Ista Brek – Osterferien

Falsch gedacht, in einer Woche ohne Morgenandachten und Lehrertreffen müsste ich doch viel vorbereiten können. Gründonnerstag bis Ostermontag wurde hier allerdings ein straffes Programm geboten: Gottesdienste, Bibelarbeiten, Sportprogramm, Festessen… 

Ostersonntag begann der Frühgottesdienst schon um 4Uhr. Da man vor unserem Haus eine wunderschöne Aussicht aufs Meer hat, wurde dort gefeiert.

Selbstverständlich gehörte ein kleines Theaterstück zum Gottesdienst. Engel verkündeten den Frauen: Der Herr ist auferstanden. Mich hat allerdings am meisten beeindruckt, dass nach dem Gottesdienst im Halbdunkeln weiter gesungen und getanzt wurde, unsere Kollegen mit vollem Engagement dabei. Erst währenddessen wurde es schnell hell.
Ostermontag wurden wir, der neue Stationmanager, Anne und ich, offiziell in unser Amt eingeführt.

Nach dem feierlichen Gottesdienst gab es ein reichhaltiges Mittagessen. Alle Lehrer hatten dazu beigetragen und der Landwirt des Seminars hat ein Huhn geschlachtet.

Gesegnet und gut vorbereitet beginnt nun der eigentliche Dienst.

ankommen

10 Tage später als ursprünglich mal gedacht ist unser Überseegepäck und unser Auto angekommen. Meine Geduld wurde sehr herausgefordert. Dann fuhr der Wagen nicht mehr. Er wurde vom Schiff heruntergeschoben… Gott sei Dank gibt es hier einen talentierten Stationmanager, sodass der Wagen einige Tage später als das Gepäck den Berg zun Seminar hochkam. Meine Erleichterung und Freude waren spürbar.

Anne ist nun fleißig dabei, weiter auszupacken und einzuräumen. Ich bereite meinen Unterricht vor. Besonders die Offenbarung des Johannes stellt mich vor Herausforderungen. Im Land gibt es evangelikale Straßenprediger, die Endzeitfahrpläne genau kennen und luth. Christen, die sich noch vorm Jüngsten Gericht fürchten. Mächte und Gewalten gehören zum Alltag vieler. Lokale Christenverfolgungen unter Kaiser Domitian um 95 spielen dagegen für die Auslegung dieses Buches hier nur eine geringe Rolle.

Neben der Arbeit steht vor allem Beziehungsaufbau im Vordergrund.

Wir haben Noras Geburtstag mit ihrer Kindergartengruppe bei uns im Garten gefeiert. Das ist hier nicht üblich, weil viele nicht wissen, wann sie geboren wurden. Wir sind mitten bei den Vorbereitung der Ostergottesdienste dabei. Die beginnen morgen früh um 3Uhr vor unserem Haus. Dort hat man einen wunderbaren Blick aufs Meer.

Anne hat schon mit vielen anderen Frauen hier Feuerholz und Seife im Krankenhaus, 5km entfernt, verteilt und ich sitze täglich mit im 30minütigen Lehrertreffen. Das klappt alles, weil wir eine begabte Hausmeri gefunden haben. Sie passt vormittags auf Nora und Jaron auf oder hilft im Haushalt oder bei der Gartenarbeit. 

Dadurch spricht auch Nora jetzt schon etwas Tok Pisin.

Wir kommen also auch innerlich weiter an.

angekommen

In den letzten 2 Wochen ist viel passiert.

Anne konnte mit Nora und Jaron und dem Leiter des Referats „Pazifik, Papua-Neuguinea und Ostasien“ von Mission EineWelt auf der Insel Karkar ein Doktorenehehepaar besuchen. Wir waren mit ihnen in Deutschland im Sprachkurs und sind fast gleichzeitig in diesem Land angekommen. Von Karkar ist Anne mit dem Referatsleiter und den Kindern in einer 6-Sitzer-Maschine nach Finschhafen geflogen. Es war ein beeindruckender Flug mit tollen Aussichten aufs Land.

Eine Führung in dem dortigen Krankenhaus auf Karkar war sehr beeindruckend und erschreckend zugleich. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Ausstattung und Medikamenten. Dennoch operiert der Arzt in einem OP-Saal ohne fließendes Wasser und rettet damit nicht selten sogar Leben. Das Versagen der politischen Führung dieses Landes führt z. B. dazu, dass für einige Zeit in fast allen Krankenhäusern des Landes keine Malariamedikamente vorhanden waren.

Ich bin mit einem anderen Missionar von Mission EineWelt mit dem Auto von Amron nach Lae gefahren. Dort habe ich letzte Vorbereitungen für unsere endgültige Ankunft in Finschhafen getroffen: Ich habe Lebensmittel für 6 Wochen eingekauft, meine Bankkarte abgeholt, Gespräche in der Zentrale der Kirche geführt und Diesel gekauft. Insgesamt habe ich 800 Liter in 4 Fässern fürs Seminar und für uns erworben. Es gibt hier in der Region nämlich keine Tankstelle. Ferner habe ich mich darum gekümmert, dass unser Überseegepäck, unser Auto und der Diesel hierher verschifft werden.

Die Kultur Papua Neuguineas ist nicht von Hektik geprägt. Das Motto hier ist eher „isi-isi“ (Englisch: easy-easy). Dadurch dauert alles etwas länger. Leute kommen etwas später zur Arbeit. Auf der Bank musste ich 3 Stunden warten, um bedient zu werden. Das Schiffsunternehmen hat mir zuerst gesagt, unsere Sachen würden letzten Samstag kommen, dann hieß es Mittwoch. Heute am Mittwoch sagte man mir, man wüsste nicht, wann das Schiff abfahren würde. Es gibt keinen genauen Fahrplan. Wichtig ist, dass genug Fracht geladen ist. Das Problem ist, ich habe Lebensmittel in meinem Auto, die langsam verderben werden. Da hatte ich die Kultur wohl noch nicht verinnerlicht.

Außerdem möchte Anne endlich auspacken. Nora vermisst besondere Spielsachen und ich würde mich sehr freuen, endlich meine Bücher benutzen zu können. Einerseits freuen wir uns total, hoffentlich bald alles beieinander zu haben, anderseits erschrecken wir darüber, wie viel Fracht hierher kommen wird.

Noch ein Wort zum Autofahrten: Es ist in diesem Land immer wieder ein kleines Abenteuer. Auf dem Highway laufen Schweine, am Rand werden Obst und Gemüse verkauft und nach Schulschluss sind viele Schüler unterwegs. Schlaglöcher und Flüsse, die über die Straße fließen, sind ebenfalls die Normalität. Bei der Fahrt nach Amron musste ich mal 3 Stunden warten, weil es einen Erdrutsch gegeben hatte und 2 riesengroße Trucks sich im Schlamm gegenüberstanden. Trotzdem macht es mir viel Spaß mit dem großen Auto unterwegs zu sein und Hindernisse zu überwinden.

Von Lae bin ich allerdings wieder mit dem „Dinghi-Boat“ hierher nach Finschhafen gefahren. Eine Straße hierher gibt es schließlich nicht.

Nach Ostern beginnt hier der Zweite von 4 Terms. Dann werde ich meinen ersten Unterricht geben. Momentan nutze ich die Zeit, um wieder bei den anderen Lehrern zu hospitieren und mich mit dem Kollegium und den Abläufen hier vertrauter zu machen. Außerdem will ich jetzt die drei Kurse vorbereiten, die ich auf jeden Fall halten soll: Theologie des Neuen Testaments, Johannesevangelium und Eschatologie. Damit bin ich sehr zufrieden.

Anne erprobt ihre neue Rolle zu Hause mit den Kindern. Das ist momentan auch ein echter Vollzeitjob, weil Jaron gerade etwas kränkelt und auch Nora hier erstmal richtig ankommen muss. Es ist uns ein echtes (Gebets-)Anliegen, dass sie hier Anschluss an andere Kinder findet. Nicht nur für uns, sondern auch für sie ist es eine völlig andere Kultur. (Ohh-Ton Nora: „Dunkle Mamas klatschen ihre Kinder, aber ihr dürft das nicht.“) Es wird wohl in erster Line Aufgabe von Anne sein, Kontakte zu den Müttern zu suchen und Spielkameraden für Nora zu finden.

Besucher hatten wir schon mehr als genug: Ein ganzer Bienenschwarm versuchte mit Macht unter unserem Küchenfenster eine neue Bleibe zu finden. Da waren uns unsere Überseekollegen deutlich lieber, die gleich am zweiten Abend nach unser Ankunft zu einem gemeinsamen Essen zu uns kamen.

Orientierung/ Orientesin IV – National Evangelist Training Center Amron

Seit gut einer Woche sind wir am National Evangelist Training Center in Amron bei Madang. Von einem deutschen Kollegen konnten wir vorher einen Toyota Landcruiser erwerben. Das ist für die hiesigen Straßenverhältnisse genau das richtige Auto; kleine Flüße und große Schlaglöcher können wir damit problemlos durchqueren. 

In Amron hospitieren wir vormittags im Unterricht. Eine Stunde habe ich auch schon selber gegeben. Im Ethikunterricht habe ich gefragt, ob die Studenten ein Gemeindeglied mit 3 Frauen ein wichtiges Ehrenamt geben würden. Einige meinten, er müsse sich vorher für eine Frau entscheiden. Ich weiß nicht, was dies für die anderen beiden Frauen bedeuten würde. Poligamie kommt hier häufiger vor, ist allerdings in den Kirchen sehr umstrittenen.

Nachmittags zeigt uns ein Niguini die Gegend und unterhält sich mit uns, damit wir unsere Kultur- und Sprachkenntnisse erweitern. Wir haben auch eine sympatische Frau zur Seite gestellt bekommen, die auf Jaron und Nora aufpasst.

Auch wenn wir uns hier wieder gut eingelebt haben, freuen wir uns jetzt sehr auf Logaweng, unserem endgültigen Einsatzort. Die Vorbereitungszeit war wirklich erstmal lang genug, obwohl wir natürlich nach 2-3 Monaten noch nicht viel von der Kultur hier verstehen.

Noch einige Bildimpressionen:

Anne hat ihre erste Predigt auf Tok Pisin gehalten. Nach dem Gottesdienst habe ich alle beteiligten Frauen fotografiert. Sie haben ein kleines Theaterstück zur geistlichen Waffenrüstung (Eph 6) einzustudiert.

Dieser tolle Strand ist nur wenige Kilometer vom Seminargelände entfernt. Nora freut sich schon, dort morgen wieder zu baden.

Frauen schmücken den Versammlungsraum und tragen damit wesentlich zum Gelingen der Morgenandachten bei.

„Mittendrin und doch am Rand“

So lautet der Titel eines kleinen Buches von Philipp Hauenstein. Der Autor beschreibt darin, die Rolle des Missionars / ökumenischen Mitarbeiters im Ausland. Dieser kann einen prophetisch-charismatischen Blick entwickeln und damit die Partnerkirche bereichern.

Gerade sehe ich mich vor allem als Beobachter. Ich stehe am Rande und erlebe mit, was um mich herum passiert. Manchmal bin ich auch mittendrin. Gestern habe ich meine erste Andacht auf Tok Pisin gehalten. Wohl in erster Linie der Verdienst unseres Sprachlehrers, der mir im Vorfeld geduldig geholfen hat. Da war ich mittendrin und doch nicht, denn es wurde wohl vieles nicht (richtig) verstanden.

Dem dritten Tag in Folge hatten wir heute keinen Strom, so wie die Mehrheit der Menschen um uns herum immer. Die Wasserpumpe ließ sich also auch nicht betreiben. Darum trug ich jeden Liter Wasser in einem Eimer ins Haus. Ich kann jetzt besser nachvollziehen, wie kompliziert es ist, sich und Kinder ohne Dusche gründlich zu waschen. Das ist sehr nötig, denn Nora spielt häufig mit den einheimischen Kindern draußen und ist dementsprechend dreckig. Ein echtes Problem sind Berge von stinkenden Stoffwindeln, die nicht in der Waschmaschine gewaschen werden konnten.

Gerade findet hier im „circet“ (=Kirchenkreis in Norddeutschland, Dekanat in Bayern) eine Pastorenkonferenz statt. Von Sonntag bis Freitag schlafen alle Pfarrer und Evangelisten auf dem Boden und hören sich in dem gleichen Raum auch Vorträge an und feiern dort Gottesdienste. Dr. Jürgen Stadler und seine Frau Dorothee Stadler sprachen über Zauberei und Magie. Das beschäftigt die Menschen hier ungemein. Es gibt im Hochland Papua-Neuguineas keinen natürlichen Tod jung verstorbener Menschen, glauben viele. Immer muss jemand schuld sein und das muss gesühnt sein. Dieses Denken ist mir fremd. Ich stehe am Rand und höre mir die Vorträge, aber vor allem auch die Erzählungen der Pfarrer hier an.

Anne ist mittendrin als nach einem Vortrag ein imposantes Lied gesungen wird, in dem man sich zum Schöpfer der Erde, dem Vater Jesu Christi bekennt. Danach fassen sich alle an den Händen, sprechen das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis.

Wir treten als Pfarrersehepaar auf: Immer schön im Wechsel, kümmert sich einer gerade um Kinder und Haushalt und der andere nimmt an der Konferenz teil. Was unsere Kollegen hier darüber denken, wissen wir nicht genau. Anne erfährt jedoch viel Wertschätzung und hat selbst auch, wiederum mit Hilfe des Sprachlehrers, einen Gottesdienst halten können. Das ist bemerkenswert, weil es hier keine Frauenordination gibt.

Vieles ist uns fremd (z. B. das magische Weltbild), einiges ist schwierig (die Folgen eines längeren Stromausfalls), anderes wie die Natur und die Herzlichkeit und Kinderfreundlichkeit der Menschen ist wunderschön. Dass wir einen charismatisch-prophetischen Blick entwickeln werden, hoffe ich. Ich weiß es aber nicht. Dann ist das viele Geld, die viele Energie und die Zeit, die in uns investiert wurde, sinnvoll angelegt. Gerne möchte ich mit den Menschen hier über ihre Kultur, unseren Glauben an den allmächtigen Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Welt und vieles mehr nachdenken. Darauf freue ich mich, auch weil die kulturellen Unterschiede und der Lebensstand zwischen Deutschland und Papua-Neuguinea gewaltig sind. Manchmal werden wir gefragt, ob wir schon hier angekommen sind… Bis wir diese Frage mit einem ganz klaren „Ja“ beantworten können, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen…

Von Feierlichkeiten und Alltag

Ein echtes Erlebnis war unser erstes “Mumu“, an dem wir zum Abschied eines Miterarbeiters aus dem “Sirket“ teilnehmen konnten. Dafür wird ein Schwein in einem aus Naturmaterialien erbauten Riesendampfkochtopf zubereitet und gemeinschaftlich verzehrt. Das alles mitzubekommen, war echt spannend, das Essen selbst (zumindest für Anne) doch eine Herausforderung. Mit dem Verweis auf unsere noch etwas schwachen Mägen mussten wir die Teller aber auch nicht ganz leer machen.

Gestern wurde ein weiteres Schwein geschlachtet. Der Bischof der ELC-PNG war zum ersten Spartenstich gekommen, denn eine neue Kirche soll gebaut werden. Ich erlebte Freudentänze, Reden und einen Gottesdienst sowie gutes Essen.

Eigentlich gehören die Maskenträger in das traditionelle, “vor-christliche“ PNG. Sie hängen eng mit dem Geisterglauben zusammen. Wir wollen noch genauer erfragen und beobachten, welche Rolle sie bei einer Segnungsfeier spielen. Wer nimmt hier was wahr?

Die Feierlichkeit, Planungstreffen und auch Einkäufe in Goroka durchbrechen den Alltag häufig, sodass wenig Zeit ist, in Ruhe die Sprache zu lernen. Dazu kommt, dass Jaron und Nora zu Recht Aufmerksamkeit verlangen. Nora erlebt viel, sie vermisst aber Spielkameraden, die ihre Sprache sprechen. Sie fragte, ob wir Oma und Opa besuchen können. Das Leben klappt trotz gelegentlicher Stromausfälle und fehlender Brücken (siehe Bild unten) auch Dank der Hilfe anderer deutscher Mitarbeiter ganz gut, aber anstrengend ist es auch ein wenig.

Orientierung/ Orientesin III – Reisezeit

27. Januar
Mit dem Speedboot nach Lae fahren, bedeutet gute 3 Stunden der prallen Sonne ausgesetzt zu sein. Ich war überrascht, dass unsere Kinder sogar bei lautem Motorenlärm gut schlafen können.

27. Januar bis 01. Februar
Wir haben viele Gespräche, insbesondere über den anstehenden Autokauf, geführt. Der Dienstwagen wird teilweise von den Partnerkirchen der luth. Kirche hier mitfinanziert. Wir hatten aber auch Zeit im einzigen Shopping-Center in Lae einzukaufen. Es wurde vor Kurzem neu eröffnet.

Als wir in Lae verweilten, waren noch viele weitere deutsche Mitarbeiter dort. Wir haben uns sehr gefreut, sie kennen zulernen oder wieder zutreffen.

01. Februar
Mit anderen deutschen Mitarbeitern fahren wir nach Goroka. Sie bieten Workshops zu Fragen der Zauberei und des Geisterglaubens an.

Trotz vieler Schlaglöcher, Stau wegen eines umgekippten LKWs und Pausen um die Landschaft zu genießen war noch viel Zeit fürs Gespräch, auch weil die erste Nacht im Hochland noch bei ihnen schlafen konnten.

02. Februar
Wir sind nach Asaroka gebracht worden. Hier werden wir einige Wochen verbringen. 4 Stunden Sprachunterricht stehen täglich auf dem Programm. Es gibt aber noch viel mehr zu erleben, denn es gibt hier einen Konferenzraum des Dekanats, so lernen wir viel über die Arbeit der Kirche vor Ort kennen. Erste Kontakte mit den Kinder hier sind geknüpft.