Von der Freude an wenig Sonne, davon wie ein Rechtschreibfehler Affen hervorzaubert und von der letzten Bestimmung meiner Hühner: Die Suppe.

Vorletztes Jahr haben wir in den drei deutschen Sommermonaten Juni, Juli, August wirklich viel geklagt. Hier hat es nur geregnet. Manchmal stand unser Haus in einer Wolke. Alles war nass und klamm. Das war eine Erfahrung, die ich nicht wieder machen muss.

Dieses Jahr ist trockener und freundlicher. Nicht das wir bestes Badewetter hätten, aber die Wäsche wird an der Leine trocken.

Foto 1Jaron und Nora spielen draußen mit anderen Kindern. Am meisten freut sich Nora, wenn Mädchen hier sind: In ihrer Kindergartengruppe sind – Gott sei Dank – 9 Mädchen und nur 2 Jungs. Einige von ihnen kommen manchmal anschließend zu Besuch und auch Nora ist immer häufiger bei ihnen.

Besuch gab es vor 3 Wochen noch von weiter her. Meine Eltern waren aus Deutschland angereist und haben 10 Tage mit uns verbracht. (Anschließend haben sie ihren Urlaub in Australien fortgesetzt.) Unsere Kinder haben Opa und Oma stolz herumgeführt – bis ins Geheimversteck und zum Kletterbaum. Besonders meine Mutter war auch sehr interessiert an der Umgebung: Sie ist mit mir und Milo in eine Fledermaushöhle gestiegen und natürlich sind wir auch bewaffnet mit dem Buschmesser durch ein Dickicht ums Seminar herumgewandert. Einmal hat es die Sonne sogar erlaubt, dass wir ihnen unseren Lieblingsbadestrand zeigen konnten. Milo und ich sind mit Flossen und Schnorchel zu einem Wrack aus dem 2 Weltkrieg geschwommen und Milo hat unter Wasserfotographien der Fischwelt gemacht. (Bilder davon habe ich leider noch nicht bekommen…)

Mittlerweile sind wir im 2. Semester angekommen: Der Alltag ist wieder dicht. Unser Volunteer ist nach einem Jahr Mitarbeit am Seminar nun wieder in Deutschland, d. h. ich muss übergangsweise unseren kleinen Buchladen managen. Anfang des Semesters ist sowie schon viel zu tun: Schulgebühren müssen endgültig bezahlt, Kurse ausgearbeitet und Noten vom alten Semester abgegeben werden. Dazu kommt eben, dass viele Studenten neue Hefte und Lektüre fürs neue Semester erwerben wollen. Die letzten Tage waren recht voll, aber dafür war in den Semesterferien eben auch Zeit für meine Eltern. Sie kennen nun Finschhafen ein wenig.

Unsere Region ist nach dem Ethnologen Otto Finsch und einer Anlegestelle benannt. Hafen klingt zu groß, obwohl jetzt ja die Mv Ialibu wöchentlich hierherkommt. (Wir müssen nun nicht mehr Wochen lang auf Fracht warten.) Leider wird der Name der Region häufig völlig falsch geschrieben. Sogar der Parlamentsabgeordnete von hier vertritt Finschaffen, obwohl es hier zwar viele schöne Tiere, aber eben keine Affen gibt.

Aber nicht nur darüber habe ich mich in den letzten Tagen gewundert. Diese Woche wurde ein neuer Bürgermeister von Logaweng gewählt. Obwohl hier um die 150 erwachsene Personen wohnen, standen wieder nur 19 Personen auf der Wahlliste. Auch einer der zwei Kandidaten war nicht auf der Liste. Auf weitere Formfehler wie eine nicht versiegelte Wahlbox wurde direkt von der Wahlkommission hingewiesen. Die Kommission musste ich ein Stück zurückbringen, weil das Auto der lokalen Polizei, mit dem sie abgeholt werden sollten, keinen Allradantrieb hatte und der erste Gang auch nicht funktionierte. Ihr Auto hat es dadurch nicht zu uns ans Seminar hoch geschafft. Diese Dinge verwunderten mich allerdings weniger als das Wahlergebnis: Den nicht gewählten Kandidaten hielt ich für des Amtes würdig, für sehr integer und tatkräftig. Ich habe die Welt um mich herum noch weniger verstanden als sonst schon.

Aber vielleicht sollte ich mich nicht um Politik kümmern, sondern mehr um mein Hobby: Meine Hühner. Ich habe unseren Stationmanager, der Familie unserer Hausangestellten und einen Kirchenvorsteher des Nachbardorfes jeweils 2 oder 3 nun junge Hühner geschenkt. 4 sollen zu neuen Legehühnern werden. Ihre Mutter wird, wenn diese ihre erste Bestimmung erreicht haben, ein Suppenhuhn.

Zum Abschluss noch einige Worte zu den letzten beiden Überfahrten von bzw. nach Lae. Da muss ich ja z. B. immer wieder hin, um Hühnerfutter zu kaufen. Das Private lässt sich aber gut mit Dienstlichem verbinden. (Nur dort bekomme Kontoauszüge fürs Seminarkonto, günstige Farbe für die alten Klassenräume oder Bargeld, um unsere Mitarbeiter zu bezahlen.) Jedenfalls waren die Überfahrten mal wieder einmalig. Es hat fürchterlich nach Benzin gestunken. Das führte zu Übelkeiten bei meinen Mitfahrenden und zu Schleim und Mief auf meiner Kleidung. Ein anderes Mal stützte das Boot manchmal 2 Meter nach einer Welle in die Tiefe. Nach 4 Stunden schmerzte mein Rücken. (Der über 80jährige Arzt, der auch auf dem Boot saß, meinte allerdings nur, Rückenschmerzen hätten in der Regel eine psychologische Ursache und ich sei psychisch ja gesund.) Und dann war die See wieder wirklich ruhig. Mit einigen Bildern davon verbleibe ich mit ganz herzlichen Grüßen,

Ihr / Euer Knut Cramer

Foto 4Foto 3Foto 2

Werbeanzeigen

Entspannung

Umgebung wechseln. Abschalten. Ruhe. Tapetenwechsel. Kurz mal raus. Diese Begriffe kommen wir gerade in den Sinn.

Nach einem anstrengenden Quartal mit der Doppelfunktion „Dozent und Kassenwart“ und einigen Diensten von Anne und mir außerhalb des Seminars bin ich Freitag alleine nach Lae gefahren. Anne war mit den Kindern noch in Logaweng. Wir haben uns entschieden, dass ich bei einer kleinen Hochzeitsfeier von einem Überseekollegen dabei bin und Anne mit den Kindern an Trauerfeierlichkeiten teilnimmt. Freud und Leid liegen manchmal sehr eng beieinander.

Asemba Kaisen, unser Fahrer, ist letzten Sonntag überraschend mit 57 Jahren durch einen Schlaganfall verstorben. Er hat täglich die Schulkinder zur Schule gebraucht und wieder abgeholt. Das ganze Seminar war deshalb eine Woche im Ausnahmezustand: Es wurde gesungen, viel geweint und gemeinsam wurden Nächte durchwacht. Hier wird anders und lauter als in Deutschland getrauert. Der Tod kann nicht verdrängt werden, denn er betrifft eine große Gemeinschaft. Viele bringen Gaben und bekunden dadurch ihr Mitleid oder sitzen einfach mit der Trauerfamilie zusammen.

Nach den täglichen Trauerandachten wurde spätabends noch gegessen. Hier einige Frauen, die gerade mit dem Kochen fertig sind.

Auf der anderen Seite meines Bekanntenkreises stand heute Mike Hauser im Mittelpunkt: Er, ein Dozent am Partnerseminar in Lae, hat im kleinen Kreis schon vor einigen Wochen „seine“ Milka, eine Studentin, geheiratet. Nun gab es noch ein Festessen für Freunde, Kollegen und die aus Australien angereiste Familie. Ich bin dankbar, dass ich bei dem freudigen Ereignis dabei sein durfte und kurz mal raus konnte.

Ihr / Euer Knut Cramer

Von Außerordentlichem, Verrücktem und Ausnahmezuständen!

So lassen sich gerade verschiedene Ereignisse rund um unsere Studenten, die nationale Politik und unsere Hühner beschreiben.

Gestern (29.05.2019) ist der Premierminister Hon Peter O’Neill offiziell zurückgetreten. Er gilt als hoch korrupt. Während seiner Regierungszeit hat sich die Wirtschaftskraft des Landes zurückentwickelt. Er betonte zwar im Parlament wieder, wie viel er geleistet hat und betonte dabei Bildung und Gesundheitswesen, aber gerade in diesen Bereichen liegt besonders in ländlich-abgelegenen Gegenden vieles im Argen. Wenn die Bildung doch so wirksam sei, warum können dann einige Frauen unserer Studenten nicht lesen und schreiben, wenn sie hierherkommen? Heute wurde nun der ehemalige Finanzminister James Marape mit 101 von 111 Stimmen als neuer Premierminister gewählt. Er hat mehrere Jahre in O’Neills Kabinett mitgearbeitet. Mir leuchtet diese große Mehrheit, ehrlich gesagt nicht ein, wenn es doch gerade um Misswirtschaft geht. Das ist doch irgendwie ein krasses Stühle-Verrücken!

Letzte Woche war für einige Studenten auch kein ordentlicher Unterricht. Wir haben darauf bestanden, dass bis Sonntag letzter Woche zumindest 60% der Schulgebühren bezahlt sein müssen. Die säumigen Studenten haben wir aus dem Unterricht verbannt. Dank sparsamer Haushaltsführung, Zuschüssen von den Partnerkirchen und der nationalen Kirche sowie eigenen Einnahmen durch einen kleinen Laden und einem kleinen Gästehaus brauchen wir nur 1.000 Kina jährlich für verheiratete Studenten zu verlangen. Singles müssen jeder 850 Kina zahlen. Andere „Berufsschulen“ des Landes nehmen deutlich mehr und trotzdem sind 1.000 Kina für die Studenten viel Geld. [Die Kaufkraft – nicht zu verwechseln mit dem Wechselkurs – des Euros ist geringer als die des Kina.] Viele Menschen leben als Selbstversorger (Subsistenzwirtschaft) halt einfach schlichter und kommen so irgendwie über die Runde. Das Seminar verpflichtet jeden Studenten, einen Sponsor (Familie, Gemeinde, Mäzen) zu finden, der ihn unterstützt. Viele bekommen auch einen Zuschuss von ehemaligen Missionaren oder Partnergemeinden ihrer Heimatgemeinde. Jedenfalls konnten fast 10% unserer Studenten nicht am Unterricht teilnehmen, aber irgendwie haben alle Studenten innerhalb einer Woche noch die nötigen Münzen aufgetrieben, um unter die magische Marke von 400 Kina zu kommen. Alles hat sich wieder zurechtgerückt.

Privat ist unsere „Familie“ um 11 Mitglieder angewachsen. In der letzten Vollmondnacht sind die ersten von 12 Küken geschlüpft. Leider hat während der Nacht ein streunender Hund eine unserer zwei Glucken gerissen. Ich habe daraufhin alle schon geschlüpften Küken und Eier unter die verbliebene Glucke gesteckt. Weitere zwei Küken waren leider zu schwach und ein Küken hat es nicht geschafft, die Eierschale zu durchbrechen. Leben und Tod liegen manchmal sehr eng zusammen.

Gerne beobachte ich das Muttertier. Es stolziert durch unseren Garten, bringt den Kleinen das Scharren bei. Manchmal versuche ich ein Kleines einzufangen, damit Jaron und Nora es mal halten können. Die Mama schaut mich dann argwöhnisch an und hat mich auch schon das ein oder andere Mal gepickt. Abends sammelt sie alle ihre Küken und sie finden Platz unter ihren Federkleid. Dabei kommt mir folgendes Bibelwort in den Sinn, in dem Gott mit einem Huhn verglichen wird:

Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /

Und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

(Psalm 91.4 nach der neuen Lutherübersetzung)

Für die Hühner ist es jedenfalls ein ganz besondere, eine außerordentliche Zeit. Unser Hahn schreit noch mehr. Wenn größere Vögel wie der bunte Hornvogel über unser Haus fliegen, warnt er seine Hennen laut stark.

Nicht unbedingt außergewöhnlich, aber erwähnenswert ist noch, dass dieses Jahr alle Studierenden und nationalen Kollegen einen Büchergutschein bekommen haben und dass gerade ein neues Regal für unsere Kinderbibliothek gebaut wird.

Partnerschaftsbeziehungen leben zwar nicht vom Geld, aber sinnvoll investiertes Geld aus Deutschland kann Besonderes hervorbringen. Herzlichen Dank den Spendern!

Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen mitten heraus aus meinem manchmal ungewöhnlichen Alltag,

Ihr / Euer Knut Cramer

Into the unknown

So lautete der Titel unserer Männerfreizeit in Port Moresby. Er war sehr passend, denn für viele Überseemitarbeiter steht das Vertragsende kurz bevor. Einige Kollegen werden in den Ruhestand gehen und ob sich Nachfolger finden lassen, ist sehr fraglich.

Wohin bewegt sich die Lutherische Kirche hier? In einem guten halben Jahr stehen wieder Bischofswahlen an. Überseeexperten werden eben weniger. Führt dies dazu, dass unsere Aufgaben von nationalen Kollegen übernommen werden und dass diese dafür die nötige Mittel zur Verfügung haben? Ohne Auto wäre es uns kaum möglich, die Einkäufe fürs Seminar wie Abendmahlswein, Papier, Bücher, Druckerpatronen oder ein Ersatzteil für den Rasenmäher zu erledigen. Das Auto wird uns von den Partnerkirchen zur Verfügung gestellt.

Ins unbekannte driftet auch gerade der Staat Papua-Neuguinea. Letzte Woche wurde ein Misstrauensantrag um 3 Wochen verschoben. Die Mehrheit des Premierministers bröckelt. Hektik ist ausgebrochen. Ministerposten werden verhandelt.

SAMSUNG CSC(Foto vom Parlamentsgebäude)

Port Moresby ist vom Hochland oder von Lae nur mit dem Schiff oder dem Flugzeug zu erreichen. Die Hauptstadt ist irgendwie unverbunden mit dem Rest des Landes. Es gibt dort eine große Shopping Mall mit modernem Kino. Für mich einfach surreal und doch entspannend! Ich war in einer anderen Welt. Neue Hotels und wachsende „Settlements“ prägend das Stadtbild. Arm und Reich sind nahe zusammen und doch getrennt. Die lutherische Kirche betreibt einen großen Kindergarten. In keinem Dorf in Finschhafen gibt es so etwas.

Wir waren in einem Gästehaus von den „Salesianern Don Boscos“ untergebracht. Diese Ordensgemeinschaft betreibt auch eine Berufsschule.

SAMSUNG CSC Ich war über deren Ausstattung und über dessen Leitung überrascht. Zwei Frauen leiten die Einrichtung! Für Papua-Neuguinea, in dem Land gibt es nur wenig weibliche Führungspersönlichkeiten und keine Abgeordnete im Parlament, sehr überraschend! Neben den vielen einheimischen Mitarbeitern arbeiteten bei „Don Bosco“ auch viele Überseemitarbeiter, besonders Philippinos. Was wäre dieses Land ohne ausländisches Knowhow? (Natürlich kann dies in irgendeiner Weise für jedes Land gefragt werden.)

Es tat jedenfalls gut, etwas ganz anderes zu sehen und auch in eine etwas andere Welt einzutauchen!SAMSUNG CSC Motiviert und gestärkt bin ich wieder nach Finschhafen gekommen. Hier erwartete mich allerdings viel Arbeit. Die normalen 13 oder mehr Vorlesungsstunden wöchentlich haben schon ihre Dynamik. Gerade schreibe ich noch Projektanträge für Wassertanks und die Renovierung von Klassenräumen. Viele Aufsätze habe ich eingesammelt. Aus- und Eingänge sind verbucht worden. (Excel wird immer mehr zu einem treuen Begleiter.) Ich habe mir mal gesagt, ich würde nie eine Predigt am Sonntagmorgen fertig stellen wollen, aber auch das ist mir mittlerweile passiert.

Spannend war auch den Besuch unseres neuen Vorgesetzten, dem Fachreferenten von Mission EineWelt für Papua-Neuguinea Arnim Dörfer. Wir haben zusammen am Feuer Süßkartoffeln gegessen, gebadet, Wein getrunken, Heldsbach einen Besuch abgestattet und vor allem gute Gespräche geführt. Eine gute vertrauensvolle Basis für die zukünftige Zusammenarbeit ist gelegt.

Während der Freizeit und des Besuchs gab es auch spannende Möglichkeiten über theologische Themen nachzudenken: Ich versuchte einem Kollegen zu erklären, warum ich die Allversöhnungs­lehre für durchaus in PNG lehrbar halte und dass damit Mission vielleicht sogar plausibler werde.

Auch die Bedeutung des Abendmahls wurde fast wie zur Zeiten der Reformation lebhaft diskutiert, aber wir konnten Brot und Leib auch einfach als Stärkung empfangen.

Wir wurden uns einig, dass liturgische Formen eine trügerische Sicherheit geben können. Strukturgläubigkeit und das Kollektiv können ebenfalls einen Halt vortäuschen, der schnell zerbrechen kann.

Im Griechischkurs stellte ich den Studenten heute die Götterwelt des Olymps vor und sie meinten, diese komme dem melanesischen Weltbild ihrer Vorfahren sehr nahe.

Ich denke weiter über die Klimakrise nach: In Europa scheint, das Bewusstsein, dass sich etwas ändern muss, zu wachsen. Hier, wo die Auswirkungen zu spüren sind, ist Umweltschutz immer noch ein Fremdwort. Allerdings müssen sich viele auch weniger Gedanken darüber machen, ob ein Auto der Umwelt schadet, wenn viele nicht einmal im Traum an ein eigenes Auto denken können. In der Regel sitzen auch nicht 2 Personen in einem Auto, sondern eher 20 Personen.

Mit diesem Einblick in meine Erlebnis- und Gedankenwelt grüße ich alle Leserinnen und Leser in dieser nachösterlichen Zeit und bedanke mich bei Thorsten Krafft für seine Fotos.

Ihr / Euer Knut Cramer

Ein entspannter Sonntag

(Ein Artikel verfasst von Annegret Cramer)

Das war heute ein richtig entspannter Sonntag! Wie ich es mir erhofft hatte.

Es ist immerhin der dritte Palmsonntag, den wir hier in Logaweng erleben. Dieser Sonntag eignet sich hervorragend für ein kleines Theaterstück („Drama“). Auf uns wartete also nichts Neues und wir konnten gelassen und entspannt den Einzug Jesu auf dem uns ebenfalls schon vertrauten Papp-Pferd verfolgen.IMG_1502

Einzig Jaron war etwas skeptisch und zog es vor auf meinem Arm das Spektakel zu verfolgen. Nora dagegen, deren fünften Geburtstag wir am Freitag groß gefeiert hatten, war mitten unter den „Sandeskul“ – Kindern und schwenkte eifrig Palmblätter. Es tut gut, dass der Alltag hier wirklich inzwischen Alltag ist. Was mich während der Predigt beschäftigt hat, war dann eher, ob ich trotz diesem zugegebenermaßen manchmal auch ermüdenden Alltag und dem oft ebenfalls sehr erstarrten Gottesdienstleben eigentlich noch erwarte, dass mir Gott bei dieser Veranstaltung überhaupt etwas zu sagen hat. Die Predigt zumindest, ist nicht weiter der Rede wert.

Nach dem Gottesdienst folgte eine wahre Wohltat. Ich musste nicht kochen! Unsere Nachbarn hatten uns zum Gulasch-mit-Spätzle-Essen eingeladen. Köstlich! Das ständige Kochen, Abwaschen, Backen, Abwaschen, Kochen… geht mir schon manchmal auf die Nerven und ich denke sehnsüchtig an das reiche Sortiment an fertigen oder halbfertigen Lebensmitteln, auf die man in Deutschland einfach und unkompliziert zurückgreifen kann. Wenn ich kein Brot backe, gibt es eben Müsli. Ich war allerdings noch nie ein großer Fan von Müsli und werde es auch wohl nicht werden. Gott sei Dank sind unsere Kinder mit dieser Art der Ernährung ganz zufrieden, vorausgesetzt es ist Schokomüsli.

Direkt nach dem Essen bin ich an meinen Schreibtisch geeilt und habe dort ungestört und ohne unmittelbaren Zeitdruck 2 ½ Stunden meine letzten Unterrichtseinheiten dieses Terms vorbereitet. Das war Entspannung pur! Knut war mit den Kindern zu Gange und ich hatte einfach meine Ruhe, einmal zu tun was getan werden muss. Das Unterrichten selbst macht mir wirklich Spaß und auch die Themen der beiden Kurse finde ich sehr reizvoll. „Law & Gospel“ im zweiten Jahr und „Confessio Augustana“ im dritten Jahr. Vor allem der letztere fünfstündige Kurs in einem kleinen und sehr engagierten Jahrgang hat mir sehr viel Freude gemacht und auch zu anregenden Gesprächen mit den Studenten geführt. Im Kern geht es um eine Einführung in die Lutherische Dogmatik und trotz des etwa trockenen klingenden Titels gab es viele sehr relevante Anknüpfungspunkte an den Alltag in den Gemeinden. Ist es z.B. rechtens, dass Gemeindeglieder wegen „unangemessener Kleidung“ (keinem weißen Hemd) vom Abendmahl ausgeschlossen werden? Darf man Kinder aus unehelichen Beziehungen wirklich taufen? Die Bibel sagt ja gar nichts zur Konfirmation?! Wenn es für die Rechtfertigung keine Rolle spielt, wie ich mich verhalte, warum soll ich dann denn überhaupt noch Gottes Gebote befolgen?

Wie gesagt, das Unterrichten selbst macht mir viel Freude. Es ist nur absolut herausfordernd den Unterricht neben dem Alltag mit den beiden Kindern und einem ebenfalls sehr eingespannten Mann vorzubereiten. Im Zweifelsfall heißt das dann eben Müsli zu essen.

Natürlich haben wir Entlastung durch Joice, unserer Hausmeri. Aber die Kinder wollen dann manchmal doch lieber mit mir spielen und lungern ungeduldig vor meinem Büro herum. Mit Kindern zu spielen, ihnen kreative Angebote zu machen, sie für eine Aufgabe zu begeistern, sie in den Alltag mit einzubeziehen, all diese „Pädagogik“ ist hier einfach nicht sehr ausgeprägt. Und so sitze ich im Büro, die Kinder stöbern durchs Haus und unsere Hausmeri flüchtet sich in irgendwelche Gartenarbeit, die ja auch erledigt werden will. Ich kann es ihr nicht verübeln. So ein Tag mit den Kindern ist manchmal auch ganz schön anstrengend. Ganz anders gestaltet sich die Situation, wenn andere Kinder zum spielen kommen. Dann sind die Kinder im Garen und alles ist gut!

Apropos Kinder im Garten. Ich war auch deswegen so scharf auf einen ruhigen Sonntag, weil wir ja nicht nur unter der Woche viel zu tun haben, sondern auch am Wochenende immer was los ist. Es war ein echter Kraftakt, den Geburtstag von Nora im Kalender frei zu halten und ihn nicht ob der ganzen anderen Aufgaben unter den Tisch fallen zu lassen. Und so waren am Freitag etwa 20 Kinder inklusive Mütter bei uns im Garten. Die ganze Kakaruk-Gruppe des Kindergartens war eingeladen und es sind auch alle gekommen! Es gab Spiele, eine Schnitzeljagd mit Schatz und natürlich Kuchen.

Nora war selig, ich KO und ein bisschen erstaunt, wie viele Mädchen in Noras Alter tatsächlich unter den Kindern sind. Normalerweise kommen, sehr zu Noras Leidwesen, fast ausschließlich Jungs zu uns in den Garten. Mädchen sind da nur ganz vereinzelt dabei. Das hängt sicher damit zusammen, dass Mädchen hier schon sehr früh angehalten werden, sich „häuslich“ zu verhalten. Während die kleinen Jungs durch den Busch streifen, gehen die kleinen Mädchen der Mama zur Hand. So sieht es leider aus und so ist es auch erwünscht. Noras Vorstoß bei den Jungs „ich spiele nur mit euch, wenn ihr ein Mädchen mitbringt“ hat da leider auch keine Früchte getragen.

Der letzte Sonntag brachte im Gegensatz zu dem diesigen auch trotz der inzwischen zweijährigen Erfahrung im Land wieder einmal ganz neue und herausfordernde Einblicke mit sich. Knut war angefragt, in der Not-Siedlung, die nach dem gewaltsamen Konflikt im Nachbardorf im Dezember letzten Jahres in Gagidu entstanden ist, einen Gottesdienst zu feiern.

Nachdem das halbe Dorf eines Morgens in Flammen aufgegangen war, flüchteten die betroffenen Familien nach Gagidu, wo sie nun seit nunmehr fast einem halben Jahr auf den sogenannten „Wanbel“ warten. „Wanbel“ bedeutet Frieden oder Einigkeit. Nachdem lange nichts passierte, haben inzwischen von Kirche und Regierung vermittelte Gespräche stattgefunden. Es sollen die Konditionen ausgehandelt werden, zu denen die verfeindeten Familien einer friedlichen Rückkehr der Vertriebenen zustimmen würden. Ostern wäre ein schönes Datum für diesen Wanbel. Aber danach sieht es momentan noch nicht aus. Also, wir sind mit einigen Studenten in dieses Not-Dorf gefahren, um Gottesdienst zu feiern. Etwa 70-80 Menschen wohnen hier in fünf provisorischen Häusern und warten auf bessere Zeiten. Ein Elend! Mich lassen diese Umstände nicht kalt, sie „ziehen mich runter“, beschweren mich. Aus dem gleichen Dorf kommen auch die Arbeiter unseres Workshops. Einer der Männer hat eine Tochter mit einem Herzfehler. Da kann man hier nicht viel machen. Ein Student erzählte, während wir auf den Beginn des Gottesdienstes warteten, von seinem Vikariat. Dort, im Busch in dem es keine Straßenverbindung gab, war auch ein Krankenhaus in unerreichbarer Ferne. Wenn jemand krank wurde, wartete man darauf, dass er oder sie starb, so sagte er. Gerade hat Knut einem unserer Studenten als Kassenwart das Geld für die Fahrt in sein Heimatdorf ausgezahlt, seine Schwester, zweifache Mutter war nach dreiwöchiger Krankheit gerade gestorben. Auch sie war nicht rechzeitig in ein Krankenhaus gebracht worden.

Wir haben also mit den Leuten Gottesdienst gefeiert. Mit einer der Frauen habe ich schon oft gesprochen, weil sie immer wieder bei uns am Haus vorbei kommt. Aber manchmal fehlen mit da auch die Worte. Anschließend wurden wir zum Essen eingeladen. Und jetzt begann für mich wiederum ein Stress der anderen Art. Auf dem Boden sitzend bekommt jeder von uns, also auch die Kinder (Einspruch sinnlos!) einen riesigen Teller mit Reis, Fleisch, Krabben und Gemüse, das man jetzt irgendwie verdrücken muss. Hände waschen, Fehlanzeige! Von hinten lungern die Hunde herum und versuchen auch einen Happen zu bekommen. Die Kinder machen sich natürlich keine Gedanken um Hygiene und legen ganz munter los. Ich versuche das Schlimmste zu verhindern und dabei keinen allzu unglücklichen Eindruck zu machen, da natürlich 70 Leute beim Essen zuschauen. Da helfen letztlich nur noch Gottvertrauen und die Hoffnung, dass unsere Mägen inzwischen auch einiges gewohnt sind. Und tatsächlich, wir haben das Essen gut vertragen. Geschmeckt hat es auch, keine Frage! Ich bin dankbar für solche Erfahrungen. Aber ich bin auch unglücklich darüber.

An Ostern werden wir nun im anderen Teil dieses unseligen Dorfes Gottesdienst feiern. Ich wünsche mir nur, dass die Osterbotschaft etwas weniger verborgen zu erleben wäre!

Spiel, Spaß, Spannung

Das bringt nicht nur ein Ü-Ei mit sich, sondern auch mein neues Amt. Seit 3 Wochen bin ich jetzt offiziell Kassenwart des Seminars, darum blogge ich jetzt zum Thema „Geld“.

Sparen gehört eng mit der westlichen Kultur zusammen. Besonders von meinen Großeltern weiß ich, dass im Spätsommer Silagen angelegt werden mussten. Heu wird für den Winter eingefahren, denn die Kühe und Rinder brauchen auch dann etwas zu fressen.

In Logaweng gibt es im Laufe des Jahres Schwierigkeiten, alle Studenten wirklich satt zu bekommen. Das ist allerdings untypisch. Unsere Böden sind mittlerweile etwas ausgelaugt. Recht kleiner Raum muss viele ernähren. Es wird zu etwas untypischen Zeiten gepflanzt: Am Jahresanfang, wenn die neuen Studenten kommen, werden neue Gärten angelegt, aber dann ist es hier häufig zu trocken und Ungeziefer befallen die Süßkartoffeln. Dank der Partnerschaft mit dem Dekanat Castell können wir aber in dieser Zeit Reis kaufen!

Insgesamt kann man sagen, dass in Neuguinea weniger jahreszyklisch gepflanzt wird. Irgendetwas wächst immer. Vorratsspeicher sind fast unbekannt. Die Geschichte von Josef, der in Ägypten Scheunen für 7 dürre Jahre anlegte, passt nicht in diese Kultur. Niemand muss hier sparen, entweder eine Kokosnuss, eine Taroknolle, Süßkartoffeln oder ein Fisch aus dem Meer ist schon da.

Es liegt also in gewisser Weise an der Kultur, dass Sparen, Budgetieren und Vorausplanen meinen einheimischen Kollegen schwerer fallen. „Jetzt ist Geld vorhanden, jetzt kann es ausgegeben werden.“

Dazu kommt, dass neue einheimischen Kollegen noch nicht einmal 200 € monatlich neben dem gestellten Haus und Garten an Gehalt bekommen. Mal ganz ehrlich: Würde ich nur so wenig auf meinem Gehaltszettel sehen, würde ich mich auch bemühen, überall noch einen Zusatzverdienst aufzutun.

Mein neues Amt steht also in gewissen Spannungen. Was kann finanziert werden? Wem kann ich helfen? Wann gilt es zu sagen: Nein, wir haben dafür kein Budget.

Teilweise mache ich mit. Für eine mehrtägige Fahrt zu einer Gemeinde, um dort Bibelarbeiten zu halten, habe ich mich erweichen lassen, ein großzügiges Spesengeld auszahlen zu lassen. Das bringt die Seminarkasse dann schon noch her.

Mir macht es Spaß zu bilanzieren, buchen und mit Studenten über ihre Schulgebühren ins Gespräch zu kommen. Ich bekomme mit, welchen guten Job die Studentenvertretung macht, in dem Sie mit einfachen Mitteln Geld erwirtschaftet und diese sinnvoll einsetzt. Gerne suche ich nach Lösungen wie dies oder jenes finanziert werden kann und gleichzeitig versuche ich unser Budget nicht überzustrapazieren, sondern eine gute Balance zu erhalten. Das ist fast wie beim Fußball Manager oder einem anderen Computerspiel, nur eben die Realität.

Ich spiele am Computer schon lange nicht mehr mit großen Summen. (Eigentlich schon nicht mehr, seitdem ich zweifacher Vater bin. Dafür ist einfach keine Zeit mehr.) Nun muss ich tatsächlich in zweifacher Hinsicht darüber in gewissen Rahmen verfügen. Die Höhe des Gehaltes von 1,5 bayrischen Pfarrerstellen ist durchaus mit dem Jahresbudget des Senior-Flierl-Seminars zu vergleichen.

Noch stehe ich ganz am Anfang und werde es wohl auch bleiben. Ich bin nur Kassenwart auf Zeit, denn unser Vertrag hier endet ja schon in einem Jahr. Ich bin dankbar, dass ich jetzt dem Seminar noch dienen kann, nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch im Büro des Kassenwartes. Hoffentlich kommt es dabei nur zu erfreulichen Überraschungen.

Von Trubel und Hektik zu Langsamkeit und Ruhe

Wir dachten, der normale Alltag hätte sich jetzt nach dem hohen Besuch eingestellt, aber weit gefehlt. Wir haben nun schon drei Tagen überhaupt keinen Strom mehr und vorher immer wieder Unterbrechungen.

Unten in Gagidu stehen vier Dieselgeneratoren, gerade funktioniert keiner! Liegt es an Missmanagement und Korruption? Oder an Unfähigkeit? Lohnt es sich über die Ursache zu spekulieren?

Der Stromausfall beeinträchtigt jedenfalls das Leben ungemein, vor allem für die Studierenden. Wir pumpen üblicherweise Wasser aus einem nahen Bach hoch und versorgen damit alle Dozierenden und Studenten mit Wasser. Jetzt müssen wieder alle Studierenden runter laufen, um unten an dem Bach Wasser zu holen, sich oder ihre Kleidung zu waschen.IMG_20190218_151925

Die Fließgeschwindigkeit eines zweiten Baches in der Nähe des Seminars ist schon so gering, dass das Waschmittel nicht mehr wegspült wird. Darum wurden jetzt beim einzigen intakten Bach Waschzeiten eingerichtet: Bis 15 Uhr die Frauen, ab dann die Männer.

Es gibt zwar auch noch zahlreiche Wassertanks, um Regenwasser aufzufangen, aber es hat dieses Jahr noch fast nicht geregnet. Wir haben bisher hier noch nie eine solche Trockenzeit erlebt! Bisher ist mir höchstens der viele Regen auf den Keks gegangen. Jetzt aber tragen die Felder der Studenten weniger, weil es zu trocken ist. Wahrscheinlich werden wir bald Reis kaufen müssen, um die Mägen der Studenten etwas zu füllen.

Unser Seminarleiter hat verkündigt, dass der Unterricht vorerst ausfällt, damit alle Studenten Zeit haben für die Reparaturarbeiten an den Plumpsklos, um Quellwasser zu holen oder sich an den nahen Bach abzukühlen. IMG_20190218_152509

Abends macht jetzt unser Stationmanager den Stromgenerator für 2-3 Stunden an, denn viele wollen ihre Handys oder Laptops laden.IMG_20190217_195434

Das Ganze mag für deutsche Ohren recht dramatisch klingen, aber die Bewohner des Nachbardorfes sagen nur: Das sei doch alles kein Problem. Sie hätten auch nur Quell- und Flusswasser und die Flüsse führen auch nicht immer gleich viel Wasser.

Wir vier sind zwar vom Wassersystem des Seminars unabhängig, weil wir zwei große Regenwassertanks haben. Durch den fehlenden Regen sind diese aber auch fast leer. Das restliche Wasser kann wiederum ohne Strom nicht ins Haus hochgepumpt werden. Auch unsere Autobatterie, mit der wir in solchen Notfällen die Wasserpumpe betreiben, ist mittlerweile leer. Gestern haben wir unten bei einem der Ärzte geduscht, ansonsten gibt es Eimer und Becher.

Durch Sonne und Trockenzeit, aber vor allem durch fehlenden Strom sind wir immer noch nicht im Alltag angekommen. Meine Vorlesungen werde ich jetzt zusammenkürzen und ich habe Zeit, liegen Gebliebenes aufzuarbeiten, falls einem die 35°C im Haus nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Gerade schreibe ich noch an einem Artikel über die Kirchenpartnerschaft zwischen den Lutherischen Kirchen von PNG und in den Philippinen. Aber das ist ein anderes Thema.

Es grüßt aus dem warmen und ruhigen Finschhafen,

Ihr / Euer Knut Cramer