sachverhalte nicht wiedergeben. Ob es sinnvoll ist, Griechisch zu unterrichten, wie es der neue Lehrplan seit diesem Jahr vorsieht?

Neben dem Niveau ist auch noch die Prägung so anders als wir sie erfahren haben: Allversöhnung, eine Gewichtung von biblischen Aussagen oder Verständnis für den Beschluss der Segnung von homosexueller Paare sind den meisten Studenten wirklich fremd. Ersteres habe ich in dem Kurs „Eschatologie“ intensiv diskutiert. Die Studenten meinten, mein Unterricht würde am meisten Gespräche unter ihnen auslösen…

Auf jeden Fall bringen Anne und ich eine andere Perspektive hierher.

Good Friday oder Karfreitag? Ein Rückblick auf die Feiertage

Über die Feiertage „Gründonnerstag und Karfreitag“ war ich mit 3 Studenten und unserem Volunteer Eric in Kolem. Mit Powerpointvorträgen und Gruppenarbeiten sind wir durch die Passions- und Ostergeschichte des Markusevangeliums gegangen. Mir wurde noch stärker als letztes Jahr bewusst, dass die bei uns still begangenen Feiertage hier schon sehr von Ostern her gedeutet werden. Ans Kreuz hat Jesus unsere Sünde gebracht. Diese frohe Botschaft steht hier im Mittelpunkt und nicht Klage gegen Leid, Armut und Krieg. Bei uns wäre es unvorstellbar an diesen Tagen einen bunten Abend zu feiern, aber in Kolem und in Logaweng wurde kräftig gesungen und getanzt.

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Karsamstag sind wir alle zusammen mit einem Kollegen und einer Frau eines Studenten nach Mange aufgebrochen, 35 Kilometer einfach teilweise durch wirkliche Schlammpisten und einen Fluss.

Dort wurde eine neu errichtete Kirche eingeweiht und Konfirmation gefeiert. Wir erlebt fast Volksfeststimmung. Sogar der Governor der Province und der Vizebischof waren vor Ort.

Ich habe letztes Jahr in dem Dorf einmal 2 Nächte geschlafen. Die Bewohner freuten sich, jetzt auch Anne und die Kinder kennenzulernen. Nora hat sogar eine Katze geschenkt bekommen. Es gackern und scharren jetzt also nicht nur vier Hühner, sondern es maut auch noch eine Katze in unserem Garten. Es wurde klar, die alteingesessene lutherische Kirche gedeiht weiterhin. Die Bewohner waren stolz, ihre Kirche neu aufgebaut zu haben. Es war etwas Besonderes 25 KonfirmandInnen mit anderen Pfarrern segnen zu können. Dass vor allem Anne als Pfarrerin daran beteiligt war, ist im melanesischem Kontext außergewöhnlich.

Ostern haben wir hier in Logaweng mit unseren Kollegen und den Studenten gefeiert. Schon vor 4 Uhr morgens begann der Gottesdienst, sodass erst nach dem Gottesdienst die Sonne aufging. Wir waren wohl etwas zu früh dran… Anschließend haben unser Stationmanager, Eric und wir zusammen ein schönes Osterfrühstück genossen. Wir hatten sogar gefärbte Eier. Die Farbe stammte aus einem Paket vom letzten Jahr, dass es nicht pünktlich zu Ostern hierher geschafft hat. Eiersuchen im Garten hat den Kindern viel Spaß gemacht. Sie wurden so lange wieder versteckt und gefunden, bis sie zerbrachen.

Nachmittags sind fast alle Campusbewohner nach Butaweng gefahren, um dort zu baden.

Im Ostermontagsgottesdienst habe ich gepredigt. Der auferstandene Jesus hört als Seelsorger den Emmausjüngern zu, konfrontiert sie in ihre Unkenntnis und speist mit ihnen. An der Handlung erkennen sie ihn schließlich.

Nachmittags waren wir mit unserem philippinischen Kollegen und seiner Frau noch mal baden. Noch haben wir warmes Wetter und wenig Regen. Das galt es auszunützen.

Die Feiertage waren so sehr eindrücklich: Sie haben noch mal Einblicke in die Kultur gegeben und es bestand eine gute Mischung aus Familienzeit und hoffentlich segensreichem Dienst.

Nun sind wir am Ende der Woche 9 von 10 Wochen des ersten Quartals und irgendwie fiebern alle dem Ende entgegen. Stromausfälle, die häufig nicht funktionierende Wasserpumpe und der immer noch vorhandene Lehrermangel haben allen Kräfte gekostet. Eric, Anne, die Kinder und ich werden in der Pause zwischen 1. und 2. Quartal nach Lae fahren, einkaufen, neue Mitarbeiter aus Deutschland kennen lernen und Wantoks (= Gleich-sprachige Kollegen) treffen. Für mich geht es dann weiter auf eine Freizeit der männlichen Überseemitarbeiter. Die nötige Erholung dürfte also tatsächlich kommen!

Von Widrigkeiten, Wetterphänomenen und einer anderen Weltsicht.

Papua-Neuguinea ist Ende Februar von einem großen Beben erschüttert worden. Weitere Nachbeben folgten. Nochmals erzitterte die Erde an anderen Orten des Landes einige Tage später. Anscheinend sind immer noch nicht alle Ortschaften gut erreichbar, weil Straßen eingestürzt sind. Hier in Finschhafen hat sich in letzter Zeit der Boden nicht bewegt. Überhaupt bekommen wir hier manchmal nur wenig mit: Tageszeitungen erreichen zwar Gagidu, dem Örtchen, von der die Region „verwaltet“ wird, allerdings mit einem Tag Verspätung. Nachrichten bekommen wir vor allem übers Smartphone mit. Die Beben mit über 100 Toten wirken so recht fern und doch leben wir in diesem Land mit den Menschen zusammen. Das Leiden der Menschen lässt uns nicht kalt und so freuen wir uns, dass die Lutherische Kirche hier reagiert hat und die Opfer unterstützen will. Dazu mehr auf der Homepage von Mission EineWelt:

https://mission-einewelt.de/noch-nicht-alle-verschuetteten-doerfer-erreicht-die-lage-nach-dem-erdbeben-in-papua-neuguinea/

Wir hier in Logaweng hatten eigene Widrigkeiten zu überstehen. Viele Tage haben wir keinen Strom oder nur stundenweise Strom. Zwischendurch haben wir noch abends unseren Generator angeschlossen, um Computer und Handys aufzuladen und zu drucken. Irgendwann haben wir auch den Kühlschrank komplett abgetaut und vorher Gefrorenes verschenkt. Es schien so als wäre der Engpass dank einer neuen Diesellieferung überstanden, aber nun wird der letzte noch funktionierende Generator gewartet, also wieder kein Strom.

Wir müssen täglich daran denken, unsere Solarlampen tagsüber nach draußen zu legen. Abends und nachts, wenn die Kinder aufwachen, sind die Taschenlampen dann im Gebrauch. Irgendwie nervt die Situation. Aber für uns ist sie noch viel angenehmer als für viele Kollegen und die Studenten. Wenn sie keinen Strom haben, läuft auch die Wasserpumpe nicht und sie müssen an den Bächen in der Nähe ihr Trinkwasser holen und die Kleidung waschen. Das fehlende Wasser ist keine Kleinigkeit und erschwert den Alltag der Studenten erheblich, deshalb wurden etliche Unterrichtsstunden nicht erteilt, um allen Zeit für die besonderen Alltagsaufgaben zu verschaffen.

Vor wenigen Tagen wurde es nachts richtig laut und hell. Spannungen entluden sich. Es gab ein so heftiges Gewitter, wie wir es noch nicht erlebt hatten. Ein Blitz ist in eine Stromleitung bei den Häusern der Studenten eingeschlagen. Lichtschalter, Steckdosen, Stromkabel und einige Lampen sind defekt bzw. zerbrochen. Gott sei Dank, war gerade mal wieder Stromausfall, sonst wäre wohl schlimmeres passiert.

Jetzt in Woche 7 von einem 10-wöchigem Quartal stellt sich langsam Normalität ein. Die Gärten der Studenten sind gerodet und angepflanzt. Wir erteilen gerade alle Unterrichtsstunden. Alle Lehrkräfte sind anwesend und auch das Programm für die Frauen beginnt. Es gibt nur noch keine was-papa-groups, Kleingruppen, die sich mindestens 14tägig zu kleineren Gottesdiensten treffen. Die Studenten der letzten Gruppe sind uns besonders ans Herz gewachsen. Durch ihre Unterstützung sind hier schließlich auch ein kleiner Gemüsegarten, ein Sandkasten und der Hühnerstall entstanden.IMG_20180310_154604

Gerade finden wir sogar Zeit unseren Garten wieder in Ordnung zu bringen, gelegentlich mit Eric, unserem Volunteer, Gesellschaftsspiele zu spielen oder häufig freilaufende Hühner wieder einzufangen. Mittlerweile kennen die 4 Hühner ihren Schlafplatz aber auch schon und kommen fast von alleine zurück. Wegen des vielem Unterrichtsausfalls, aber auch weil wir wohl einfach stärker angekommen sind, ist die Arbeitsbelastung niedriger. (Wir teilen eine volle Stelle und gerade scheint dies auch der Arbeitsfülle zu entsprechen.) Wir haben Zeit für unsere Kinder, die größer werden. Nora ist stolz darauf, dass sie jetzt keinen Schnuller mehr benötigt, noch nicht einmal mehr zum Einschlafen und Jaron kann richtig zornig werden, wenn wir seine energischen Sprachversuche nicht auf Anhieb verstehen. Vormittags werden beide jetzt von Müttern anderer Kinder mitbetreut. Beide spielen gerne mit Altersgenossen und lassen sich Kochbananen und Süßkartoffeln schmecken.

Es bleibt gerade Zeit für Aufgaben neben dem eigentlichen, dem Unterrichten. Darum habe ich über Gründonnerstag und Karfreitag Bibelarbeiten in einer Gemeinde hier in der Nähe angenommen. Ich freue mich schon drauf, die zwei Tage dort zu verbringen.

Letzten Samstag sind wir mit auf eine Exkursion rauf zum Sattelberg gefahren. Auf dem Rückweg haben wir Station in Heldsbach, Simbang und Maneba gemacht. Ps Beka Kosieng hat dort die Studenten in die (deutsche) Missions- und Kolonialgeschichte eingeführt. Mitten im Busch, wie man hier sagt, haben wir Gräber mit deutscher Aufschrift entdeckt.

Unser Seminarleiter erzählte, an diesen Gräbern wurden schon „Feiern“ gehalten, weil von den Toten bzw. deren Geistern noch Gaben erwartet werden. Der sogenannte Kargo-Kult flammt hier in Finschhafen immer wieder auf. Teilweise wurden auch die Gräber aufgebrochen, um dort noch Schätze zu finden. Diese mystische Denkwelt um uns herum, bleibt mir doch sehr fremd…

Ihr / Euer Knut Cramer

 

P. S. IMG-20180321-WA0000Über Nacht sind auf der Wiese vor unserem Haus unzählige rosa Blumen erblüht; ein schöner vorösterlicher Gruß der Schöpfung. Die Blumen leiten allerdings nicht wie die Krokusse in Deutschland den Frühling ein, sondern sie sind eher als kleiner Trost vor der bald beginnenden Regenzeit zu verstehen.

Über Semesterstart, Sargbau und Strommasten

2 Wochen lange sollte jetzt hier alles auf Normalbetrieb laufen, aber weit gefehlt. Wir hatten sehr viele Stromausfälle; so viele wie wir sie in diesem Land noch nicht erlebt hatten. Da unser Wasser hochgepumpt wird, mussten wir zum Duschen immer einen Generator anstellen. Unser Leiden war allerdings gegenüber den anderer noch gering. Auch das Wasser für die Studenten wird aus einem Bach hochgepumpt und das ging ebenfalls eher selten. Waschen und Trinkwasser holen mussten sich die Studenten dann aus zwei Bächen aus der Nähe. Der Grund für die Stromausfälle lag darin, dass jemand mit dem Auto einen Strommast umgefahren hat. Beim Aufstellen ist dann der nächste umgekippt.

Um den Studenten wenigsten etwas zu helfen, haben wir Lehrer beschlossen, den Unterricht erst zur zweiten Stunde beginnen zu lassen, so hatten sie morgens im Hellen mehr als 60 Minuten Zeit, um sich fertig zu machen.

Leider steht gerade unsere Angestellte für die Kinderbetreuung (haus meri) nicht zur Verfügung. Wir mussten also die Kinderbetreuung anders organisieren. Da die Frauen noch gar nicht unterrichtet werden, weil die verantwortliche Lehrerin krank war und jetzt auf einer Fortbildung weilt, hatten die Frauen der Studenten also mehr Zeit als sonst. Eine Frau eines Studenten und eine Frau eines Kollegen kümmern sich nun vormittags um unsere Kinder.

Monika, meine Schwiegermutter, ist wieder gut in Deutschland angekommen. Kurz vor ihrem Aufbruch aus Finschhafen, hat sie noch einmal tatkräftig mit angefasst. Ein langjähriger Mitarbeiter unserer Werkstatt war verstorben. Früher hat er Särge für andere gebaut, nun baute Moni zusammen mit einigen Niuginis den Sarg für ihn. IMG_20180209_181500Eine Bestattung ist hier immer einige große Angelegenheit, aber dieser Mann hat viel für das Seminar geleistet, sodass das ganze Seminar mehrere Tage in einiger gewissen Unruhe versetzt war: Gottesdienste, Essen für die Familie kaufen, Sargbau, Transport des Leichnams vom Krankenhaus zum Wohnort im „Busch“ hinterm Seminargelände. Mich hat besonders beeindruckt, wie Frauen quasi auf den Moment extrem stark schluchzen und heulen können und wirklich alle Trauer herausschreien. Der Sarg wurde in die Erde gelassen und ich bekam wegen des Gefühlsausbruchs eine Gänsehaut.

Den Unterricht habe ich dieses Jahr anders begonnen. Von den Studenten des letzten Jahrgangs ließ ich mir im Kurs „Eschatologie“ in den ersten beiden Stunden von Erlebnissen aus dem Vikariat rund um das Thema „Bestattung“ erzählen. Bemerkenswerterweise fielen die „Erzählstunden“ vor und nach der erlebten Bestattung. Ich habe noch mal einiges über Ahnenverehrung, Kagokult und der Geisterwelt, die uns hier umgibt, erfahren. Ich hoffe, einige der Themen im Kurs wieder aufgreifen zu können.

Auch einige Seiten der uns umgebenden Natur konnten Anne und ich noch entdecken. Ein Student führte Anne und Monika durch kleine Trampelpfade, die Logaweng umgeben und Monika und mich in eine nahe gelegene Höhle, in der viele Fledermäuse leben.

Ganz aktuell freuen wir uns an einem neuen Gesicht. Dr. Simon Ganal soll in einem lutherischen Krankenhaus, dass noch abgelegener gelegen als unser Seminar liegt, mitarbeiten. Er ist nun gerade zur Orientierung hier im 4 km entfernten Krankenhaus. Gestern war er schon mit uns im nahen Bach baden.

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Es war also in den ersten Wochen wieder in Logaweng absolut nicht langweilig. Wir warten allerdings hoffnungsvoll auf geregelten Alltag, haben aber auch die Zeit mit Monika genossen und sind begeistert, dass sich ein neuer Mitarbeiter nach Papua-Neuguinea aufgemacht hat.