Gebet, Gesang und Gespräche

Es ist ein wenig schwer von all dem zu berichten, was in den letzten 2 Wochen passiert ist: Zuerst hatten wir vom Referenten für Pazifik, Ostasien und Papua-Neuguinea von Mission EineWelt, einem bayrischen Gemeindepfarrer und den zwei Dozentenkollegen aus Fidschi und den Philippinen Besuch. Es tat unheimlich gut, sich mit allen auszutauschen. Einen der Kollegen, Alois Schwarz, kannten wir schon vom Vorbereitungsseminar. Wir haben uns riesig über den Besuch gefreut, auch weil es Gelegenheit gab, vieles einmal zu besprechen. Er hatte vorher schon hier gearbeitet und konnte uns so gut verstehen.

Einmal sind auch alle Übersee-Mitarbeiter zu einem gemeinsamen Abendessen zusammengekommen: 2 deutsche Ärzte, 1 Arzt aus Madagaskar, 1 deutscher Gastdozent, 1 philippinischer Kollege mit seiner Frau, 1 philippinischer Stationmanager, 1 deutsches Senior-Expert-Ehepaar als kurzfristige Unterstützung des Managers und der Buchhaltung, 1 Freiwilliger, die 4 Gäste, und vier 4 – 17 Frauen und Männer haben festlich gespeist. Leider war dieses Essen auch ein Abschiedsessen für eine der beiden Ärztin, die wir als Familie sehr vermissen werden.

Wir alle sind am 04.10. nach Alexishafen bei Madang aufgebrochen. In Gagidu, 8 km von Logaweng entfernt, haben wir auf der Landepiste auf den Flieger gewartet.

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Besonders der Flug zurück war etwas ganz Besonderes, da der Pilot Freude daran hatte uns das besondere Gesicht der Schöpfung Gottes in Papua-Neuguinea zu zeigen. Das Land ist unheimlich zerklüftet. Darum leben einige Menschen total isoliert.

In Alexishafen stand eine gute Mischung aus Vorträgen, Konferenzen, Bibelarbeiten und Freizeit auf dem Programm. Es tat gut, aus neuen Perspektiven auf unser Leben und unsere Arbeit hier zu schauen. Das Thema war treffend „beyond“. Obwohl Jaron gerade in dieser Zeit einen weiteren Backenzahn bekommen musste und obwohl wir abends mit den Kollegen zusammensaßen, sind wir erholt nach Finschhafen zurückgekommen. Das Programm, aber auch Gebet, Gesang und Gespräche wie auch gutes Essen und Schwimmen im Meer haben der Seele einfach gutgetan.

Jetzt hoffe, ich dass der Schwung nicht nach nachlässt. Gut 4 Wochen Unterricht liegen noch vor uns. Ich korrigiere gerade die Predigtarbeiten des letzten Jahrgangs. Die Studenten dieses Jahrgangs schreiben diese Woche Probeprüfungen, 2 Wochen später die eigentlichen Abschlussprüfungen. Ansonsten stehen noch große Feierlichkeiten an, denn viele Studenten werden in die Gemeinden zum Vikariat oder zum Pfarrdienst entsandt. (Nach dem Vikariat müssen alle noch für 1 Jahr zum Seminar zurück.)

Ferner bereite ich gerade einen Vortrag zum Reformationsjubiläum und eine Predigt vor, weil ich eingeladen wurde, in Mount Hagen bei den Feierlichkeiten mitzuwirken. Ich freue mich schon auf die Begegnungen und den nächsten Flug.

Eine Fortbildung für alle Pfarrer und Evangelisten ist für Ende November noch geplant. Anschließend, Anfang Dezember, fliegen wir nach Deutschland: Den gesamten Jahresurlaub werden wir in Ostfriesland bei meinen Eltern und in Erlangen bei Annes Eltern verbringen. Wir freuen uns schon, Familie und Freunde wieder zu sehen.

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Eine andere Welt

Die Sonne geht auf der anderen Seite unter, Uhren werden nicht getragen, Strom ist für viele Luxus. Vieles ist hier anderes.

Immer wieder fühlen wir uns hier noch sehr fremd. In Deutschland wird das ganze Jahr schon das Reformationsjubiläum gefeiert. Hier wird jetzt erst organisiert, was Ende Oktober geschehen soll. Das Zeitverständnis ist hier ein ganz anderes. Ich habe eine Einladung erhalten, in Hagen einen Vortrag zur Reformationsgeschichte zu halten und dort am 31.10. zu predigen. Ich freue mich schon dort, hinfliegen zu können. Meine Hautfarbe, meine Sendung in die Mission oder mein theologischer Abschluss haben vielleicht zu der Einladung geführt. In Deutschland würden möglicherweise andere Kriterien angelegt.

Hoffentlich im September wird das Seminar wieder ein zweites Fahrzeug besitzen, um die Kinder der Studenten zur Schule zu fahren. Der Beschluss, diesen neuen Truck anzuschaffen, ist schon letztes Jahr gefallen. Lange ist nichts passiert. Das hat mich schon etwas frustriert, aber ich freue mich, dass ich hoffentlich bald davon schreiben kann. Dann müssen nicht mehr wie jetzt alle Schulkinder unter einer einfachen Plane bei Regen hin und her gefahren werden.Landcruiser

Zum wiederholten Mal wird gerade an der Straße gearbeitet, die nach Logaweng hinaufführt. Eine Straße dieses Zustandes wäre in Deutschland ein echter Skandal: Es sind einfach viele tiefe Schlaglöcher. Ich hoffe, die Ideen eines Ingenieurs und seiner Frau aus Deutschland, der für 3 Monate hier lebt, haben nachhaltigen Erfolg.

Die beiden, unser Volunteer Eric und Senior-Lecturer Jomie Wild haben unseren Alltag stark verändert. Wir essen häufig mit anderen zusammen. Soviel Curry-Honig-Hühnchen mit Sirup statt Honig hatte ich noch nie in meinem Leben verspeist wie hier seit August. Die Hühner dafür wurden vorher lebendig gekauft.

Unser Hühnerstahl hat jetzt schon ein Dach bekommen, aber wir haben beschlossen, erst nächstes Jahr die Hühner zu kaufen. Im Dezember / Januar verbringen wir unseren Jahresurlaub in Deutschland, wer soll da die ganzen Eier essen. Bin ich doch etwas im hiesigen Zeitrhytmus angekommen?

Auf den Urlaub freuen wir uns übrigens schon sehr. Nach einem Jahr Freunde und Familie wieder in die Arme zu schließen, ist doch etwas Besonderes. Und welcher Pastor / Pfarrer kann sich schon 6 Wochen am Stück wirklich vom Arbeitsplatz fernhalten.

Seit September sind wir nun offiziell Stellenteiler. Ich verbringe mehr Zeit mit den Kindern. Gerne spielen sie im Sandkasten oder im Planschbecken. Jaron will schon morgens beim Frühstück nach draußen. Nora freut sich, wenn andere Kinder vorbeikommen, und sie ihren Namen hört. Das Trampolin unserer Vorgänger und eine Schaukel ziehen einige Kinder der Studenten oder Mitarbeiter an. Es regnet nun weniger und es ist noch nicht zu heiß, Ende September ist die Beste Zeit, um draußen zu sein.

SandkastenTheologisch beschäftigt mich gerade das Priestertum aller Gläubigen. In einer Abschlussarbeit, die ich betreue, wird zuerst die Arbeit der Priester im AT und Jesu Wirken als Hohepriester (Hebräerbrief) untersucht und dann werden daraus Schlüsse gezogen, was dies für das Leben aller Christen bedeutet.

Ansonsten liegen Abschlussarbeiten aus einem Predigtlehre-Workshop auf meinem Schreibtisch. Es hat großen Spaß gemacht, mit den Studenten fremden Predigten zu analysieren, eine Predigtintention herauszuarbeiten oder eigene Predigten oder Versatzstücke zu schreiben. Vor Kurzen habe ich im Predigerseminar noch selber an der eigenen Predigt gebastelt, nun höre ich die Versuche anderer. Wie schnell die Perspektive wechseln kann! Eigentlich müsste nach dem Kurs ein kleines „Lehrbüchlein“ entstehen, damit weniger dogmatische Vortrag auf der Kanzel gehalten werden, sondern alltagsrelevantes Reden mit der Gemeinde von Gott her geschieht. Aber wer übernimmt dann meinen Unterricht?

Neue Nachbarn und eine nicht enden wollende Regenzeit

In Lae soll es siebenmal mehr als in Bremen regnen und in der Region Finschhafen noch mehr. Wir fiebern dem Ende der Regenzeit entgegen. Von Juli bis September regnet es manchmal bis zu 4 Tage durch. Im Klassenraum verstehe ich fast mein eigens Wort nicht mehr. Draußen sind wir nur mit Schirm unterwegs. Nora und Jaron rennen allerdings auch gerne durch die Pfützen. Insgesamt schlägt das Wetter schon auf die Stimmung, nicht unbedingt positiv….

Gestern waren einige Studenten bei uns, damit ein Sandkasten und ein Hühnerstall gebaut werden. Immer wieder wurde die Arbeit unterbrochen, um am Ende nicht völlig durchnässt zu sein.

Am Spätnachmittag wollten wir dann noch zu einem wirklich schönen Strand aufbrechen, als endlich die Sonne doch kurz durchkam. Die Straße Richtung Strand, früher mal eine Landepiste eines Militärflughafens des zweiten Feldkrieges, war allerdings gerade nicht befahrbar. Bäume waren durch den letzten Sturm auf sie gekippt. Einen großen Baum haben die Studenten mit einem Buschmesser noch zur Seite bekommen, für den zweiten Baum hätten sie eine Axt gebraucht…

Der Sand für den Kasten muss nun noch etwas auf sich warten lassen. Vielleicht kommt diese Woche noch mal die Sonne raus. Gerade ist zwischen Term 3 und 4 eine Woche Unterrichtsfrei. Da wäre mal Zeit zum Baden und zum Sand holen.

Ansonsten verbringen wir eben mehr Zeit in unserem großen Haus. Vorgestern haben habe ich das erste Mal unseren Beamer hier aufgebaut. Hans-Joachim, alias Jomi, Wild, ist letzte Woche hier angekommen. Er wird ab nächster Woche als Gastdozent mitwirken. Er hatte schon viel von Game of Thrones gehört und nun diese Serie das erste Mal selbst „erlebt“.

Kurz vor Jomi ist auch noch Eric Arthur, ein Volunteer aus Bremen, hier angekommen. Ihn habe ich aus Lae abgeholt. Wir hatten eine Überfahrt mit wirklich hohen Wellen und einem etwas zu voll beladenen Boot, aber nur eine Saftflasche, einige Dosen Softdrinks und Mehl haben bei der Überfahrt Schaden genommen. Nunja, unsere Haut von der Sonne auch, obwohl es zwischendurch auch auf der Überfahrt geregnet hat. In Erics Nähe erinnere ich mich häufig an meinen Missionseinsatz 2005/06 in Brasilien, ein unheimlich wertvolles Jahr für mich. Hoffentlich kann er das nachher auch von seinem Jahr hier auch sagen. Auch er bloggt: http://nordkirche.culturepoet.org/members/pg-eric. Das Seminar hat meinem ersten Eindruck nach mit ihm viel Glück. So hat gleich mit den Studenten die Gegend erkundet und hilft in der Bücherei, ein digitales Inventar zu erstellen.

Heute ist noch ein weiteres Ehepaar aus Franken zu uns gestoßen und feierlich begrüßt worden. Er sollen Toni, unseren philippinischen Stationsmanager, der sich um alle handwerklichen Arbeiten auf dem Gelände kümmert, unterstützen. Ich bin gespannt, wie sie hier ankommen werden.

IMG_20170905_165232Unser Leben verändert sich plötzlich sehr. Die Zahl der deutschsprachigen ist in ca. 10 Tagen um über 100 Prozent gestiegen. Jaron kann man als Sprecher ja noch nicht richtig mitzählen. „Mama“ und „Papa“ kommen schließlich in vielen Sprachen vor.

Von Schenken, Teilen und Geben

Die letzten beiden Wochenenden habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt. Zweimal gab es die Gelegenheit, Nachbardörfer kennenzulernen.

Mit 4 Studenten, einer Frau eines Studenten und deren 3 Kindern haben wir vier am Sonntag, den 06. August Gottesdienst in Salawa gefeiert. Der Ort liegt ca. 1 Stunde Fußweg entfernt.

IMG_20170814_211320 Eigentlich könnte man auch gut mit dem Auto dorthin fahren, eine kaputte Brücke macht dies aber gerade unmöglich. Wir haben den Fußmarsch genossen, auch weil die Studenten es sich nicht haben nehmen lassen, unsere Kindern zu tragen.

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Wir wurden in Salawa mit großer Dankbarkeit und Freude empfangen. Der Begriff der Mission ist hier sehr positiv besetzt. Es war etwas Besonderes, dass wieder eine Missionarsfamilie sich zu ihnen aufgemacht hat.

Letzten Freitag bis Sonntag habe ich einen Studenten zu einem Wochenendpraktikum begleitet. 60 Minuten Autofahrt und fast 3 Stunden Fußmarsch haben wir zurückgelegt, um in Mange anzukommen. Bei einem Kirchenvorsteher habe ich in einem Ein-Mann-Zelt geschlafen. Der Student und ich wurden mit Essen von ihm und vielen anderen aus dem Dorf überhäuft: Frischer Fisch, Wurzelgemüse aller Art, Kochbananen und grünes Blattgemüse sowie gerade geschlachtetes Hühnchen wurden uns serviert. Ich habe für Anne 6 Bilums, traditionelle selbst gemachte Taschen und anderen Schmuck, geschenkt bekommen. Mir wurde so viel Ehre und Dankbarkeit entgegen­gebracht, dass es mir fast unangenehm war. Sie haben es nicht als Selbstverständlichkeit gesehen, dass sich ein Missionar aus Deutschland, dem Land von Martin Luther und Johann Flierl, zu ihnen aufmacht.

IMG_20170814_211024Für mich waren beide „Buschtrips“ eine wertvolle Erfahrung, weil sie mir mehr Einblick ins Leben der Menschen hier gebracht haben:

  • Manches könnte einem auch in Deutschland passieren: Der Pastor ist für Mange, wo er wohnt, und dem Nachbarort zuständig. Einige Bewohner des Nachbarortes sind unzufrieden, dass er dort nicht präsent genug ist.
  • Allerdings liegen zwischen den Orten 90 Minuten Fußweg. In Deutschland hätte der Pastor oder Pfarrer, wie man in Bayern sagt, ein Auto. Hier bekommt er noch nicht mal ein festes Gehalt. Mit seinem Haus, einem großen Garten und vielen Aufwandsentschädigungen ist er allerdings bessergestellt als viele Kollegen.
  • Mit einem Vorschulkind konnte ich mich nicht über die Sprache verständigen. Es konnte nur die Dorfsprache Jabim und kein Englisch oder Tok Pidgin.
  • Ein Wasserrohr ausgehend von einem Bach und eine Regentonne reichen völlig zum Duschen.
  • Die Familienbande, die Dorfgemeinschaft und die Sprachgruppe ist traditionell stark. Entscheidungen treffen nicht die einzelnen, sondern die Gemeinschaft. Mange hat zusammen entschieden, dass andere Kirchen außer der lutherischen sich in dem Ort nicht ansiedeln dürfen.
  • Privatsphäre ist ein Fremdwort. Alles wird geteilt. Manchmal hätte ich mir einen Rückzugsort gewünscht.
  • Toiletten bringt man am besten übers Meer an, dass Meer spült einfach alles weg.IMG_20170814_211115
  • Der Klimawandel trifft auch hier die Menschen. Anscheinend war der Nachbarort das letzte Jahr das erste Mal in seiner Geschichte überspült. 2 Häuser sind zusammengebrochen.

Auf dem Rückweg wurden wir von vielen Dorfbewohnern noch begleitet, weil es viel zu schleppen gab. Nicht nur die erwähnten Geschenke für mich, sondern auch zahlreiche Gartenfrüchte. Das Dorf fühlt sich mit dem Seminar und den Studenten verbunden und hat für alle viel mitgegeben. Gerade ist Regenzeit. Die kleinen Felder der Studenten tragen darum nicht gut genug. Da ist diese Art der Spende eine große Hilfe.

Gestern konnte durch eine anonyme Spende den 68 Studenten, teilweise plus Frauen und Kindern, zusätzlich mit 700 Kg Reis und vielen Nudeln geholfen werden. Mit hat es richtig Spaß gemacht, diesen Einkauf zu erledigen, besonders weil der Ladenbesitzer uns noch 100 kg Reis draufgelegt hat. Vorher hatte ich einen recht kleinen Rabatt aushandelt, wahrscheinlich völlig entgegen der Kultur. Ich hatte innerlich schon mein Urteil gefällt. „Ohh Mann, bei der Menge hätte man auch mehr Nachlass gewähren können.“ Aber dann wurde ich eines anderen belehrt, als bewusst 10 Säcke mit 10Kilo Reis mehr in unser Auto geladen wurden.

Lebensgeister, Lehrpredigten und Lutherverklärung. Interkulturelle Theologie praktisch in Papua-Neuguinea. Einblicke in meinem zweiten Unterrichtsterm.

Der „Schatten“ bzw. der Geist des Menschen, Wasser- oder Berggeister und Dämonen (auf Tok Pisin: tewel, masalai na spirit nogut) beschäftigt Christen und Andersgläubige auch heute hier. Letzte Woche versuchten wir den Glauben daran mit dem Heiligen Geist in Verbindung zu bringen. Wie können wir gut und wohlbehalten leben, wenn unser Leben von so vielen Wesen um uns herum beeinflusst wird? Es scheint mir zu einfach, alle „traditionellen“ Glaubensvorstellungen als „Lügnerei“ abzutun, wie es häufig getan wird. Ich habe mir vorgenommen, nicht mit schnellen Antworten zufrieden zu sein.

Der Kurs „Heiliger Geist“ öffnet mir Einblicke in die Vorstellungen der Menschen hier. Der Heilige Geist schwebt über dem Wasser. Die Schöpfung beginnt. Der Heilige Geist überschattet Maria. Neues Leben wird geschaffen. Der Heilige Geist kommt als Taube auf Jesus herab. Ein neuer Auftrag ist geboren. Bisher hatte ich die Lehre vom Heiligen Geist nur wenig mit der Schöpfungslehre verbunden, diese Gedanken eines Studenten öffnen mir neue Denkhorizonte. Parallel lese ich tatsächlich viel in Moltmanns Werk „Der Geist des Lebens“. Beides, der Dialog mit den Studenten und mit dem großen Theologen, inspirieren mich.

Ich bin hier nicht nur Lehrer, sondern auch Lernender. Das wird mir immer klarer, besonders indem ich erkenne, wie fremd mir diese Welt ist. Alles geht langsam. Als ungeduldiger Mensch eine große Herausforderung. Niemand ist hier so getrieben wie im hektischen Europa. Die Menschen leben mit dem Tagesablauf und nehmen vieles stoisch hin: Tägliche Stromausfälle, unpassierbare Brücken, die den Weg zum Feld versperren oder die Abwesenheit von Kollegen, von ihnen selbst verschuldet oder unverschuldet. Anderseits kochen die Emotionen dann manchmal über: Das Wahlergebnis wird nicht einfach hingenommen, sondern aus Frust wird eine Polizeistation angezündet. Anhaltende Gelassenheit neben unbändiger Zerstörungswut, beides passt in meinen Augen nicht zusammen. Die Menschen hier denken und handeln einfach anders. Das wirkt sich auch auf die Theologie aus. Die Studenten denken eher synthetisch, sodass sie z. B. weniger Probleme mit der Trinitätslehre haben als wir. 1+1+1 kann durchaus mal 1 sein.

Die Menschen sprechen auch anders. Predigten gleichen häufig dogmatische Lehrvorträgen. Ich wurde eingeteilt, einen Predigtworkshop zu halten, dabei sollen Erfahrungen aus dem vergangenen Vikariatsjahr reflektiert werden. Gut, dass mein eigenes Vikariat und die Wochen im Predigerseminar noch nicht ewig her sind. Ich versuche jetzt meinen Studenten mitzugeben, dass es eine gute Predigtintention braucht und dass man Lehre auch in Bildern und Geschichten weitergeben kann. Ich hatte gelesen, dass in dieser oralen Kultur viele emotional erzählen können. Ist das verschüttet gegangen, weil durch die erste Mission Katechismuspredigten im Vordergrund standen? Ich muss Emotionen bei den Studenten manchmal fast hervorkitzeln. Eins muss man den Studenten aber lassen: Sie predigen fast alle frei, in Deutschland eher ungewöhnlich.

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Sogar im letzten Studienjahr war den Studenten das homiletische Dreieck (Hörer – Text – Prediger/Ich) bisher neu. Wichtig war ihnen vor allem, dass die Hauptaussage des Bibeltextes erkannt wird und der gepredigt wird. Gar nicht so einfach bei häufig ca. 20 Versen als Grundlage. Aber es gilt ja das sola-sciptura-Prinzip, nur die Schrift. Da muss erst ein „liberaler westlicher Theologe“ aus dem Land der Reformation kommen, um etwas anderes ergänzendes zu vermitteln…

Gerade betreue ich eine Abschlussarbeit zum Thema „Priestertum aller Gläubigen in einem bestimmten Kirchenkreis“. Dadurch erfahre ich viel, wie hier Glaube gelebt wird, vor allem auch traditioneller Glaube oder was dafürgehalten wird. Der „Diplomand“ verbindet mit dem Begriff „Priestertum“ allerdings viel mehr als ich. Ich weiß noch nicht, was aus der Arbeit wird, aber für mich ist sie nach 3 Wochen Betreuungszeit schon richtig spannend. Hier wird mit dem Begriff „Priester“ zuerst einmal „Erwählung“ verbunden. Für mich ein naheliegender, aber irgendwie auch überraschender Gedanke.

Neben dem Predigtkurs und dem Kurs „Heiliger Geist“, muss ich noch Kirchengeschichte (Reformationszeitalter) und Theologie des Neuen Testaments unterrichten. Luther ist hier ein Glaubensheld, die Debatte um antijüdische oder antisemitische Gedanken Luthers, wie sie in Deutschland geführt wird/wurde, spielt hier keine Rolle. Die deutschen Debatten um eine „new perspective on Paul“ oder den Sühnetod Jesu, stehen auch nicht in meinem Kursplan. Ersteres scheint mir zu westeuropäisch und Zweiteres wird hier nicht hinterfragt, sondern ist eher selbstverständlich.

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Für mich ist es manchmal gar nicht so einfach, einen Kurs in fast jedem theologischen Fach zu geben. (Ursprünglich hatte ich mitgeteilt, ich wolle nur ST und NT unterrichten, aber es ist doch klar, dass ein Deutscher die Reformationszeit unterrichten muss und der Studiendekan fragte mich dann auch noch, ob ich eben die Predigtwerkstatt übernehmen könne…)  Immerhin lässt sich alles unter dem großen Titel „Interkulturelle Theologie“ verbinden. Es sind tatsächlich die verschiedenen Kulturen dieses Landes, die diese Arbeit so spannend macht.

Wahl-Kampf

19 von 104 Wahlberechtigte durften in Logaweng wählen, alle anderen waren aus unerklärlichen Gründen nicht im Wählerverzeichnis registriert. Ähnlich sah es in den Orten um uns herum aus. Ein Unterschied bestand zwischen Logaweng und den umliegenden Orten dann doch: Das Militär musste nicht kommen, um für die nötige Sicherheit zu sorgen. Auch die Polizei war nur mit einem Einsatzwagen vor Ort. Klagen wurden hier sachlich geäußert und führten nicht zu Messerstechereien, Prügeleien oder Krawallen. Dies kommt im Hochland häufig vor. Hier in der Küste ist der Ärger über die Wahlumstände zwar groß, aber das beraubte Wahlrecht wurde auf dem Campus insgesamt stoisch hingenommen. Auch darum fühlen wir uns hier nicht bedroht.

Gerade werden die Stimmen ausgezählt, wie die Wahl selbst ein wochenlanger Prozess. Mit Spannung warten alle auf das Ergebnis. Ein Kandidat hat dem Seminar eine Kuh versprochen, Fleisch für alle. Bisher musste aber noch niemand mit dem Schlachtmesser anrücken. Ob es also ein Festessen geben wird, bleibt abzuwarten.

Noch nicht mal um die Straße hier kümmert sich, die örtliche Politik. Viele andere Straßen wurden vorher ausgebessert. Allerdings hat der anhaltende Regen der letzten Wochen viele Bemühungen schon wieder zu nichte gemacht. Hier haben nun die Studenten selber Hand angelegt. Das ist echte Knochenarbeit. Aus einem Steinbruch wird Muschelkalkstein geschlagen, zur Straße gefahren und damit die größten Furchen aufgefüllt. Unser stark motorisierter Landcruiser kömpft sich trotz Allradantriebs mit Ach und Krach den Berg nach Logaweng hinauf. Auf den Fotos sind einige bei einer Kaffeepause und die wieder “gut“ befahrbare Straße zu sehen. Auf dieser Straße werden die Kinder der Studenten täglich zur Schule gefahren.


Die Erwartungen in die Wahl sind groß. Alles, nicht nur Straßen, soll besser werden. Andere sind so enttäuscht, dass die Unabhängigkeit auch unserer Provinz gefordert wird. Die neuen 111 Abgeordneten werden das Land auch nicht aus der Krise führen. Es würde massive Hilfe aus dem Ausland gebraucht, eine Bildungsinitiative, neue Arbeitsplätze und vor allem viel guter Wille.

Wer mehr Infos zur Parlamentswahl möchte, kann noch folgenden deutsch sprachigen Presseartikel lesen:

https://www.pressreader.com/luxembourg/tageblatt-luxembourg/20170624/281543700928843

Lernfeld Lae. Laut, Langsam und Luxus

5 Tage standen uns innerhalb der Semesterferien zur Verfügung. Wir haben für 8 Wochen Lebensmittel eingekauft. Nicht wenig!

Einen neuen Nachweis über die Vekehrstauglichkeit des Autos haben wir erworben. Das geht hier auch ohne einen Blick aufs Auto. Wie auch, wenn das Auto 80km Seeweg (!) entfernt steht. Schon beantragte Führerscheine haben wir jetzt bekommen. Wir können uns glücklich schätzen, dass es gleich beim ersten Anlauf gelungen ist, unsere Übergangsführerscheine in chicke Plastikkarten umzuwandeln. 

Meine und Noras Haare wurden geschnitten. Die Frisörin war von Noras Haare ganz entzückt, aber aber offensichtlich noch nicht so viel Erfahrung mit diesem Haartyp.

Material für einen Hühnerstahl habe ich besorgt. Dann haben wir hoffentlich bald eigene Eier und müssen nicht die teuren und wenig frischen aus Gagidu essen.

Es tut gut, zwischendurch gut zu essen: Hamburger, Pizza, Lachs oder Lasange hat uns erfreut. Nora hatte Spaß in einem Hotelpool. Für einen Nachmittag haben wir diesen Luxus genossen.

Ansonsten saßen wir viel im Auto. Ein Student hatte mir empfohlen, im Stahlgroßhandel Gitter für den Stall zu kaufen. Gesagt, gedacht, getan. Ich habe einen anderen Studenten in Lae aufgesucht und mich dabei erstmal total verfahren. Der hat mich dann zum Handel geführt. Dort mussten wir durch mehrere Sicherheitskontrollen, bis wir mehrere Arten von Gitter sehen konnten. Preise konnte man uns im Lager nicht nennen, also zurück ins Büro. Dort erfuhren wir dann, dass wir gleich bezahlen müssten, aber die Ware erst morgen holen könnten. Wieder mussten wir durch alle Kontrollen und das Produkt selber aus dem Lager holen. Da man allerdings einiges mehr für einen Hühnerstahl braucht, war ich auch noch im Baumarkt. Auch dort wurde ich intensiv beraten und mehrfach kontrolliert… “Schnell geht in PNG nichts.“, wurde mein Motto für Lae.

In der Nähe des luth. Gästhauses gibt es Hühner und Hunde. Einen Jaron mit einem starken Organ hatten wir auch noch dabei. An einem Morgen wurden wir um 5.30h von Autoscheinwerfern, Huppen und Motorenlärm geweckt. 30Min brauchten unsere Nachbarn wohl zum Aufbruch und dabei musste der Motor laufen und das Licht direkt auf mein Bett scheinen. 
Letztlich waren wir froh, wieder in Logaweng zu sein. Unsere Lernstunde Lae haben wir erfolgreich hinter uns gebracht. Zumindest die To-Do-Liste besagt das. Vielleicht kann ich nächstes Mal auch noch Geduld und gute Nerven mitbringen.

Beides ist aber auch hier nötig: Einen Tag später war unser neues Haustier, ein kleines Baumkänguruh (siehe Facebook) nicht mehr da. Wir hatten es vorm Kochtopf gerettet, indem wir es einfach gekauft haben. Wir sind nicht sicher, ob es nun wieder für den Kochtopf aus dem Käfig geklaut wurde oder ob es in die Freiheit entkommen ist. Wir hatten uns gerade etwas angefreundet. Dachte ich zumindest.