Hochzeit, Reformation, Jahresabschluss und doch nicht nur Feierstimmung

Neonröhren leuchten, denn Mitten am Tag ist es dunkel geworden. Im lauten Regen schreiben 11 Studenten gerade einen Test über Pastoraltheologie. Ich habe mit ihnen überlegt, was das Priestertum aller Gläubigen für die Arbeit des Pfarrers bedeutet. Hier ähnelt die Rolle des lutherischen Pfarrers doch häufig der eines katholischen Priesters. Hauptaufgabe sind die Verwaltung der Sakramente. Die Folge: Spannende Diskussionen.

Es ist der letzte Test, den ich dieses Jahr schreiben lasse. Auch daran merke ich, das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Viele Noten stehen fest. Diese Woche hat unser Abschlussjahrgang auch seine letzten Prüfungen abgelegt. Ich muss noch 10 Arbeiten korrigieren.  In der Aufgabenstellung heißt es, ein Pfarrer soll eine Fortbildung zu den lutherischen „Säulen“ „sola gratia, sola scriptura, sola fide, solus Christus“ halten. Dazu mussten die Studenten ein Konzeptpapier und eine inhaltliche Auslegung konzipieren. Mir wird bewusst, ich arbeite in einer konfessionellen Einrichtung mit.

IMG_20181028_152941Auch außerhalb der Klassenräume neigt sich das Jahr zu Ende. Mit Buschmessern und Äxten wird gerade über mehrere Wochen ein Stück Regenwald gerodet, um den Garten fürs nächste Jahr anzulegen. Das ist wirklich harte Arbeit! Diese Art Landwirtschaft wird aber nicht den Lebensraum dieses Gesellen vernichten.

IMG_20181108_140053Das Baumkänguru Findus wird nämlich von Milo, unserem Volunteer, als Haustier gehalten. Er trägt ihn immer mit sicher herum und Nora und Jaron spielen lieber mit dem putzigen Gesellen als mit meinen Hühnern.

Einen Garten dieser Größe anzulegen, ist alleine unmöglich. Alle Studenten helfen mit, damit auch nächstes Jahr alle satt werden. Trotz dieses Teamgeistes gab es auch dieses Jahr wieder eine bedrohliche Auseinandersetzung zwischen zwei Studenten. Ein Student muss nun nächstes Jahr ein Jahr pausieren. Unser kleiner Laden auf dem Campus wurde mit roter Bettelnussspucke bespuckt und war vorrüber­gehend geschlossen. Fast 200 Männer und Frauen leben auf recht engem Raum zusammen. Da bleiben Frustrationen und Enttäuschungen nicht aus. Das verstehe ich gut. In der Aufarbeitung gibt es allerdings kulturelle Unterschiede.

Es gibt aber auch viel Erfreuliches zu berichten: Am 20. Oktober haben sich Thorsten und Bernadette das „Ja“-Wort gegeben. Im Vorfeld haben alle kräftig mit angefasst: Feuerholz holen, Süßkartoffeln ernten, Schwein schlachten, Pizza backen, Schimmel von Wänden entfernen…. Dann gab es Gottesdienst, Kuchen essen im Garten, Festmahl im Versammlungshaus und abends ein gemütliches Beisammensein. Philippinos, Niuginis, Deutsche und ein Österreicher saßen zusammen und haben sich gut unterhalten. Für Nora war es etwas ganz Besonderes, dass sie Blumen streuen durfte.

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Auch die Feierlichkeiten zum 501. Reformationsjubiläum haben Spaß gemacht. Diesmal waren fast alle unserer Kollegen irgendwo unterwegs . Anne und ich gestalteten dafür hier das Programm: Ich habe am 28.10. das Leben Luthers und Bartimäus (Mk 10) verglichen: Beide suchen einen gnädigen Gott, beide blicken wieder durch und beide werden zu Nachfolgern Christi. Anne predigte am 31.10. zu Luthers Gedanken zum christlichen Leben: „oratio, meditatio et tentatio“ und abends zeigte ich Bilder zu den Wirkungsstätten des Reformators.

IMG_20181030_082821Ich finde an dem Tag war der Altarraum besonders feierlich geschmückt.

Vorgestern gab es auch schon das erste Abschlussfest dieses Seminarjahres. Die Frauen-Fellowship hat den Anfang gemacht und auch die Ehemänner durften kommen. Es wurde natürlich zuerst Gottesdienst gefeiert und dann wieder fast hochzeitlich aufgetischt: Taro, Süßkartoffeln, Blattgemüse, Würstchen und frischen Fisch unter sternenklarem Himmel und leuchten Neonröhren.

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Müde, aber begeistert

Ein Kollege nimmt an einem Masterkurs auf Fidschi teil, ein andere schreibt an seiner Bachelorarbeit in Lae. Hier haben alle gut zu tun. Anne und ich unterrichten jetzt mit zukünftig 1 ½ Stellen zusammen 18 Wochenstunden: Kindergottesdienst, Weltreligionen, Johanneische Schriften, Predigtlehre, Pastoraltheologie und „Pneumatologie und Hermeneutik“.

In der Pneumatologie geht es hier nicht nur um die Lehre vom Heiligen Geist, sondern wir beschäftigen uns mit allerlei Bösen: Dämonen und wie sie loszuwerden sind , Besessenheit und Freiheit und dem (meiner Meinung nach nicht zu personifizierendem) Teufel selber. Daneben stehen Gottes Boten, die Engel. Die Welt zwischen Himmel und Erde ist zumindest in Melanesien kräftig gefüllt oder besser geschrieben be-geistert. Die Strahlkraft der Aufklärung hat es nicht bis hier her geschafft. Eher „klassische“ evangelikale Dogmatik hatte da schon mehr Power.

Power brauche ich auch, um fast 20 umfangreiche Predigtarbeiten in den nächsten 3 Wochen zu korrigieren. Dann kommen Abschlussprobetests auf meinem Schreibtisch. Ja, das Jahr neigt sich schon dem Ende entgegen. Heute gab es eine Sitzung zur Planung der Graduierung. Anschließend kommen mein Schwager und seine Frau. Mit ihnen fliegen wir in den Urlaub. Eine App sagt mir, dass es nur noch 2 Monate und 14 Tage dauert, bis es losgeht. Ja, ich freue mich schon auf Deutschland. Opa und Oma werden sich über Nora und Jaron freuen und auf sie aufpassen. Dann können Anne und ich mal wieder Essen oder ins Kino gehen. Das vermisse ich hier schon.

Wenn auch kein Kino, so doch einen tollen Ausblick auf die Insel Karkar und gutes Essen gab es auf unserem jährlichen Überseemitarbeitertreffen in Alexishafen.

_MG_9270Vier neue Ärzte mit ihren Familien aus Madagaskar sind zu unserem Team Mitte des Jahres hinzuge­kommen. Philippinos, Australier, Deutsche, ein Österreicher, die in Australien, den Philippinen, auf Fidschi und eben auf PNG arbeiten, sangen bis spät in die Nacht zusammen.

_MG_9003Wir hörten Vorträge, diskutierten, die Kinder spielten viel und badeten im Meer und ich führte sogar ein Traugespräch. Thorsten und Bernadette werden am 20.10. hier in Logaweng heiraten. Thorsten ist mehr als ein guter Kollege, da helfen wir wirklich gerne. Beide sollen ein einmaliges Fest bekommen.

Gerade wird deshalb schon Ausschau nach einem Schwein gehalten. (Noras Schleichtiger bekommen jetzt schon Ferkel zu fressen.) Wir freuen uns auf den Besuch. Thorsten und Bernadette waren schon mal hier und verstehen sich mit Nora und Jaron super. Auch unser nicht mehr ganz so neuer Freiwilliger Milo und Dorothee Wild sind neben einigen Studenten und ihren Frauen wichtige Begleitpersonen für sie. Dorothee ist im August ihrem Mann hierher gefolgt. Sie hilft im Kindergarten mit. Nur Dank dieses Netzwerkes können wir uns dem Lehrbetrieb gut widmen und doch freue ich mich auf knapp 4 Wochen in Deutschland. Und auch Oma und Opa können sich auf zwei tolle Kinder freuen, findet ihr Papa.

Ich denke über Urlaub nach, obwohl mich die Arbeit begeistert. Das Pfarramt im Augsburger Bekenntnis, die Auferstehungshoffnung im Johannesevangelium oder der rote Pfaden im Gottesdienst, diese Themen wecken großes Interesse bei mir. Ich bin gerne Theologe und das kann ich in Logaweng mit Begeisterung ausleben.IMG-20181005-WA0000

Warten. Eine kleine kulturelle Reflexion unseres täglichen Daseins.

Vereinfacht und etwas pauschal: Deutsche warten, Niuginis genießen Gemeinschaft oder ruhen sich aus. Ich musste jetzt schon zweimal einen Tag länger in Lae verbringen als geplant, weil ich sich keine sichere Überfahrt nach Finschhafen gefunden hat. Ich warte dann auf bessere See oder etwas Sonne. Ich versuche dann das Beste aus diesen Tagen zu machen, Unerledigtes nachzuholen, ein Buch zu lesen oder mich mit Kollegen zu treffen; aber innerlich bin ich aufgewühlt und unausgeglichen, vielleicht für einige Niuginis unausstehlich.

Der Pietist Spener hoffte im 17 Jahrhundert auf „bessere Zeiten“, in der sich viele Menschen bekehren würden. In der Morgenandacht werden die Studenten hier schon auch mal damit vertröstet, dass später alles besser sein wird und wir heute alles Schwere einfach zu ertragen haben. Endzeit-Hoffnungen oder der Cago-Cult verwirren die Menschen in den Dörfern um uns herum. Eine wirkliche hübsche Halbinsel wurde vor einigen Wochen gerodet. Dort werden jetzt landende Flugzeuge und große Schiffe erwartet. Alles mehr Illusion, als Realität.

In einer Kirche wurde das Kreuz auf dem Altar gegen einen Spiegel ausgetauscht. Die Botschaft, der sich selbst Erkennende ist stark genug, aus sich selbst heraus Segen zu erhalten. Ein Kollege von uns hat in einer kurzen Reflexion gestern am Unabhängigkeitstag mahnende Worte dazu gefunden. Vieles im Land liegt im Argen und Konflikte und Kulte treten mit neuer Kraft hervor.

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Gestern stand das Land lahm. Es wird gefeiert, denn die Bewohner sind stolz. Aber viele sagen auch, die Unabhängigkeit kam 1975 zu früh: Umweltzerstörung, Bildungsmisere, Korruption, das anstehende Referendum über die Unabhängigkeit von Bougainville – Heute steht der Inselstaat vor großen Herausforderungen. Werden bessere Zeiten erwartet oder erhofft?

Früher hatte die Lutherische Kirche selber ein Schifffahrtsunternehmen. Es ist pleite gegangen. In wenigen Tagen oder Wochen soll nach Finschhafen wieder ein Passagier- und Frachtschiff der Kirche verkehren. Darauf warten nicht nur wir.MV Ialibu

Warten fällt mir manchmal schwer. Ich wäre dann gerne früher zurück bei meiner Familie in Logaweng. Ich würde gerne Bücher aus Deutschland schon in den Händen halten. Ich bin nicht geduldig, sondern dann zunehmend unruhiger.

Den Menschen um uns herum fällt Warten leichter. Sie leben einfach stärker in der Gegenwart. Sie definieren sich anders und kommen so besser in dieser mir langsam erscheinenden Gesellschaft zu recht. Ich glaube, es gibt auch weniger Bluthochdruck und Schlaganfälle.

Bei der letzten 4stündigen Überfahrt habe ich springende Fische und drei kleine Delphingruppen gesehen, so viele wie noch nie zuvor. Ich warte auf die Ankunft und plötzlich bin ich ganz im Moment, bei Gottes wunderbarer Schöpfung. Ich bin in der Gegenwart, die Unterbrechung des Wartens auf die Ankunft.

Keine drei Monate mehr und wieder schließen fast 20 Männer ihr Studium hier ab. Unsere Waspapa-Grup (studentlscher Hauskreis) will 2 Tage auf der Tami-Insel übernachten und sammeln jetzt schon Geld für die Überfahrt und das Essen. Erwartungen, Planungen, Organisation sind Teil des Seminaralltags. Ohne den Blick in die Zukunft funktioniert eine solche Einrichtung nicht. Und große Ereignisse werden auch mit viel Vorfreude erwartet. Vor einigen Tagen wurde zu einem Festtag eine Kuh geschlachtet, Fleisch für alle.

Vorfreude, Hoffnung, Geduld, Illusionen und Träume; das alles und noch viel mehr verbinde ich mit Warten.

Bekennen– Becks – Bewegung. Workshop zum Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers (1906-1945) in Baguio-City, Philippinen

Ich bin letzte Woche auf einer langen Reise aufgebrochen: Wie immer, erst einmal mit dem Speed-Boot von Finschhafen nach Lae. Dort musste ich mich endgültig von unserem Volunteer Eric verabschieden. Er ist jetzt schon wieder in Bremen gelandet. Von Lae ging es zwei Tage später weiter mit Flugzeug über Port Moresby nach Manila. In Port Moresby war Zeit, um mit einem Kollegen gemütlich zu speisen. Wir wurden uns einig, dass diese Stadt nicht mehr mit anderen Orten des Landes vergleichbar ist. Besonders jetzt schon recht kurz vor dem APEC-Treffen wird die Stadt herausgeputzt: Keine Schlaglöcher, wenig Müll, viele Hotels und Restaurants und ebenso viele Baustellen. Der Wohlstand dieses Ortes führt aber zur Vernachlässigung der anderen Landesteile.

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(APEC steht für Asia-Pacific Economic Cooperation. Viele Staatspräsidenten kommen zu mehreren Vortreffen und der eigentlichen Versammlung im November in unseren Inselstaat. Dieses internationale Ereignis dominiert dieses Jahr die Nachrichten, selbst im ländlichen abgelegenem Finschhafen wird darüber diskutiert.)

In Manila wurde ich von einem Pfarrer der lutherischen Partnerkirche vom Flughafen abgeholt. Dank des Unwetters waren allerdings die Straßen frei und wir waren erstaunlich schnell im Lutheran Center, wo auch der Präsident der Kirche wohnt. (Hier bezeichnen sie den Bischof als Präsidenten und einfache Dozenten wie mich als Professoren.) Ich übernachtete großzügiger Weise im Hause des Präsidenten, obwohl dieser dienstlich unterwegs war. Während dessen wollte Facebook ständig wissen, ob ich wegen Überschwemmungen in Sicherheit sei. Sie müssen sich wirklich Sorgen gemacht haben!

Mit dem Bus ging es am folgenden Tag weiter nach Baguio-City. Auch hier ist Dauerregen! Der Schwanz eines Taifuns lässt mich die Monsunzeit spüren. Das Wasser geht durch die Wände des Hauses meines deutschen Kollegen, Alois Schwarz. Alles ist nass, aber Rosinenbrot, Becks, gute Gespräche und vor allem Bonhoeffer ließen mich dieses Wetter überstehen.

Vormittags hielt ich Vorträge, lies Ausschnitte aus „Nachfolge“, „Widerstand und Ergebung“ und anderen Werken lesen und wir besprachen Ergebnisse der Kleingruppen. Immer wieder kam die Frage auf, ob denn Bonhoeffer ein lutherischer Theologe sei; für die Kirche und das Seminar hier eine entscheidende Frage. Nachmittags trafen wir in dem nassen Haus einheimische Kollegen zum Kaffee. Der Seminarleiter lud mich noch einmal in ein Restaurant ein. Dabei trug seine Frau das von mir geschenkte Bilum.

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Geehrt wurde ich auch von dem Besuch von Marianne-Sonja Kieper. Sie ist gemeinsam mit ihrem Mann von commundo, einem Schweizer Entwicklungswerk, in die Philippinen entsandt worden. Gemeinsam waren wir 2016 auf einem Vorbereitungsseminar in Luzern. Die Welt ist manchmal wirklich klein.

Ich habe den Austausch mit ihr, den Kollegen und Studenten und meinem Gastgeber Alois sehr genossen. Auf Facebook finden sich jetzt unheimlich viele Fotos. Wir unterhielten uns über Luthertum im Pazifik und in Amerika, weil es hier auch ein amerikanischer Gastdozent unterrichtet. Ein anderes großes Thema war klinische-seelsorge Ausbildung, weil der erste philippinische Pastor gerade darin zum Supervisor ausgebildet wird. Ich meine, dies ist alles gut und spannend, aber nächstes Jahr sollen erst einmal andere in Bewegung setzen. Philippinos und Nuiginis können ihre Partnerschaft zwischen den Kirchen im Pazifik selber weiter intensivieren. Auch das habe ich versucht zu kommunizieren.

Für Bonhoeffer waren die Reisen, besonders während seiner Zeit als „Doppelter-Agent“ der Abwehr, so kompliziert und brauchten unheimlich viel Vorbereitung. Und jetzt können wir die ganze Welt einfach erkunden. Möge dies trotz des ganzen Nationalismus aller Dutertes, Trumps, Erdogans und … (Liste kann nach Belieben fortgesetzt werden!) so bleiben! Reisen, Austausch und (gute) Theologie fördern das Miteinander und bauen Grenzen ab

Die Bayrische Landeskirche hat 2016 die Barmer Theologische Erklärung von 1934 in seine Verfassung verankert und damit ihr Verhältnis zum Staat und Führerkult neu bestimmt. (Auch das war die letzten vier Tage ein großes Thema.) Christus ist das eine Wort Gottes, wird dort bekannt. Dieses Wort hat Kraft. Da können Präsidenten weiter schimpfen, Tweets verschicken oder Gott als dumm beschimpfen. Das macht keinen Unterschied, wir lassen uns von Christus führen.

 

Ich grüße ganz herzlich kurz vor der Abreise aus Baguio-City,

Ihr / Euer Knut John Cramer

Kommen und Gehen. Ein Update zum Semesterbeginn aus Logaweng.

Dank Lea, unser nicht mehr ganz so neuen Hausangestellten und 2 Frauen der Studenten sind unsere Kinder gut versorgt. Der Alltag ist eingespielt. Die Regenzeit ist viel weniger heftig als letztes Jahr. So können wir uns gut unseren Aufgaben widmen. Nach der ersten Woche des 2 Semesters sind wir wieder mitten im Alltag. IMG_20180725_082150

Den Kurs „Johannesevangelium“ gebe ich jetzt schon zum dritten Mal, einen Workshop „Predigtlehre“ zum zweiten Mal. Das erleichtert manches.Allerdings wurden uns auch so viele Wochenstunden zugeteilt, wie noch nie vorher. Studenten kommen zu uns, um uns ihre Vorüberlegungen zu Predigten und die eigentlichen Manuskripte zu zeigen. Ich sitze gerne mit ihnen zusammen, besonders weil die Frucht der Besprechung häufig schnell zu sehen ist. Die Arbeit macht also weiterhin Spaß.IMG_20180718_110759

Gerade nutze ich fast jede freie Minute, um einen „Workshop“ vorzubereiten. Am 12.08. werde ich in die Philippinen fliegen, um am lutherischen Seminar in Baguio mit Studenten und Pfarrern über Dietrich Bonhoeffer nachzudenken. Ich bin gespannt eine weitere Partnerkirche der Bayrischen Landeskirche und der lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea kennenzulernen. Ich weiß nicht, ob ich richtig in der Annahme liege, dass besonders der politische Bonhoeffer den Christen dort inspirieren könnte.

Die Partnerschaft zwischen uns hier und dem Dekanat Castell ist gerade mit Leben gefüllt worden. Zwei Ehefrauen von Kollegen, ein Vikar und ein Kollege sind gerade wieder in Lae angekommen. Uns wurden immer wieder Fotos geschickt: am Grab von Johann Flierl, im Freizeitpark Geiselwind, vor der Wartburg oder in Erfurt in der Straßenbahn. Sie müssen wirklich viel gesehen haben. Wir haben hier in jedem Sonntagsgottesdienst für die vier gebetet und letzten Sonntag besonders der Partnerschaft gedacht. Neben der persönlichen Begegnung jetzt, sind beide Seiten im Gebet mit einander verbunden.

Des Weiteren übernimmt das Dekanat Castell jährlich die Schulgebühren für die Kinder der Dozierenden und der Studenten. Das erleichtert vieles. Ich denke, sonst könnten einige hier nicht studieren, denn die Gebühren für unser Seminar und Schulgebühren für die Kinder aufzubringen, wäre für sie einfach zu viel.

Witzig ist, dass es eigentlich keine Schulgebühren mehr gibt. Der Staat hat sie vor einigen Jahren verboten, aber er stattet die Schulen so schlecht aus und es kommt so wenig Geld an, sodass eigentlich alle Schulen eine Gebühr für Projekte, Schulmaterial oder ähnlich eingeführt haben. Diese steigen jedes Jahr. Schließlich wird das Leben wird auch nicht günstiger.

Mit dem neuen Semester ist Hans-Joachim, alias Jomie Wild, dessen Geburtstag wir vorgestern ein wenig gefeiert haben, wieder ans Seminar gereist. Er ist pensionierter Englisch-, Geschichts- und Religionslehrer und hat schon früher rund 10 Jahre in PNG gelebt. Nun wirkt er zum zweiten Mal als Senior-Expert.IMG-20180723-WA0000

Unserer Freiwilliger Eric dagegen wird uns schon bald wieder verlassen. Sein kritischer Geist wird mir fehlen. Weiterhin ist er mir eine große Unterstützung beim Einkaufen und Verkaufen von Schreibmaterial und Büchern. Mit viel Geschäftssinn und auch einer sozialen Ader hat er unseren kleinen Laden zu neuer Blüte verholfen. Mal sehen, wo und wie sich sein Nachfolger einbringen wird. Nur ca. 2 Wochen später wird wieder ein Freiwilliger der Nordkirche anreisen.

In Butaweng am 4km entfernten Krankenhaus ist jetzt eine neue Ärztefamilie nach ihrer Orientierungszeit „angekommen“. Mit ihren zwei Kinder spielen Nora und Jaron gerne. Wichtig ist aber vor allem, dass jemand zum Spielen da ist. Welche Hautfarbe er hat, spielt keine Rolle. Auch zu zweit können sie immer besser spielen und jetzt kann man ja auch noch zum Jomie rübergehen. Dort gibt es Eis oder andere Süßigkeiten.

Uns vieren ist also wirklich nicht langweilig. Im Gegenteil, interessante Menschen kommen und gehen.

Buai in Plastik

…nun bin es einmal wieder ich (Anne) die sich auf unserem Blog bei euch/Ihnen meldet.

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich auf dem „Rustys Market“ in Cairns die PNG- Fraktion mit Meriblauses, Bilums, und natürlich Buai und Daka gesehen habe. Dabei stach ein kleines Detail ins Ausge: In PNG kauft man das Ganze wie es ist. Die Buai wechselt von einer in die andere Hand. Hier in Australien wechselt die Buai gut verpackt in einer Plastiktüte den Besitzer.IMG_20180706_110444

In Logaweng sind gerade zwei Wochen Semesterferien und wir machen als Familie Urlaub in Cairns. Und es gefällt uns hier sehr gut! Die lutherische Kirche unterhält ziemlich im Zentrum Cairns eine sogenannte „Missionary- Flat“ die wir recht preiswert für zehn Tage bewohnen können. Wir flanieren an der „Esplanade“, baden in der „Lagune“, besuchen das Aquarium und machen was man sonst so als Tourist in Cairns machen kann. IMG_0530Zum Beispiel eine Gondelfahrt von Kuranda ausgehend über den australischen Regenwald. Sehr teuer, sehr touristisch, aber auch beeindruckend und…schön! Die Kinder sind gut drauf und freuen sich an ihren Eltern und wir uns an ihnen.IMG_0352IMG_0520

Ob Nora es auch etwas eigenartig findet „westliche“ Kleidung zu tragen und überall viel Haut zu sehen? Und ob ihr auch auffällt, dass wir hier in zwei Tagen so viel Müll produzieren wie in Logaweng in zwei Wochen? Letzteres finde ich zumindest wirklich bedenkenswert. Und das alles mit dem freundlichen Hinweis „..Help us protect the environment…“. Man denke hier am Ausgangspunkt für unzählige Touren ans Great Barrier Rief an den Plastikmüll in unseren Meeren.

Letztes Jahr in den Semesterferien hatten wir gefüht (oder echt?) mindestens einen Monat Dauerregen hinter uns und wären dieser klimatischen Herausforderung gerne einmal entflohen. Dieses Jahr war es etwas anders. Regen und Sonne wechselten sich bis jetzt immer schön ab und auch sonst fühlen wir uns in Logaweng gerade sehr wohl. Ein bisschen „rauskommen“ schadete aber trotzdem nicht.

Als wir vergangenes Jahr Weihnachten in Deutschland waren, wurde ich gefragt, ob ich hier meinen Glauben manchmal anders erlebe. Damals sagte ich, dass dies eigentlich nicht der Fall ist. Inzwischen denke ich doch, dass das manchmal so ist. Unser Weg nach Cairns zum Beispiel… Am Freitag wollten wir nach Lae aufbrechen.  Da fährt eigentlich das sogenannte SDA-Boot, das etwas größer und komfortabler ist, als die sonst üblichen Bananenboote. Außerdem hat es ein Dach! Das ist schon sehr hilfreich bei viel Sonne oder viel Regen. Insgesamt ist das Meer um diese Zeit ja eher unruhig. Nun fuhr dieses Boot am Freitag nicht. Am Donnerstag waren bereits einige Studenten in ihre Dörfer aufgebrochen und das bei nicht gerade günstigen Wetterbedingungen. Da ist so eine Überfahrt wirklich kein Spaß, um genau zu sein, sie kann ziemlich gefährlich werden. Da habe ich am Donnerstag schon gebetet: „Lieber Gott, lass das Wetter morgen mitspielen.“ Wir hatten dann am Freitag wieder einmal eine echte Bilderbuch-Überfahrt die ich sogar genießen konnte. Bisher hatte ich bei keiner der Überfahrten mit den Kindern Angst. Aber ich möchte auch nicht in die Situation kommen, diese Angst haben zu müssen. Im Zweifelsfall müssten wir kurzerhand so eine geplante Überfahrt eben platzen lassen. Das ist aber auch leichter gesagt als getan, wenn man auf gepackten Koffern sitzt und ja auch nicht weiß, wie das Wetter am nächsten Tag dann ist. Wie gesagt, bisher hatten wir immer Glück – oder göttlichen Beistand. Für den Satz mancher Studenten uns könne ja nichts passieren, schließlich seien wir alle im Auftrag des Herrn unterwegs, kann ich mir nicht so einfach erwärmen. Vielleicht haben sie solchen „Galgenhumor“ aber auch einfach nötiger. Ihre Kinder besitzen keine Schwimmwesten – ganz im Gegensatz zu unseren…

Wie gesagt, gerade genießen wir den „westlichen Lifestyle“, wir genießen ihn wirklich! Oh, was für ein Unterschied es ist, im Flughafen in Lae oder in Cairns eine öffentliche Toilette aufzusuchen! Aber wir freuen uns auch auf das zweite Semester am Seminar in Finschhafen.

Wir haben beide gestaunt wie mutig Nora hier in Cairns auf dem wirklich sehr toll angelegten Spielplatz herum geklettert ist. Sie ist wirklich sehr geschickt geworden! Offenbar hat sie am Frangipani-Baum in unserem Garten ordentlich geübt. Heute beim Abendessen hörten wir der Satz „meine Freunde in Logaweng…“ aus Noras Mund. Welche Freude! Aber auch, dass sie das nächste Mal wieder zu Oma und Opa in den Urlaub fliegen will. Überhaupt redet unsere Nora gerne und viel, mit ihrem Bruder vorzugsweise auf Tok Pisin. Jaron, dessen zweiten Geburtstag wir hier gerade gefeiert haben, bevorzugt ebenfalls Tok Pisin. Aber auch er wird wohl irgendwann auch Deutsch sprechen, was er von sich gibt klingt auf jeden Fall schon ganz vielversprechend.

Ich habe im letzten halben Jahr viele schöne und gute Erfahrungen in PNG gemacht! Und vieles ist und bleibt natürlich auch zumindest herausfordernd. Ich möchte gerne mehr davon berichten, aber gerade bin ich im Urlaub…