Meri-Tisa, Tisa-Meri oder einfach Mama?

Wie bereits angekündigt, möchte ich (Anne) heute einmal den Alltag hier aus meiner Sicht schildern und betätige mich damit erstmals aktiv als Bloggerin…

Ich sitze im (heute einmal ziemlich passabel) aufgeräumten Wohnzimmer, die Kinder schlafen, der Abwasch ist erledigt, der Wasserfilter aufgefüllt, es läuft leise Musik. Alleine dieser Umstand macht mir deutlich, dass wir hier inzwischen wirklich angekommen sind.

In den ersten Wochen hier im Land hatte ich wahrlich keinen Sinn dafür, abends gemütlich am Computer zu sitzen und Blogartikel zu schreiben. Gründe dafür: Die Eindrücke und Erlebnisse waren doch massiv und gar nicht so einfach in Worte zu fassen. Auch die Umstellung für uns als Familie war zu bewältigen. Das permanente „Umziehen“, die neue Umgebung für die Kinder und ein Baby, das sowieso nicht gerade den Titel eines guten Schläfers verdient, haben ihr Übriges dazu getan, dass ich abends ziemlich platt war.

Nun ist er also eingekehrt, der Alltag, und damit auch ein bisschen mehr Ruhe und Kreativität. Ich genieße es, dass die Dinge, die uns umgeben, nun einen festen Platz haben. Wir schlafen in „unserem Bett“, haben „unsere Küche“, „unseren Garten“. Und auch die Kinder sind, glaube ich, glücklich, dass der Tag nun eine feste Struktur hat. Wie sieht er nun aus, der Alltag?

Morgen geht Knut um 7h aus dem Haus, um zu unterrichten, ich frühstücke dann mit den Kindern etwas später und kämpfe dann (ganz egal ob ich früher oder später aufstehe) gegen die Uhr um die Kinder und mich bis 7.45h soweit fertig zu haben, dass wir in den täglichen Morgengottesdienst gehen können. Um diese Zeit kommt auch unsere „Hausmeri“. Nach dem Lotu (Gottesdienst) bringe ich Nora in den Kindergarten, der im Wechsel von einem Teil der Mütter hier gestaltet wird, während die anderen Mütter 1 ½ Stunden selbst Unterricht haben. Nora geht da sehr gerne hin. Das freut mich, da der Kindergarten nicht mit einer deutschen Einrichtung vergleichbar ist. Die Zahl der Kinder ist größer, der Umgang etwas rauer und die Spielsachen sehr überschaubar. Nora genießt aber das Singen, überhaupt mit anderen Kindern zusammen zu sein und, ich denke, auch den gewissen Sonderstatus, den sie dort automatisch hat. Wenn ich Glück habe, schläft Jaron vormittags noch einmal. Wäsche machen, kochen, das Haus (das ja deutlich größer ist als unsere bisherigen Wohnungen) in Ordnung halten und überhaupt einmal für uns einrichten, benötigen alles seine Zeit und ist auch ein bisschen zeitintensiver als in Deutschland. Ein paar Beispiele: Eines Tages stelle ich fest, dass alle Schuhe, die aus Leder sind, total schimmeln… also alles sauber machen, in die Sonne stellen, trocken lagern…Die Stoffwindeln sind so eine Sache für sich, wenn dann aber die Solaranlage an trüben Tagen einfach nur lauwarmes Wasser produziert, heißt es eben Wasser kochen und in die Toploader-Waschmaschine füllen. Brot kann man nicht kaufen, muss man also backen, Tiefkühlspinat gibt es ebenfalls nicht, von einer Geschirrspülmaschine ganz zu schweigen. Es ist nicht so, dass mir diese Dinge wahnsinnig fehlen, aber sie verändern den Alltag einfach.

Brot backen

Es macht mir Spaß, die lokale Küche hier kennen zu lernen und mit den neuen Zutaten zu experimentieren. Ich bin auch froh überhaupt wieder Zeit zu haben, „ordentlich“ zu kochen, und nicht wie im Vikariat häufig einfach irgendwelche halbfertigen Produkte aus dem Supermarkt zusammen zu schütten und daraus in 15 Minuten irgendetwas Essbares zu produzieren. Total lecker finde ich z.B. Reis mit Kokusmilch (selbst aus geraspelter Kokusnuss gepresst) und pürierter Mango oder Papaya.

Nachmittags spiele ich mit den Kindern, bastele mit Nora, backe Kuchen für Besucher oder unsere Waspapagroup oder widme mich der Verhübschung unseres Blumengartens. Bald kommt hoffentlich noch ein Gemüsegarten hinzu, der gerade aber noch im Entstehen ist.

Ich bemühe mich auch sehr den Kontakt zu den anderen Frauen und Kindern hier zu suchen und zu pflegen. Der Morgengottesdienst ist ja so etwas wie ein morgendlicher Treffpunkt. Inzwischen kann ich ganz gut Kinder und Mütter zusammen ordnen, kenne auch schon viele Namen und lerne die Frauen immer besser kennen.

Und doch ist es nicht so einfach wirklich dazu zu gehören. Nicht nur unsere exponierte Wohnsituation am anderen Ende des Campus macht es gar nicht so leicht, sich wirklich zu treffen. Auch meine Rolle als Weiße und wohl auch als Pfarrerin, als Lehrer-Frau und als weibliche Lehrerin machen es in einer sehr durch Hierarchien geprägten Gesellschaft nicht leichter sich auf Augenhöhe zu begegnen.

Nora spieltAm ehesten treffe ich die Frauen als „Mama bilong Nora na Jaron“. Und in dieser Rolle fühle ich mich gerade auch am wohlsten. Ich genieße es wirklich einfach Mutter zu sein und noch keinen Lehrauftrag erfüllen zu müssen. Ich habe Zeit nachmittags mit den Kindern einfach mal zu den Studentenhäusern herunter zu schlendern und das eine oder andere Gespräch auf dem Weg zu führen. Ich nehme an den Meri-Fellowship-Abenden einmal die Woche Teil und ich bleibe auch mal ein bisschen länger beim Kindergarten und kann inzwischen schon ganz gut mitsingen…

Gerade bin ich ganz froh, dass der Alltag etwas ruhiger wird. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es einem hier auch manchmal etwas zu ruhig werden kann. Vielleicht bekomme ich dann auch Lust darauf, wieder zu unterrichten…

Motivierte Studenten, lebensrelevante Theologie, „Games of Thron“ und Family-Time. Mein Alltag.

Wir wurden gefragt, einmal einen ganz „normalen“ Tag zu schildern. Heute schreibe ich aus meiner Perspektive, demnächst wird Anne ihren Tag schildern.
Morgens, 6 Uhr: Der Wecker klingelt. Anne und die Kinder schlafen oder schlummern noch ein bisschen. Ich stehe auf und mache mich fertig. Alleine lese ich die Losungen und what’s up Nachrichten aus Deutschland oder auch in der Tagesschau-App. Ich genieße die Ruhe und nehme den Sonnenaufgang wahr.
7 Uhr: Der Unterricht beginnt. Die Studenten beginnen mit einem Gebet. Dann betrete ich den Unterrichtsraum. Diese Woche ist es häufig im Unterricht spannend geworden. Es ging um den Tod. Wer stirbt eigentlich, wer steht wieder auf und wer lebt weiter. Häufig wird der Menschen in Körper, Geist und Seele unterteilt. Ich habe versucht, verständlich zu machen, dass die Bibel [bzw. große Traditionsströme in ihr] ein anderen, beziehungsorientierten und ganzheitlichen Blick auf den Menschen hat. Vor allem der Menschen in seiner Beziehung zu Gott wird ewig leben.
Spannend war es auch als in neutestamentlicher Theologie um die Tauffrage ging. Warum taufen wir Lutheraner anders als viele andere Kirchen hier Kinder? Gibt es eine zweite Taufe mit dem Heiligen Geist? In der Bibel gibt es einerseits die Taufe von Johannes dem Täufer und anderseits die der christlichen Gemeinde, darum sei es legitim neben der Kindertaufe eine zweite (Geist-)Taufe einzuführen, wurde eingeworfen.
Ich erteile bis 12 Uhr täglich 1 bis 3 Stunden Unterricht, wöchentlich insgesamt 11 Stunden (3 Kurse zum Neuen Testament und einen Kurs innerhalb der Dogmatik über die Eschatologie, die Lehre der letzten Dinge). Zwischendurch ist um 7.50 Uhr morgen Andacht in der Kirche und um 10 Uhr Lehrertreffen. Dort wird in einer halben Stunde alles ganz Wichtige besprochen. Es geht um Autoreparaturen, Vikarsausbildung, Gottesdienstpläne oder die Kirchenleitung im fernen Lae. Freistunden nutze ich, um zu Hause kurz einen Kaffee zu trinken oder letzte Vorbereitungen zu treffen.
Von 12 bis 14 Uhr ist Familienzeit: Mittagessen und Zeit, um mit Nora und Jaron zu spielen.
Manchmal wird diese Zeit oder der Nachmittag von einem Studenten unterbrochen. Da ist dann noch eine theologische Frage zu klären, es wird ein Predigtentwurf abgegeben oder abgeklärt, welche Gartenarbeit am Wochenende zu erledigen ist. Einige Studenten helfen uns (gegen Bezahlung) draußen. Langsam soll aus „Busch“ ein echter Gemüsegarten werden. Wo andere Maschinen zur Hilfe nehmen, ist hier Handarbeit angesagt. Unsere motivierten Studenten können auch wirklich zupacken.


Von 14-17 Uhr sitze ich im Büro und bereite meinen Unterricht für den nächsten Tag vor oder korrigiere Essays oder Tests. Die Kultur beruht auf synthetisches Denken, habe ich vor der Ausreise gelesen. Ja, Widersprüche werden selten benannt. Vieles wird zusammen gedacht, besonders unterschiedliche Positionen innerhalb der Bibel werden nicht als solche wahrgenommen. Ich habe das Gefühl, meine Studenten lieben Einheitlichkeit und klare Positionen. Die westeuropäische Diskussion um eine postmoderne Meinungsvielfalt passt nicht hier her.
Von 17-19 Uhr ist dann wieder familiy-time: Noch ein bisschen Spielzeit und dann Abendessen, Waschen, Zähnebutzen, Geschichte vorlesen, der Mond ist aufgegangen vorsingen und Beten… Vieles ist bei uns zu einem gewissen Ritual geworden.
Abends steht manchmal noch ein (Gebets-)Gottesdienst an oder Sprachunterricht oder nochmal Büroarbeit oder einfach wirklich Freizeit. Ich habe mir vorgenommen in meiner PNG-Zeit mich weiter in Interkulturelle Theologie hineinzudenken, die Werke Jürgen Moltmanns durchzuarbeiten und alle Staffeln „Game of Throns“ anzuschauen.
Euer/Ihr Knut Cramer

Vulkane, Thermometerhühner und Männergemeinschaft

Alle “Missionare“ der ELC-PNG, egal o Finanzberater, Computerexperte oder Pfarrer fahren jährlich zweimal auf eine Rüst- oder Freizeit. Weg von der Arbeit, hin zu Erholung, Reflexion und Abenteuer. Die Frauen haben sich schon bei Madang getroffen, gerade sind nur wir Männer in und um Rabaul unterwegs, anschließend beide zusammen.

Fellows in Fellowship wurde als Thema bestimmt. Gemeinsam haben wir einen noch leicht aktiven Vulkan erklummen. Wir trotzten der Hitze, rochen den Schweffel und traten auf wackelnde Steine und Felsen.

Beim Vulkan leben Thermometerhühner. Die legen ihre Eier in heißen Sand und der brühtet für sie ihre Eier aus. Dabei muss die Temperatur immer wieder durch die Sandmenge angeglichen werden, damit später auch kleine Kücken rauskommen. Die meisten Eier werden allerdings aus den Bodennestern gesammelt, um sie dann auf den Markt zu verkaufen.

Ob unsere Gruppe durch große Hühner und Vulkane weiter zusammenkommt? Es ist zu beobachten, dass auch unter uns Grenzen bestehen, die mit der Herkunft zusammenhängen. Wahrnehmung, Muttersprache, Verhaltens- und Glaubensweise und auch die Bezahlung zwischen einem Freiwilligen, einem philippinischen Pfarrer oder mir sind unterschiedlich. Diese Unterschiede blreeiben trotz spannender Aktivitäten. 

Zur Koinonia im Neuen Testament gehört das Teilen. Ich frage mich immer wieder, wie ich das gut im Alltag praktizieren kann. Es reicht wohl nicht aus Zeit und Wissen zu teilen?

Wahlen, Waspapa-Group und wachsende Beziehungen

Nicht nur in Deutschland stehen dieses Jahr Wahlen an. Hier wird Wahlkampf mit Tänzen und Gesängen gemacht. 

Volksguppen feiern ihren Kandidaten und der verteilt Geschenke. Der Beschenkte soll wiederum dafür sorgen, dass der Kandidat viele Stimmen bekommt. Irgendwie scheinen die noch bestehenden Clanstrukturen und das individuelle Wahlrecht nicht ganz zusammen zupassen.

Wir hatten Zeit uns verschiedene Tanzgruppen anzusehen, weil die Vorlesungen verspätet beginnen. Im Zusammenhang mit dem neuen Lehrplan besteht noch Klärungsbedarf. Ständig sind Kollegen in Lae, um mit den Verantwortlichen zu sprechen. Es ist auch die Frage, ob unseren inländischen Kollegen nicht eine bessere Bezahlung zustehen müsste. Statt einer angemessenen Bezahlung, erhalten sie einen Garten, um sich selbst zu versorgen. Allerdings ist es unmöglich, gleichzeitig Süßkartoffeln, Mais oder Pitpit anzubauen und den Unterricht gut vorzubereiten. Ich kann das Klagen über die schlechte Bezahlung voll nachvollzoieiehen. Ca. 200Euro monatlich (!), wenn auch plus Garten und Haus, inkl. Strom und Wasser, sind einfach ein Witz. Besonders wenn bedacht wird, dass die Lebensmittel etwa deutsche Preise haben.

Morgen startet nun tatsächlich der Unterrichtet. Trotzdem war genug zu tun. Jeder Dozent leitet hier z. B. auch eine Art Hauskreis, die Waspapa-Group. Dienstag kamen 11 Erwachsene und 4 Kinder zu uns. Wir haben einen Gebetsgottesdienst gefeiert und zusammen gegessen. Dafür einzukaufen und kochen nimmt auch einen Tag in Anspruch.

Ansonsten hatten wir Zeit für “Haus und Hof“. Mit Hilfe der Hausmeri und des Hauskreises sind unsere Fliegengitter vor allen Fenstern wieder gewaschen und ein erstes Beet angelegt worden.

Dadurch, dass Studenten und Kollegen immer wieder vorbeikommen, haben wir nicht wenige Kontakte. Wir laden nach und nach alle Kollegen zum Kaffee ein.

Nora lernt so immer mehr Pidgin, ohh Ton: “Mi les long wokabout.“ (dt. Ich habe keine Lust mehr zu laufen. Oder: Ich bin zu faul zum Laufen.) Trotzdem fehlt manchmal für sie eine weitere Bezugspersonen wie Oma, Opa, Pate etc. zu Hause.
Insgesamt kommen wir immer besser in die (Seminar-)Kultur hinein, freuen uns an wachsenden Beziehungen und an unserem Grundstück und unser Haus und ich habe es auch genossen, dass ich meinen Unterricht mit mehr Ruhe vorbereiteten konnte. Dumm nur, dass wir Dienstag schon wieder nach Lae aufbrechen. Alle männlichen Mitarbeiter der Partenkirchen der Luth. Kirche hier fliegen von dort gemeinsam auf eine Freizeit. Davon mehr im nächsten Eintrag.

Ista Brek – Osterferien

Falsch gedacht, in einer Woche ohne Morgenandachten und Lehrertreffen müsste ich doch viel vorbereiten können. Gründonnerstag bis Ostermontag wurde hier allerdings ein straffes Programm geboten: Gottesdienste, Bibelarbeiten, Sportprogramm, Festessen… 

Ostersonntag begann der Frühgottesdienst schon um 4Uhr. Da man vor unserem Haus eine wunderschöne Aussicht aufs Meer hat, wurde dort gefeiert.

Selbstverständlich gehörte ein kleines Theaterstück zum Gottesdienst. Engel verkündeten den Frauen: Der Herr ist auferstanden. Mich hat allerdings am meisten beeindruckt, dass nach dem Gottesdienst im Halbdunkeln weiter gesungen und getanzt wurde, unsere Kollegen mit vollem Engagement dabei. Erst währenddessen wurde es schnell hell.
Ostermontag wurden wir, der neue Stationmanager, Anne und ich, offiziell in unser Amt eingeführt.

Nach dem feierlichen Gottesdienst gab es ein reichhaltiges Mittagessen. Alle Lehrer hatten dazu beigetragen und der Landwirt des Seminars hat ein Huhn geschlachtet.

Gesegnet und gut vorbereitet beginnt nun der eigentliche Dienst.

ankommen

10 Tage später als ursprünglich mal gedacht ist unser Überseegepäck und unser Auto angekommen. Meine Geduld wurde sehr herausgefordert. Dann fuhr der Wagen nicht mehr. Er wurde vom Schiff heruntergeschoben… Gott sei Dank gibt es hier einen talentierten Stationmanager, sodass der Wagen einige Tage später als das Gepäck den Berg zun Seminar hochkam. Meine Erleichterung und Freude waren spürbar.

Anne ist nun fleißig dabei, weiter auszupacken und einzuräumen. Ich bereite meinen Unterricht vor. Besonders die Offenbarung des Johannes stellt mich vor Herausforderungen. Im Land gibt es evangelikale Straßenprediger, die Endzeitfahrpläne genau kennen und luth. Christen, die sich noch vorm Jüngsten Gericht fürchten. Mächte und Gewalten gehören zum Alltag vieler. Lokale Christenverfolgungen unter Kaiser Domitian um 95 spielen dagegen für die Auslegung dieses Buches hier nur eine geringe Rolle.

Neben der Arbeit steht vor allem Beziehungsaufbau im Vordergrund.

Wir haben Noras Geburtstag mit ihrer Kindergartengruppe bei uns im Garten gefeiert. Das ist hier nicht üblich, weil viele nicht wissen, wann sie geboren wurden. Wir sind mitten bei den Vorbereitung der Ostergottesdienste dabei. Die beginnen morgen früh um 3Uhr vor unserem Haus. Dort hat man einen wunderbaren Blick aufs Meer.

Anne hat schon mit vielen anderen Frauen hier Feuerholz und Seife im Krankenhaus, 5km entfernt, verteilt und ich sitze täglich mit im 30minütigen Lehrertreffen. Das klappt alles, weil wir eine begabte Hausmeri gefunden haben. Sie passt vormittags auf Nora und Jaron auf oder hilft im Haushalt oder bei der Gartenarbeit. 

Dadurch spricht auch Nora jetzt schon etwas Tok Pisin.

Wir kommen also auch innerlich weiter an.

angekommen

In den letzten 2 Wochen ist viel passiert.

Anne konnte mit Nora und Jaron und dem Leiter des Referats „Pazifik, Papua-Neuguinea und Ostasien“ von Mission EineWelt auf der Insel Karkar ein Doktorenehehepaar besuchen. Wir waren mit ihnen in Deutschland im Sprachkurs und sind fast gleichzeitig in diesem Land angekommen. Von Karkar ist Anne mit dem Referatsleiter und den Kindern in einer 6-Sitzer-Maschine nach Finschhafen geflogen. Es war ein beeindruckender Flug mit tollen Aussichten aufs Land.

Eine Führung in dem dortigen Krankenhaus auf Karkar war sehr beeindruckend und erschreckend zugleich. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Ausstattung und Medikamenten. Dennoch operiert der Arzt in einem OP-Saal ohne fließendes Wasser und rettet damit nicht selten sogar Leben. Das Versagen der politischen Führung dieses Landes führt z. B. dazu, dass für einige Zeit in fast allen Krankenhäusern des Landes keine Malariamedikamente vorhanden waren.

Ich bin mit einem anderen Missionar von Mission EineWelt mit dem Auto von Amron nach Lae gefahren. Dort habe ich letzte Vorbereitungen für unsere endgültige Ankunft in Finschhafen getroffen: Ich habe Lebensmittel für 6 Wochen eingekauft, meine Bankkarte abgeholt, Gespräche in der Zentrale der Kirche geführt und Diesel gekauft. Insgesamt habe ich 800 Liter in 4 Fässern fürs Seminar und für uns erworben. Es gibt hier in der Region nämlich keine Tankstelle. Ferner habe ich mich darum gekümmert, dass unser Überseegepäck, unser Auto und der Diesel hierher verschifft werden.

Die Kultur Papua Neuguineas ist nicht von Hektik geprägt. Das Motto hier ist eher „isi-isi“ (Englisch: easy-easy). Dadurch dauert alles etwas länger. Leute kommen etwas später zur Arbeit. Auf der Bank musste ich 3 Stunden warten, um bedient zu werden. Das Schiffsunternehmen hat mir zuerst gesagt, unsere Sachen würden letzten Samstag kommen, dann hieß es Mittwoch. Heute am Mittwoch sagte man mir, man wüsste nicht, wann das Schiff abfahren würde. Es gibt keinen genauen Fahrplan. Wichtig ist, dass genug Fracht geladen ist. Das Problem ist, ich habe Lebensmittel in meinem Auto, die langsam verderben werden. Da hatte ich die Kultur wohl noch nicht verinnerlicht.

Außerdem möchte Anne endlich auspacken. Nora vermisst besondere Spielsachen und ich würde mich sehr freuen, endlich meine Bücher benutzen zu können. Einerseits freuen wir uns total, hoffentlich bald alles beieinander zu haben, anderseits erschrecken wir darüber, wie viel Fracht hierher kommen wird.

Noch ein Wort zum Autofahrten: Es ist in diesem Land immer wieder ein kleines Abenteuer. Auf dem Highway laufen Schweine, am Rand werden Obst und Gemüse verkauft und nach Schulschluss sind viele Schüler unterwegs. Schlaglöcher und Flüsse, die über die Straße fließen, sind ebenfalls die Normalität. Bei der Fahrt nach Amron musste ich mal 3 Stunden warten, weil es einen Erdrutsch gegeben hatte und 2 riesengroße Trucks sich im Schlamm gegenüberstanden. Trotzdem macht es mir viel Spaß mit dem großen Auto unterwegs zu sein und Hindernisse zu überwinden.

Von Lae bin ich allerdings wieder mit dem „Dinghi-Boat“ hierher nach Finschhafen gefahren. Eine Straße hierher gibt es schließlich nicht.

Nach Ostern beginnt hier der Zweite von 4 Terms. Dann werde ich meinen ersten Unterricht geben. Momentan nutze ich die Zeit, um wieder bei den anderen Lehrern zu hospitieren und mich mit dem Kollegium und den Abläufen hier vertrauter zu machen. Außerdem will ich jetzt die drei Kurse vorbereiten, die ich auf jeden Fall halten soll: Theologie des Neuen Testaments, Johannesevangelium und Eschatologie. Damit bin ich sehr zufrieden.

Anne erprobt ihre neue Rolle zu Hause mit den Kindern. Das ist momentan auch ein echter Vollzeitjob, weil Jaron gerade etwas kränkelt und auch Nora hier erstmal richtig ankommen muss. Es ist uns ein echtes (Gebets-)Anliegen, dass sie hier Anschluss an andere Kinder findet. Nicht nur für uns, sondern auch für sie ist es eine völlig andere Kultur. (Ohh-Ton Nora: „Dunkle Mamas klatschen ihre Kinder, aber ihr dürft das nicht.“) Es wird wohl in erster Line Aufgabe von Anne sein, Kontakte zu den Müttern zu suchen und Spielkameraden für Nora zu finden.

Besucher hatten wir schon mehr als genug: Ein ganzer Bienenschwarm versuchte mit Macht unter unserem Küchenfenster eine neue Bleibe zu finden. Da waren uns unsere Überseekollegen deutlich lieber, die gleich am zweiten Abend nach unser Ankunft zu einem gemeinsamen Essen zu uns kamen.