Orientierung/ Orientesin IV – National Evangelist Training Center Amron

Seit gut einer Woche sind wir am National Evangelist Training Center in Amron bei Madang. Von einem deutschen Kollegen konnten wir vorher einen Toyota Landcruiser erwerben. Das ist für die hiesigen Straßenverhältnisse genau das richtige Auto; kleine Flüße und große Schlaglöcher können wir damit problemlos durchqueren. 

In Amron hospitieren wir vormittags im Unterricht. Eine Stunde habe ich auch schon selber gegeben. Im Ethikunterricht habe ich gefragt, ob die Studenten ein Gemeindeglied mit 3 Frauen ein wichtiges Ehrenamt geben würden. Einige meinten, er müsse sich vorher für eine Frau entscheiden. Ich weiß nicht, was dies für die anderen beiden Frauen bedeuten würde. Poligamie kommt hier häufiger vor, ist allerdings in den Kirchen sehr umstrittenen.

Nachmittags zeigt uns ein Niguini die Gegend und unterhält sich mit uns, damit wir unsere Kultur- und Sprachkenntnisse erweitern. Wir haben auch eine sympatische Frau zur Seite gestellt bekommen, die auf Jaron und Nora aufpasst.

Auch wenn wir uns hier wieder gut eingelebt haben, freuen wir uns jetzt sehr auf Logaweng, unserem endgültigen Einsatzort. Die Vorbereitungszeit war wirklich erstmal lang genug, obwohl wir natürlich nach 2-3 Monaten noch nicht viel von der Kultur hier verstehen.

Noch einige Bildimpressionen:

Anne hat ihre erste Predigt auf Tok Pisin gehalten. Nach dem Gottesdienst habe ich alle beteiligten Frauen fotografiert. Sie haben ein kleines Theaterstück zur geistlichen Waffenrüstung (Eph 6) einzustudiert.

Dieser tolle Strand ist nur wenige Kilometer vom Seminargelände entfernt. Nora freut sich schon, dort morgen wieder zu baden.

Frauen schmücken den Versammlungsraum und tragen damit wesentlich zum Gelingen der Morgenandachten bei.

„Mittendrin und doch am Rand“

So lautet der Titel eines kleinen Buches von Philipp Hauenstein. Der Autor beschreibt darin, die Rolle des Missionars / ökumenischen Mitarbeiters im Ausland. Dieser kann einen prophetisch-charismatischen Blick entwickeln und damit die Partnerkirche bereichern.

Gerade sehe ich mich vor allem als Beobachter. Ich stehe am Rande und erlebe mit, was um mich herum passiert. Manchmal bin ich auch mittendrin. Gestern habe ich meine erste Andacht auf Tok Pisin gehalten. Wohl in erster Linie der Verdienst unseres Sprachlehrers, der mir im Vorfeld geduldig geholfen hat. Da war ich mittendrin und doch nicht, denn es wurde wohl vieles nicht (richtig) verstanden.

Dem dritten Tag in Folge hatten wir heute keinen Strom, so wie die Mehrheit der Menschen um uns herum immer. Die Wasserpumpe ließ sich also auch nicht betreiben. Darum trug ich jeden Liter Wasser in einem Eimer ins Haus. Ich kann jetzt besser nachvollziehen, wie kompliziert es ist, sich und Kinder ohne Dusche gründlich zu waschen. Das ist sehr nötig, denn Nora spielt häufig mit den einheimischen Kindern draußen und ist dementsprechend dreckig. Ein echtes Problem sind Berge von stinkenden Stoffwindeln, die nicht in der Waschmaschine gewaschen werden konnten.

Gerade findet hier im „circet“ (=Kirchenkreis in Norddeutschland, Dekanat in Bayern) eine Pastorenkonferenz statt. Von Sonntag bis Freitag schlafen alle Pfarrer und Evangelisten auf dem Boden und hören sich in dem gleichen Raum auch Vorträge an und feiern dort Gottesdienste. Dr. Jürgen Stadler und seine Frau Dorothee Stadler sprachen über Zauberei und Magie. Das beschäftigt die Menschen hier ungemein. Es gibt im Hochland Papua-Neuguineas keinen natürlichen Tod jung verstorbener Menschen, glauben viele. Immer muss jemand schuld sein und das muss gesühnt sein. Dieses Denken ist mir fremd. Ich stehe am Rand und höre mir die Vorträge, aber vor allem auch die Erzählungen der Pfarrer hier an.

Anne ist mittendrin als nach einem Vortrag ein imposantes Lied gesungen wird, in dem man sich zum Schöpfer der Erde, dem Vater Jesu Christi bekennt. Danach fassen sich alle an den Händen, sprechen das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis.

Wir treten als Pfarrersehepaar auf: Immer schön im Wechsel, kümmert sich einer gerade um Kinder und Haushalt und der andere nimmt an der Konferenz teil. Was unsere Kollegen hier darüber denken, wissen wir nicht genau. Anne erfährt jedoch viel Wertschätzung und hat selbst auch, wiederum mit Hilfe des Sprachlehrers, einen Gottesdienst halten können. Das ist bemerkenswert, weil es hier keine Frauenordination gibt.

Vieles ist uns fremd (z. B. das magische Weltbild), einiges ist schwierig (die Folgen eines längeren Stromausfalls), anderes wie die Natur und die Herzlichkeit und Kinderfreundlichkeit der Menschen ist wunderschön. Dass wir einen charismatisch-prophetischen Blick entwickeln werden, hoffe ich. Ich weiß es aber nicht. Dann ist das viele Geld, die viele Energie und die Zeit, die in uns investiert wurde, sinnvoll angelegt. Gerne möchte ich mit den Menschen hier über ihre Kultur, unseren Glauben an den allmächtigen Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Welt und vieles mehr nachdenken. Darauf freue ich mich, auch weil die kulturellen Unterschiede und der Lebensstand zwischen Deutschland und Papua-Neuguinea gewaltig sind. Manchmal werden wir gefragt, ob wir schon hier angekommen sind… Bis wir diese Frage mit einem ganz klaren „Ja“ beantworten können, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen…

Von Feierlichkeiten und Alltag

Ein echtes Erlebnis war unser erstes “Mumu“, an dem wir zum Abschied eines Miterarbeiters aus dem “Sirket“ teilnehmen konnten. Dafür wird ein Schwein in einem aus Naturmaterialien erbauten Riesendampfkochtopf zubereitet und gemeinschaftlich verzehrt. Das alles mitzubekommen, war echt spannend, das Essen selbst (zumindest für Anne) doch eine Herausforderung. Mit dem Verweis auf unsere noch etwas schwachen Mägen mussten wir die Teller aber auch nicht ganz leer machen.

Gestern wurde ein weiteres Schwein geschlachtet. Der Bischof der ELC-PNG war zum ersten Spartenstich gekommen, denn eine neue Kirche soll gebaut werden. Ich erlebte Freudentänze, Reden und einen Gottesdienst sowie gutes Essen.

Eigentlich gehören die Maskenträger in das traditionelle, “vor-christliche“ PNG. Sie hängen eng mit dem Geisterglauben zusammen. Wir wollen noch genauer erfragen und beobachten, welche Rolle sie bei einer Segnungsfeier spielen. Wer nimmt hier was wahr?

Die Feierlichkeit, Planungstreffen und auch Einkäufe in Goroka durchbrechen den Alltag häufig, sodass wenig Zeit ist, in Ruhe die Sprache zu lernen. Dazu kommt, dass Jaron und Nora zu Recht Aufmerksamkeit verlangen. Nora erlebt viel, sie vermisst aber Spielkameraden, die ihre Sprache sprechen. Sie fragte, ob wir Oma und Opa besuchen können. Das Leben klappt trotz gelegentlicher Stromausfälle und fehlender Brücken (siehe Bild unten) auch Dank der Hilfe anderer deutscher Mitarbeiter ganz gut, aber anstrengend ist es auch ein wenig.

Orientierung/ Orientesin III – Reisezeit

27. Januar
Mit dem Speedboot nach Lae fahren, bedeutet gute 3 Stunden der prallen Sonne ausgesetzt zu sein. Ich war überrascht, dass unsere Kinder sogar bei lautem Motorenlärm gut schlafen können.

27. Januar bis 01. Februar
Wir haben viele Gespräche, insbesondere über den anstehenden Autokauf, geführt. Der Dienstwagen wird teilweise von den Partnerkirchen der luth. Kirche hier mitfinanziert. Wir hatten aber auch Zeit im einzigen Shopping-Center in Lae einzukaufen. Es wurde vor Kurzem neu eröffnet.

Als wir in Lae verweilten, waren noch viele weitere deutsche Mitarbeiter dort. Wir haben uns sehr gefreut, sie kennen zulernen oder wieder zutreffen.

01. Februar
Mit anderen deutschen Mitarbeitern fahren wir nach Goroka. Sie bieten Workshops zu Fragen der Zauberei und des Geisterglaubens an.

Trotz vieler Schlaglöcher, Stau wegen eines umgekippten LKWs und Pausen um die Landschaft zu genießen war noch viel Zeit fürs Gespräch, auch weil die erste Nacht im Hochland noch bei ihnen schlafen konnten.

02. Februar
Wir sind nach Asaroka gebracht worden. Hier werden wir einige Wochen verbringen. 4 Stunden Sprachunterricht stehen täglich auf dem Programm. Es gibt aber noch viel mehr zu erleben, denn es gibt hier einen Konferenzraum des Dekanats, so lernen wir viel über die Arbeit der Kirche vor Ort kennen. Erste Kontakte mit den Kinder hier sind geknüpft.

Orientierung / Orientesin II

So viel Platz hatten wir noch nie. Wir haben unser Haus auf dem Seminargelände vorerst bezogen und lernen jetzt die Menschen hier kennen.

Ich war schon ca. 3 Wochen hier,  aber für Anne, Nora und Jaron ist alles neu.

Gestern ist ein philippinischer Kollege zu Besuch gekommen. Zusammen machen wir das Seminar international. Interkulturell ist es sowie schon. Anne wurde von einer Hochländerin zur Begrüßung an die Wade gefasst. Hier in der Küstenregion begrüßen sich die Menschen eher mit freundlichen Worten oder einem Hände Schütteln. Christen aus allen Landesteilen kommen am Senior-Flierl-Seminary zusammen. Wir werden sehr freundlich aufgenommen. Begrüßt wurden wir mit Gebet, Liedern und Blumenschmuck.

Mit allen unseren Fragen und Sorgen will man uns zur Seite stehen. Gerne wird uns erklärt, wie man Kochbananen zubereitet oder wann welche Frucht reif ist. 

Trotz der großen Freundlichkeit ist es auch eine Herausforderung sich auf die Menschen einzulassen, die wirklich ein ganz anderes Leben führen als wir. Nora reagiert auf die Anrede “Baby“ stets mit den Worten “Ich bin kein Baby mehr. Ich heiße Nora.“

Jaron ist der absolute Star, lächelt alle an und fühlt sich in seiner Rolle wohl.

Auch zum Baden hatten wir schon Gelegenheit. Diese Erfrischung hat wirklich gut getan. Wir grüßen herzlich aus dem tropischen Finschhafen ins bitter kalte Deutschland und in die Welt und melden uns nächste Woche von der nächsten Orientierungsstation, solllte es auch dort mit dem Internet so gut klappen.

Impressionen aus Ampo


Sonnenschirm und Mütze als Schutz für Jaron

Der Garten eines anderes Mitarbeiterehepaars

In der hinteren Haushälfte wohnen wir gerade, dankenswerter von einem FSJler zur Verfügung gestellt.

Nora hat ein Blumenbild erstellt.

Orientierung / Orientesin I

 

Wir sind gut in Papua Neuguinea angekommen. Andere Mitarbeiter kümmern sich rührend um uns.

Bevor ich ab dem 17. April unterrichten werden, durchlaufen wir erstmal eine Zeit der Orientierung, um die Kultur(en) und Tok Pisin weiter kennen zulernen.

Gerade sind wir in Lae, der zweitgrößten Stadt des Landes, in der auch die Ev. Luth. Kirche ihren Sitz hat. Hier steht folgendes auf dem Programm: Kontakte knüpfen, ein Bankkonto eröffnen, ein (Dienst-)Auto kaufen, unsere Führerscheine ummelden, für die nächste Station einkaufen, eine neue Handy-Karten erwerben, erste Schritte in einer neuen Kultur und in dem tropischen Klima gehen und Erdbeben überleben.

Letztes war natürlich kein Programmpunkt, aber es zeigt, dass die Welt hier so ganz anders ist als „zu Hause“. Hier bebt es immer wieder mal, meistens ist das Epizentrum weit entfernt, sodass wenig passiert. Trotzdem ist es eigenartig, wenn du nachts aufwachst und der Boden oder die Wände sich etwas bewegen.

Kulturelle Differenzen habe ich heute schon stark wahrgenommen. So spielt hier z. B. (lineare) Zeit eine geringere Rolle. Ich musste gestern bei der Bank lange anstehen und habe nur ein Formular bekommen. Damit sollte ich am nächsten Tag wieder kommen. Ich stand heute wieder an. Der freundliche Bankkaufmann füllte mit mir eine Seite neu aus: Eine Wohnadresse ohne  Straße und Stadtteil, das passte ihm nicht. Jetzt wohne ich halt für die Bank im Ortsteil „Ampo“ in Lae, dem Sitz der Kirche. Auch okay. Nach dem erneuten Ausfüllen musste noch ganz viel von ihm am Computer erledigt werden, eine Unterschrift vom „Supervisor“ geholt werden und ein weiterer Antrag fürs Homebanking ausgefüllt werden. Gefühlt war er bestimmt 1 Stunde mit mir beschäftigt. Tatsächlich sollte ich ab morgen mein Konto online einsehen können. Der einzige schriftliche Beleg darüber ist allerdings ein Papierfetzen von ca. 5 * 8 cm: Bürokratie sind anders aus.

PS. Um Fotos kümmern wir uns ein anderes Mal. Es ist hier 22 Uhr. Ich will ins Bett um 6 geht die Sonne auf und der Tag beginnt. Außerdem ist Jaron noch wach. Er ist wohl noch nicht in der neuen Zeitzone angekommen.