nach vorne blicken

Tatsächlich haben wir uns nun gegen Papua-Neuguinea und Logaweng entschieden. Wir werden als Familie vorerst nicht zurückfliegen, uns nicht richtig verabschieden, nicht selbst unseren Hausstand packen und nicht selbst unser Auto verkaufen. Während ich dies vor einigen Wochen vorgeschrieben hatte, war ich noch betrübt, weil wir gerne dort gelebt haben.

Langsam wurde es für uns immer deutlicher:

Unser Rückflug werden wir dieses Jahr nicht mehr antreten können und ich will nicht Monate lang im Homeoffice arbeiten.

Wir können es uns nicht vorstellen, Nora selbst zu unterrichten.

Wir wollen nicht in dieser unsicheren Weltlage am Ende der Welt sein, aus der wir nur mit großen Mühen entfliehen können.

Wir brauchen für unser Sicherheitsgefühl eine qualifizierte Ärztin in der Nähe und nicht einen Staat, der mit einer Pandemie völlig überfordert ist.

Mit nun drei Kindern brauchten wir ein gutes Netzwerk von anderen Überseekräften, das uns begleitet und im Notfall auffängt.

Die Corona-Pandemie hat vieles durcheinander geworfen, so viel, dass wir uns auf eine Gemeindepfarrstelle in Forchheim beworben haben. Am 30.07. wurden wir vom Kirchenvorstand gewählt. Bis dahin sind wir in Elternzeit und zeitweise im Home-Office bei Mission EineWelt. 12 Tage Homeoffice habe ich schon hinter mir. Ich konnte einige Ideen beigesteuern, wie ein Magazin zu Papua-Neuguinea neugestaltet werden könnte.

Anne und ich trauern unserer alten Arbeit noch hinterher. Trotz aller Schwierigkeiten des Landes haben wir uns dort sehr wohl gefühlt. Viele Niuginis sind überaus herzliche und freundliche Menschen. Die Diskussion im Klassenzimmer, der Duft des Feuers gegen die Moskitos und die unheimlich nahen Sterne, der Blick aufs Meer… Logaweng ist ein ganz besonderer Ort in unserem Leben.

Aber mit der Bewerbung auf die bayrische Gemeindepfarrstelle „Forchheim-Nord“ richtet sich der Blick nach vorne. Ich träume: Nora kann ab September in eine Grundschule gehen und muss diese nicht mehr wechseln. Jaron wird dann einen Kita-Platz haben. Beiden wird sich eine neue Welt erschließen und sie werden Freunde finden. Mathea bemerkt, dass ihre Eltern Ruhe ausstrahlen und für sie da sein können. Anne und ich fühlen uns in einer großen Pfarrwohnung wohl und ich finde mich in die Aufgabe ein, für die ich im Vikariat ausgebildet wurde. (Anne hat erstmal länger als ich Elternzeit beantragt, sodass ihr Einstieg sich etwas hinausziehen wird.) Ehrenamtliche und hauptamtliche Gemeindeglieder denken im Team mit uns weiter, wie Kirche für andere da sein kann. Ich möchte gerne die neue Gemeinde kennenlernen, ihre Schätze entdecken und mit ihnen Christus feiern. Mein Blick richtet sich nach vorne.

Ihr / Euer

Knut Cramer

 

PS. Ob wir diesen Blog in irgendeiner Weise fortsetzen, haben wir noch nicht entschieden. Vielleicht versuche ich auch stärker auf Instagram und Twitter aktiv zu sein. Jedenfalls möchte ich auch in der #digitalenKirche Christus bezeugen.

 

Familienglück

Unser Wunder, auf das wir sehnlichst gewartet haben, ist eingetreten: Unser drittes Kind ist am 13.05. geboren: Mathea Friederike. Mathea ist für uns ein Geschenk Gottes und das bedeutet auch ihr erster Name. In Friederike steckt „Friedensreich“ oder „reich an Frieden“.

„Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Joh 14:27) An dieser Zusage Jesu an seine Jünger mussten wir an ihrem Geburtstag denken.

Wir sind Gott dankbar, dass Mutter und Kind wohl auf sind und das wir uns in seinem Frieden geborgen wissen.

Trotz Corona konnte ich bei der Geburt im Geburtshaus in Erlangen (www.geburtshauserlangen.de; eine super Adresse für werdende Eltern!) dabei sein. Es ein unbeschreibliches überwältigendes Gefühl, mitzuerleben wie das eigene Kind auf die Welt kommt, obwohl ich die Schmerzen meiner Frau nicht wirklich lindern konnte.

IMG_20200515_143642~2Unsere älteren Kinder freuen sich an Mathea, vermissen aber ihre Spielkameraden in Logaweng. Dank Opa und Oma wird ihnen immerhin ein vielfältiges Programm geboten. Wir haben Freunde, auf die wir uns sehr gefreut haben, wegen Corona immer noch nicht treffen können und haben uns die Zeit in Deutschland wirklich anders vorgestellt. Was Corona allerdings nicht schafft, Freude und Glück über ein Neugeborenes zu schmälern, höchstens bei Oma und Opa in Ostfriesland.

Jaron ist 6 Monate vor unserer ersten Ausreise nach Papua-Neuguinea geboren. Es war für uns ein großes Abenteuer mit einem Säugling aufzubrechen und besonders das erste Jahr dort war nicht einfach. Gerade frage ich mich schon, ob wir es schaffen, jetzt mit drei Kindern, inklusive einem noch kleineren Säugling wieder aufzubrechen. Selbstverständlich wissen wir was uns erwartet, aber gerade gibt es noch nicht einmal die Möglichkeit, dorthin zu fliegen. Wahrscheinlich ist dies in einigen Wochen oder Monaten wieder möglich, aber viele Unsicherheiten bleiben. PNG beginnt jetzt erst mehr auf Corona zu testen…

Im Geburtshaus hat mich eine Hebamme auf einen Podcast mit dem vorherigen Missionar Pfarrer Peter Trapp aufmerksam gemacht, der das Buch „Bilum bilong mi“ über seine Zeit dort geschrieben hat. (https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/eins-zu-eins-der-talk/peter-trapp-eins-zu-eins-der-talk-100.html) Ich hatte vorher noch nie von ihm gehört, geschweige denn das Buch (https://www.buecher.de/shop/missionar/bilum-bilong-mi/trapp-peter/products_products/detail/prod_id/57786537/) gelesen, bin aber einmal kurz in Tarabo gewesen, wo er gewirkt hat.

Er spricht über die Gefahren in dem Land und warnt. Das beschäftigt mich. Ich glaube, dass wir in Logaweng selbst recht sicher sind, weil die Missionare dort sehr geschätzt werden und unsere Institution einen sehr guten Ruf hat, aber die Kriminalität im Land ist enorm.

Seine vorsichtig geäußerte Kritik („Neokolonialismus“) kann ich nachvollziehen, aber ich teile sie nicht. Wir werden anders abgesichert als unsere einheimischen Kollegen und verdienen das Vielfache, aber wir tragen nicht dazu bei, dass dies so bleibt. Nur dann wäre diese Kritik berechtigt. Die Partnerkirchen unterstützen die einheimische Kirche auch finanziell und entsenden Experten, um diese in finanziellen Angelegenheiten zu beraten. Die ELC-PNG hat Ressourcen. Wichtig ist es diese zu nutzen, um zukünftig besser für ihre Pastoren und Dozenten zu sorgen. Auch das Senior-Flierl-Seminar versucht, die einheimischen Dozenten zu fördern, indem bestimmte Ausgaben wie z. B. für Telefonieren, Internet, Reisen und Fortbildungen übernommen werden.

Früher hätte man kritisieren können, dass uns Überseekräften ein deutlich besseres Haus zur Verfügung gestellt wird. Allerdings ist jetzt auch ein neuer einheimischer Kollege mit seiner Familie in ein solches eingezogen. Miteinander in einem internationalen Team bilden wir Pastoren am Senior-Flierl-Seminar (SFS) aus. Ich denke, dass ist eine große Stärke dieses Seminars.

Weil wir richtig gerne am SFS tätig waren, kümmern wir uns gerade um die Wiederausreise (Tropentauglichkeitsuntersuchung, Visum für Mathea, Impfungen, etc.) aber vieles stimmt uns nachdenklich. Zuletzt wurde uns mitgeteilt, dass dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie keine Freiwilligen ausreisen können. Eine Freiwillige hätte am Seminar mitwirken sollen und zusammen mit uns Nora unterrichten sollen. Da brauchen wir jetzt eine neue Lösung.

Ich werde jetzt erstmal (wie geplant) für Juli und August Elternzeit beantragen. Die Elternzeit wird uns Zeit geben, das neue Geschenk zu bestaunen und über die neue Situation zu reflektieren. Sie können gerne für uns beten.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Diese Frage hören wir immer wieder. Wie viele andere leben wir mehr in der Gegenwart, denn diese Frage ist schwer zu beantworten. Wir hoffen, dass wir wie geplant im September wieder nach Logaweng ausreisen können.

Momentan ist das Senior-Flierl-Seminar allerdings wegen Corona geschlossen und nach Papua-Neuguinea fliegen ist auch nahezu unmöglich. Ich bin immer wieder mit Kollegen und Studenten in Kontakt. Im Gebet sind wir verbunden.

Aktuell hat das Land offiziell nur fünf (!) Corona-Fälle. Die Regierung hat sogar Geschlecht, Alter und die Provinz, in der sich die infizierten Personen aufhalten, veröffentlicht. Es gab einen zweiwöchigen „lockdown“. Natürlich gilt auch dort „social distancing“, aber die wenigsten halten sich daran, so wurde mir berichtet. Geschäfte sind weitgehend geöffnet, in Lae wurde nun sogar der main market wiedereröffnet, aber der Binnenflugverkehr ist stark eingeschränkt. Wahrscheinlich liegt also die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus um ein Vielfaches höher und viele Menschen stecken sich gerade an. Es ist noch völlig unklar, welche Folgen dies für Papua-Neuguinea haben wird.

Anne und ich sind auch mit unseren Vorgesetzten von Mission EineWelt in Kontakt. Aber gerade ist wenig zu besprechen. Wir müssen abwarten. Dabei sind wir in einer komfortablen Situation: Ich bin im Urlaub. (Ich hatte davon noch recht viel aus dem letzten Jahr aufgespart.)  Anne ist nun im Mutterschutz. Trotzdem überkommt uns manchmal Nervosität. Es uns wichtig, dass Nora ab September irgendwie beschult wird. Geplant ist, dass wir sie mit Fernschulmaterial und der Hilfe einer Freiwilligen, die vor allem am Seminar mithelfen soll, selbst unterrichten. Ungerne würden wir sie einige Wochen oder Monate in eine deutsche Schule schicken und dann wieder abmelden.

Ich kann es auch nicht ganz lassen zu arbeiten: Schon Gründonnerstag wurde eine Predigt in meiner Heimatgemeinde aufgenommen. Meine Mutter, Kirchenvorsteherin in Ockenhausen, hat die Lesung übernommen und der Ortspastor die Liturgie. Am Sonntag nach Ostern wird der Gottesdienst auf den Homepages von drei Gemeinden ausgestrahlt:

www.kirche-ockenhausen.de

www.kirche-remels.de

www.kirche-firrel.wir-e.de/aktuelles

Ihr könnt / Sie können gerne dann um 10 Uhr den Gottesdienst mitfeiern. Ich bin darauf schon sehr gespannt, weil ich selbst das fertige Video noch nicht gesehen habe.

Ansonsten habe ich auch in Alterlangen im urigen Hinterhaus meiner Schwiegereltern Zeit für mich, denn auch Opa und Oma hier verbringen viel Zeit mit den Kindern. (Wir verstehen uns als eine Hausgemeinschaft, da der Garten beide Häuser verbindet und Distanz auf so engem Raum nicht möglich gewesen wäre. Allerdings ist es sehr bedauerlich, dass wir Annes Brüder und ihre Familien nach so langer Zeit der Trennung lediglich über den Gartenzaun oder Skype zuwinken konnten. Zu gerne hätten wir uns einmal in den Arm genommen.) Für die Kinder richten wir gerade ein Spielzimmer, falls es mal regnet, ein:

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Gerade scheint die Sonne, die Kinder sind draußen, und ich habe Zeit, Diskussionen im Internet über neue digitale Abendmahlsformen mitzuverfolgen oder das ein oder andere Buch lesen; hier mein Reader:

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Ansonsten beschäftigt mich gerade neben Corona die Flüchtlingspolitik Deutschlands und der Europäischen Union. Mich verärgert es total, dass 12 Menschen auf dem Mittelmeer versterben mussten, weil ihnen im europäischen Seenotrettungsgebiet bei Malta nicht geholfen wurde und dass den Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern nicht wesentlich geholfen wird. Dem Parlamentsabgeordneten Erik Marquardt (Grüne) bin ich gerade dankbar, dass er dieses Thema immer wieder auf die Agenda bringt. Hoffentlich kann er dazu beitragen, dass Deutschland nicht nur an sich denkt, sondern ähnlich barmherzig reagiert wie 2015.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Die Frage kann ich in Bezug auf politische Themen schlecht beantworten.

In Bezug auf uns persönlich: Wir warten erstmal auf unser drittes Kind.

Herzliche Grüße sendet gerade aus Alterlangen

Ihr / Euer Knut Cramer

Anders als erwartet

Liebe Leserinnen & Leser,

als ich meinen letzten Blogeintrag verfasste, war noch nicht klar, wie ein Virus die Welt und speziell Deutschland verändern würde. Ich hätte meinen Wunsch von einem Stadion- oder einem Restaurantbesuch nicht (in dieser Form) geäußert….

Vorgestern sind wir nach einer langen Reise (ca. 48 Stunden) in Ostfriesland bei meinen Eltern angekommen und versuchen wie viele andere Kontakte zu meiden. Meine Großmutter durfte ihre Enkelkinder sehen, aber nicht berühren. Blickkontakt, nachdem wir 15 Monate nicht mehr hier waren, wollten wir ihr nicht verbieten. Aber wir haben uns vorgenommen, dass wir Abstand halten. Nach einer so langen etwas vorgezogenen Rückreise über Lae, Port Moresby, Singapur, Zürich und Hamburg könnten wir den Corona-Virus schließlich in uns tragen.

Meine Eltern haben heute mir eine Haarschere gekauft. Wir schreiben uns nun selbst eine gewisse Isolation vor. Der deutsche Staat hat uns bei der Einreise noch nicht einmal zu unserem Gesundheitszustand oder unserer Herkunft gefragt, geschweige denn eine Isolation verordnet. Ich dachte ja, dass wir nach dem Landen in Hamburg irgendwie genauer überprüft würden…

Bei euch / Ihnen, liebe Leser & Leserinnen, möchten wir uns auch an dieser Stelle noch einmal für alle freundlichen Worte auf Facebook und alle Gebete herzlich bedanken! Unsere Rückreise war Kräfte zerrend und einfach lang, vor allem die letzten 9 Stunden Warten am Flughafen in Zürich. Aber wir sind jetzt froh hier zu sein.

Leider ist unser aufgegebenes Gepäck nicht mitgekommen. Zwei Koffer sind wohl in Zürich, nach einem weiteren Koffer wird noch gesucht. Allerdings hat die Anfrage in eine lokale „Flohmarkt“-WhatsApp-Gruppe und die Familie schnell aushelfen können. Mit Sicherheitsabstand wurde Kinderkleidung entgegengenommen. So konnten wir die Kinder warm ankleiden und Nora hat jetzt begonnen, Fahrradfahren zu lernen. Trotzdem fehlen uns Rasierapparat, Bücher und Geschenke für Freunde und anderes (wichtigeres) mehr aus diesen drei Koffern.

Wir haben Hilfe erfahren und viele Menschen in verschiedenen Erdteilen haben an uns gedacht und dies z. B. mit einem „Like“ auf Facebook gezeigt. Das hat mich gerührt. Unterwegs musste ich dabei aber auch an die vielen Menschen denken, die gar nicht in eine solche Isolation gehen können. In der gestrigen Ausgabe des Heute Journals vom ZDF wurde auch aus Nairobi, Kenia aus einem Armenviertel berichtet. Ich denke auch an die Menschen im Flüchtlingslager in Lesbos, Griechenland und in Logaweng, Papua-Neuguinea. Eine weitere Ausbreitung dieses Virus könnte an diesen drei Orten verheerende Folgen haben, deutlich schlimmere als im reichen Deutschland.

Ich hoffe und bete für mein Heimatland, dass es gut durch diese Tage der Unsicherheit und Isolation kommt, dass die Entschleunigung positiv aufgenommen wird und dass sich das gesellschaftliche Leben auf andere Weise als vorher leben lässt. Möge Gott diesem Land und auch den Menschen in Logaweng, Nairobi und Lesbos Frieden schenken, dass alle Ruhe statt Nervosität und Angst finden, sodass niemand aufschrecken muss (frei nach 3. Mose 26,6; der Tageslosung vom 21.03.2020).

Ihr / Euer Knut Cramer

Was mich kurz vorm Aufbruch bewegt

In 10 Tagen verlassen wir Logaweng für mehr als 5 Monate. Erst im September wollen wir hierher zurückkehren. Unser drittes Kind, welches Anne gerade im Bauch trägt, soll wenigstens 4 Monate alt sein, bevor es in die Tropen kommt. Daher werde wir nach unserem Resturlaub und dem Sonderurlaub (7 Wochen nach 3 ½ Jahren Dienst) noch etwas Elternzeit in Deutschland verbringen.

Einerseits freue ich mich auf Deutschland, auf gewissen Luxus: Brötchen am Morgen, gute Lokale, ein Kino, Shoppingerlebnisse oder ein Museums- oder Fußballstadionbesuch und vor allem Familie und Freunde.

Anderseits arbeite ich einfach gerne in Logaweng, weil ich mich hier als wirksam erlebe. Gerade habe ich meinen Kollegen einem Projektantrag zur Diskussion vorgelegt. Das Seminar soll sich nächstes Jahr ein neues Auto leisten können. Nach fast 100.000 Kilometer steigen die Reparaturkosten. Ebenso viele Kina wie der Kilometerstand aufweist, können wir selbst durch Rücklagen und den Verkauf des jetzigen Autos aufbringen, bis zu 50.000 Kina beantragen wir als Zuschuss von Partnerkirchen. 150.000 Kina bzw. fast 40.000 € scheinen für ein Fahrzeug viel Geld zu sein, aber unsere Straßen hier sind deutlich schlechter als in Deutschland. Ohne Allradantrieb ist unser Seminar nicht zu erreichen. 4 Sitzplätze und eine offene Ladefläche werden benötigt, um z. B. Waren für unseren kleinen Laden zu transportieren oder für Krankenhausfahrten. Unser gegenwärtiges Fahrzeug hat nur 2 Sitzplätze und in der Regenzeit werden immer wieder die Menschen auf der Ladefläche nass. Auch darum sehnen wir uns nach einem etwas größerem Auto. Ca. 250 Personen leben in Logaweng und ihnen stehen nur 4 Fahrzeuge zur Verfügung, davon 2 in Privatbesitz, davon gerade 2 nicht fahrtüchtig.

Sollten Sie dieses Projekt unterstützen wollen, können sie an Mission EineWelt eine Spende gebe (https://mission-einewelt.de/spenden/). Das Partnerschafts- und Missionswerk der Bayrischen Landeskirche leitet die Spenden ohne Abzüge an uns weiter. Schreiben Sie bitte in den Verwendungszweck „Fahrzeug und SFS Logaweng“. Gerne nehmen wir auch generelle Spenden entgegen, die sind sogar noch nötiger, denn für das Auto haben wir bereits Rücklagen gebildet. Als Verwendungszweck für generelle Spenden genügt „SFS Logaweng“.

Gerade wird unser Auto repariert:

Wir werden das Seminar in Zeiten des Umbruchs verlassen: Ein neuer Kollege hat hier vergangenen Sonntag seine erste Predigt gehalten. Am nächsten Wochenende soll ein weiterer Kollege kommen, Pfarrer Joseph Benson. Dieser hat bereits ein kirchliches College geleitet, dann seinen master of theology erworben und soll nun unser Team erweitern.

Auch ein neuer Hausmeister wird noch erwartet. Er soll unseren im letzten Jahr verstorbenen Fahrer ersetzen und unserem Stationmanager zur Hand geben. Unser workshop-Team arbeitet gerade richtig tatkräftig. Wir haben 85 Studenten. Logaweng platzt förmlich aus allen Nähten, sodass sogar neue Tische und Stühle gebaut werden mussten.

Stühle

Vor allem haben unsere Handwerker aber mit der Renovierung der Wohnhäuser zu tun. Anschließend muss die Wasserversorgung noch mal unter die Lupe genommen werden. Zu viele Leitungen sind undicht und eine zweite Pumpe ist bestellt, um mehr Wasser aus dem nahen Bach hoch auf unserem Berg zu pumpen. Ferner wurden 8 große Regenwassertanks gekauft, um Regenwasser aufzufangen.

Weiter hinten auf der Prioritätenliste liegt der Bau eines kleinen einfachen Hauses für die größeren Kindergartenkinder. Es gibt richtig viel zu tun und die Arbeit des Workshops muss finanziert werden. Auch deshalb rufe ich (zum ersten Mal) dazu auf, doch fürs Senior-Flierl-Seminar zu spenden.

In unser Kinderbibliothek, im Kindergarten, im Buchladen und auch im Englischunterricht hat unser letzter Freiwilliger tatkräftig am Seminar mitgeholfen. Leider hat er uns aus gesundheitlichen und anderen Gründen überraschenderweise vorzeitig verlassen. Das bedauere ich sehr.

Wir freuen uns, dass wir von Mission EineWelt die Zusage haben, dass ab September eine Freiwillige in unser Team stoßen wird. Ob auch das Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche wieder einen jungen Freiwilligen senden wird, steht noch nicht fest.

Die vielen Projekte und Umbrüche würde ich gerne miterleben und gestalten. Schließlich sind wir jetzt 3 Jahre hier. Drei Jahre haben gereicht, dass mir Logaweng ans Herz gewachsen ist.

Gerade korrigiere ich unheimlich viel, denn meine drei Kurse (Johannesevangelium, Einführung in die biblische Exegese und Griechisch) muss ich mit Noten abschließen. Freitag wird der letzte Test geschrieben. Ich freue mich, dass ich in Deutschland zwar ehrenamtlich mal predigen kann, aber dass ich ansonsten in Deutschland nicht arbeiten muss. Die (zugesagte) Möglichkeit, Ostermontag in meiner Heimatgemeinde auf die Kanzel zu steigen, ist für mich eine besondere Freude.

Mit Blick auf die freie Zeit, bin ich gerade dabei eine Besuchs- und Leseliste anzulegen. Ich hoffe, Zeit zu haben, mit guten Freunden zu lachen und z. B. „Gott in Games of Thrones“ von Thorsten Dietz und evt. auch sein Buch „Sünde“ zu lesen.

Weil also hoffentlich bald Entspannung eintreffen wird, zähle ich die Tage gerade rückwärts. In 11 Tagen brechen wir nach Lae auf, 3 Tage später nach Port Moresbey, noch 2 Tage später nach Singapur und dann über Frankfurt und Hannover nach Ostfriesland. Hoffentlich macht uns Corona keinen Stich durch die Rechnung…

Bis bald,

Ihr / Euer Knut Cramer

 

PS. Zum Abschluss einige Impressionen aus unserem Garten von heute:

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Partnerschaftssonntag im Dekanat Castell und am Senior-Flierl- Seminary

Hier kommt ein kurzer Nachtrag des Partnerschaftssonntages zwischen dem Dekanat Castell und dem Senior-Flierl-Seminary in Logaweng, den wir am 23.02.2020 gefeiert haben.

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Die Gedanken dazu habe ich (Anne) in unserem Urlaub im Dezember verfasst und sie dienten als Grundlage für die Gestaltung des Gottesdienst in den Gemeinden des Dekanats und an unserem Seminar. Bibeltext und Motto haben Studenten des Partnerschaftskomitees ausgewählt.

 

Das gewählte Motto des Gottesdienstes lautet: Walking together hand in hand, watchfully and prayerfully.

Als Textgrundlage haben die Studenten Matthäus 26:41 gewählt: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“

Als Bibellesung empfehlen die Studenten Mt 26:36-46.

Was bewegt die Studenten gerade diesen Text für den Partnerschaftssonntag zu wählen?

Zwei Gedanken haben die Studenten bewegt:

  • Die Probleme der Kirche lassen sich nicht lösen, wenn man nur mit sich selbst beschäftigt ist.
  • Das Gebet eint und stärkt uns für die Aufgaben und Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben.

Zu 1) Die Studenten in Logaweng kommen aus ganz verschiedenen Teilen Papua-Neuguineas mit teils sehr unterschiedlichen kulturellen, ökonomischen und religiösen Hintergründen. In einigen Gegenden blühen kultische Bräuche und Traditionen wieder auf, andere Gegenden sind nach wie vor von Stammeskonflikten gebeutelt, manche Studenten aus sehr entlegenen Gegenden berichten von den Herausforderungen mangelnder Infrastruktur (keine Schulen, keine Gesundheitsversorgung, keine Straßenanbindung). Die gewachsenen kirchlichen Strukturen verlieren ebenfalls an Kraft und häufig sind Pfarrer in ihrem Dienst sehr auf sich gestellt. Sie sollen Gemeinde leiten und betreuen, die häufig über viele Orte verstreut und sehr heterogen sind. Zugleich müssen sie für ihren eigenen Lebensunterhalt aufkommen und die Verantwortung für ihre häufig nicht kleine Familie übernehmen. Für uns selbstverständliche Dinge, wie z.B. der Kauf von Abendmahlswein für den Gottesdienst kann da schnell zu einem komplizierten und zeitaufwendigen Unterfangen werden. Man muss das nötige Geld auftreiben, viele Kilometer laufen oder mit einem überfüllten Bus in die nächste Stadt fahren, dort eventuell übernachten und sich wieder auf den Rückweg begeben.

Als eine weitere Herausforderung benennen die angehenden Pastoren die zunehmende Zersplitterung der Christen in viele kleine Gruppen und Denominationen. In kleinen Orten gibt es teilweisen vier oder fünf verschiedene Kirchen, die häufig nicht miteinander, sondern eher gegeneinander zu arbeiten scheinen. Was bedeutet es „Lutheraner“ zu sein? Wofür treten wir ein und wie erreichen wir die Menschen mit unserem Glauben? Wie kann der Glaube an die nächste Generation weitergegeben werden? Wie gehen wir mit anderen theologischen Positionen um und was ist „Kirche“ oder „Leib Christi“ in dieser Situation? Die Gemeinden erleben eine große Verunsicherung angesichts dieser Zersplitterung. Die allgemein schlechte Bildung im Land macht die Menschen empfänglich für die verschiedensten Überzeugungen und Ansichten, die dann häufig mit dem christlichen Glauben nicht mehr zu vereinen sind. Ein Beispiel für die große Verunsicherung unter den Christen ist z.B. die weit verbreitete Praxis sich nicht nur einmal, sondern immer wieder taufen zu lassen. Die Menschen wechseln von einer „Gemeinde“ zur nächsten und werden in die neue Denomination oder Gemeinde „hinein getauft“. Der eigentliche theologische Grund der Taufe geht dabei gänzlich verloren. Auch haben verschiedene religiöse Gruppen ihre eigenen Gesetze und Moralvorstellungen. Ein wahrer Christ kann nur sein, wer sich genau entsprechend der Regularien der Gemeindeleiter verhält, kleidet, etc. All dies verunsichert unsere Studenten sehr und sie sind am Ringen nach Antworten und dem richtigen Umgang mit der eigenen lutherischen Identität und den vielen anderen Gruppen im Land.

„Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“

Mit träger Gemütlichkeit und einem einfachen „weiter wie bisher“ werden sich die Herausforderungen der Kirche in Papua-Neuguinea kaum lösen lassen. Wir dürfen nicht schlafen! Wir müssen wachsam sein! Wir müssen Antworten auf die Fragen der Zeit finden! Den Studenten in Logaweng ist bewusst, dass sie die Probleme der Kirche nicht lösen lassen, wenn man nur auf sich schaut. Man braucht einen wachen und weiten Blick, um den Glauben in dieser Situation weiter geben zu können.

Für die Studenten steht die Partnerschaft mit Deutschland immer auch für eine Besinnung auf die Wurzeln ihres Glaubens. Den „wahren“ Glauben haben sie durch die ersten Missionare aus Deutschland erhalten. Nun ist es ihre Aufgabe, eben dieses Erbe würdig zu verwalten und den Glauben unverkürzt an die nächsten Generationen weiter zu geben. Manchmal geht es auch darum sich selbst über die Grundzüge des eigenen Glaubens, Klarheit zu verschaffen.

Die Partnerschaft hält wach, dass sich unser Glaube aus mehr speist als aus den Erfahrungen, die ich in meiner eigenen kleinen Gemeinde gemacht habe. Die Partnerschaft steht dafür, dass das Wort Gottes überall auf der Welt Menschen verbindet und zu Brüdern und Schwestern macht. Die Partnerschaft steht dafür, dass wir unsere Probleme nicht allein lösen können und müssen.

Viele Studenten erfahren finanzielle Unterstützung während der Ausbildung durch die Partnerkirchen. Für einige ist so eine Ausbildung am Seminar dadurch überhaupt erst möglich. Die Übernahme der Schulgebühren der Kinder ist eine enorme Entlastung für die Familien und wird mit großer Dankbarkeit angenommen. Für viele Studenten steht die im Vergleich zu Deutschland verhältnismäßig kurze Zeit der Ausbildung und Vorbereitung eben unter diesem Motto: Wir können nicht schlafen und uns ausruhen. Jetzt können wir uns vorbereiten auf die Aufgaben, die uns als Pfarrer in den Gemeinden erwarten. Jetzt ist die Zeit im Glauben zu reifen und Antworten auf Fragen zu finden.

Wir können uns heute fragen: Was hält die Partnerschaft bei uns wach? Welche Elemente bringt die Partnerschaft in unseren Glauben? Was kommt mir in den Sinn, wenn ich an die Partnerschaftsarbeit der Kirche denke und welche Impulse erhalte ich daraus für meinen eigenen Glauben?

Ein weiterer Gedanken hat die Studenten bei der Wahl des Textes geleitet:

  • Das Gebet eint und stärkt uns für die Aufgaben und Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben.

Ich lasse die Studenten in ihrer eigenen Sprache zu Wort kommen, wie sie diesen Punkt formulieren:

„With this words Jesus wants to show us that, by our own, we cannot stand firm against trials and temptations. We should be aware of the bodies desire. To strengthen the wicket flesh we need Good´s strength through prayer. In prayer we take care of each other in unity and overcome trials and temptations. “

An welche Versuchungen und Prüfungen denken die Studenten? Die teils existentielle Not bringt ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Wenn der eigene Garten gerade nicht viel hergibt und im Nachbargarten die Gurken reif sind, kann das durchaus als Versuchung empfunden werden, sich eben nicht einfach zu bedienen. Die Aufforderung zu teilen und die Mahnung nicht zu stehlen gehen in den Predigten der Studenten oft Hand in Hand.

Bin ich bereit in einem entlegenen Dorf als Pfarrer zu dienen, wenn ich weiß, dass dort weder eine Schule noch eine Krankenstation für meine Kinder erreichbar ist? Eine Frage, die unsere Studenten bewegt. Manchmal hört man es auch zugespitzt formuliert in dieser Form: „Lasst euch nicht von den Vorzügen des „angenehmen Lebens“ in den Städten versuchen. Tragt das Kreuz Christi und geht wohin er euch sendet!“ Es ist nicht leicht hier die richtigen Entscheidungen zu treffen. Will Gott, dass meine Kinder keine Schulbildung erhalten? Ist es sein Wunsch die Gesundheit der eigenen Kinder zu gefährden, um sein Wort zu verbreiten? Haben der Wunsch nach Sicherheit und etwas Komfort nicht auch seine Berechtigung? Wie soll man auf diese Fragen Antworten finden? Es ist das Gebet, dass hier Wegweisung und Hilfe gibt!  Es ist das Vertrauen auf Gottes Schutz und Hilfe, die manche Schwierigkeit ertragbarere macht. Es ist der Glaube, dass Gott mit uns ist, wenn wir in seinen Auftrag unsere Wege gehen. Apelle und moralische Ermahnungen tragen einen nicht durch diese Fragen. Allein aus Pflichtgefühl lassen sich Menschen nicht für den Dienst an seinem Reich in Anspruch nehmen.

Versuchungen und Prüfungen Gottes? Was verstehen Sie darunter? Wo erleben Sie die Nachfolge Jesu auch als Herausforderung oder „Kreuz“, das es zu tragen gilt? Was sind die Herausforderungen unserer Kirche in Deutschland?

Wir verbringen gerade unseren Urlaub in Australien. Auch wir als Familie sind natürlich von der schlechten Infrastruktur in Papua-Neuguinea betroffen, auch wir leben dort mit zwei kleinen Kindern mit einer guten Portion Gottvertrauen, dass wir vor Krankheit oder Unfällen bewahrt bleiben. Da tut es gut in einem so reichen und gesättigten Land wie Australien einmal diese Sorgen beiseite zu schieben. Und doch erschrecken wir jeden Tag aufs Neue, wie viel Müll wir z.B. durch einen „normalen“ Einkauf im Supermarkt produzieren. Sollen wir die von unseren Kindern heiß geliebten Blaubeeren kaufen, auch wenn sie in einer massiven Plastikschüssel verkauft werden, die fast das Gewicht der Beeren selbst übersteigt? In einem Land das die Folgen des Klimawandels gerade in diesen Tagen mit solcher Wucht erfährt? Versuchungen unseres momentanen Alltags.

Wieder ist es das Gebet, dass uns hier Orientierung geben kann. Der Blick auf Jesus und seine Sicht auf den anderen und dessen Bedürfnisse und Nöte geben uns Hilfestellung, wie wir die richtigen Entscheidungen in unserem Leben treffen können.

Walking together hand in hand, watchfully and prayerfully.

Das Motto für den diesjährigen Partnerschaftssonntag fasst zusammen was die Studenten bei den Vorbereitungen bewegt hat:

Nur zusammen können wir die Probleme unserer Zeit lösen. Die Nachfolge Jesu fordert uns heraus und bringt auch Versuchungen und schwierige Entscheidungen mit sich. Durch das Gebet, die persönliche Beziehung zu unserem Herrn erfahren wir echte Hilfe und Antworten, wie wir den Herausforderungen unserer Zeit, sowohl in Papua-Neuguinea wie auch in Deutschland begegnen können.

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Gebetsanliegen für den Gottesdienst:

  • Bitte für eine erfolgreiche Fortführung und Vertiefung der Partnerschaftsarbeit. Dank für die gelungenen Schritte in der Partnerschaft im Jahr 2019.
  • Dank für den erfolgreichen Abschluss der 21 Absolventen des Abschlussjahres 2019. Bitte um Führung und Leitung bei der Implementierung des Lehrplans und der Umstellung der Seminarsprache auf Englisch. Bitte um eine segensreiche Weiterbildung zweier Dozenten und der Einarbeitung neuer Dozenten im Jahr 2020.
  • Bitte um Weisheit mit dem Umgang der verschiedenen Glaubensgemeinschaften und Denominationen.
  • Bitte um Führung und Bewahrung der Pastoren, die im Dienst der ELC-PNG stehen.

Partnerschaftsreise in der Mainpost

Die Mainpost berichtet über den Besuch von Karin und Hans Gernert:

https://www.mainpost.de/regional/kitzingen/Partnerschaftsgottesdienste-im-Dekanat-Castell;art773,10409526

https://www.mainpost.de/regional/kitzingen/Dekanat-Castell-besucht-Partner-in-Papua-Neuguinea;art773,10408758

Zusätzlich zu den Bildern der Zeitung poste ich noch ein Bild von der Grundschule in Logaweng, das den nicht bestuhlten Raum der Schule zeigt. (Die anderen zwei Räume haben allerdings Stühle und Tische.) Seit letztem Jahr werden nur noch die Vorschule und das 1. und 2. Schuljahr in der Grundschule unterrichtet. Das zweite Bild zeigt unserem Schooltruck, mit dem die Kinder ab der 3. Klasse täglich zur Schule gefahren werden. Der „Truck“ wurde vom Dekanat Castell 2018 mitfinanziert.

Gerade verweilt Ehepaar Gernert mit unserem Kollegen Jomie Wild im Hochland.  Am 26. Februar treten sie dann voller Eindrücke die Heimreise an.

Hier ist so etwas wie Alltag eingekehrt. Allerdings sind wir gezwungen, unsere langen Aufenthalt in Deutschland, unsere Heimreise vorzubereiten. Verschiedene Aufgaben müssen auf andere Schultern verteilt werden.  Wir sind jetzt nur noch 4 Unterrichtswochen am Seminar, bevor wir  (Sonder-)urlaub und Elternzeit antreten. Die Vorfreude überwiegt.

Gastartikel von Pfarrer Hans Gernert

Hans Gernert aus Rehweiler (auf dem Bild zusammen mit seiner Frau, zwei Kollegen und unserem Rektor) schreibt über seinen Besuch in Logaweng in der ersten Februarhälfte 2020:

Ehepaar Gernert, Pfr. Saunoc, Pfr. Sugoho, Pfr. Kosieng (Foto Annegret Cramer)Im Sommer 2018 war eine Delegation aus Logaweng zu Besuch im Dekanat Castell: Pastor William Sugoho, Vikar Russel, Rebecca Kosieng und Rachael Peandi. Die Männer waren bei Dekan Günther Klöss-Schuster, die Frauen bei Birgit Scheller untergebracht. Wir hatten sie zu einigen Veranstaltungen auch in unsere Pfarrei Rehweiler eingeladen. Ihr Besuch war ein guter Anlass für Pfarrer Martin Oeters, das Amt des Dekanatsmissionspfarrers an mich, Hans Gernert, zu übergeben. Ich habe Vorerfahrungen in der Partnerschaftsarbeit mitgebracht, als ich 2017 in mein Heimatdekanat Castell, Pfarrei Rehweiler, gewechselt bin. Eigentlich wollte ich die weite Reise nach Papua-Neuguinea nicht unternehmen. Doch durch den engen Kontakt mit Logaweng durch Annegret und Knut Cramer sowie durch Jomie Wild, der bereits zwei Vorträge bei uns in Rehweiler und in Abtswind über Logaweng gehalten hatte, aber auch durch unser Gemeindeglied Inge Derrer, die 20 Jahre lang engagiert als Dekanatsmissionsbeauftragte im Dekanat Castell gewirkt hat, wurde ich motiviert zu einer Partnerschaftsreise. Bei der Planung unseres Urlaubs in den Faschingsferien drängte sich mir darum die Frage auf: Warum statt nach Zypern zu fliegen nicht gleich etwas weiter… Ein Blick in den Kalender und Nachfragen bei der Schule und beim Casteller Dekan bestärkten mich, nicht erst in ein paar Jahren, sondern jetzt eine Reise nach Logaweng in Angriff zu nehmen. Man wird ja auch nicht jünger und ein Besuch macht mehr Sinn am Beginn meiner Zeit als Dekanatsmissionspfarrer als später. Die Reisezeit im Februar erwies sich als günstig, denn die Trockenzeit hält hier noch an. Von unserer Casteller Partnerschaftsgruppe konnte sich allerdings niemand so relativ kurzfristig Zeit nehmen. Darum bin ich mit meiner Frau Karin auf eigene Kosten geflogen. Es war uns wichtig, dass wir unsere Eindrücke auch später noch teilen können, so wie es uns mit der Partnerschaftreise nach Tansania im Jahr 2002 geht. Die Erfahrung dieser Reise ins Uffenheimer Partnerdekanat Nord-Massai lässt uns nun hier in Papua-Neuguinea viele Parallelen empfinden: Die Nähe zum Äquator, die relativ gleichbleibende Zeit von Sonnenaufgang und -untergang (6 Uhr und 18 Uhr), das schwül-warme Wetter, die schwierigen Straßenverhältnisse, die einfachen Hütten im Busch, der sorglose Umgang mit Müll, die Straßenmärkte und Straßenverkäufer, die Rolle der Frau (in Tansania tragen die Frauen die Lasten auf dem Kopf, hier in Bilums ebenfalls mit dem Kopf), die hohe Arbeitslosigkeit, der andere, entschleunigte Umgang mit der Zeit, das eigene Gefühl des materiellen Privilegiertseins und Reisenkönnens und vieles mehr.

Doch bevor wir einreisen durften in Port Moresby, bekamen wir einen großen Schreck: Der Schalter „Visa on arrival“ (Visa bei der Ankunft) war aus nicht nachvollziehbaren Gründen aufgrund einer spontanen, undurchdachten Anordnung des Präsidenten wegen des Coronavirus über Nacht geschlossen worden. Niemand hat uns in Singapur darauf hingewiesen. Air Niugini hat uns ohne Hinweis oder Kontrolle eines Visums einsteigen lassen. Nun meinte der Beamte, dass wir wieder nach Singapur zurückfliegen und dort ein Visum beantragen müssten. Zum Glück war Reinhard Lorenz aus Port Moresby da und durfte zu uns. Nach einigem Palaver schaute Reinhard Lorenz im Internet nach und sah, dass man den Antrag online stellen kann. Mit dem PC am Flughafen funktionierte es nicht. Der Beamte war so frei, dass er uns ohne Visum gemeinsam zur Wohnung von Reinhard Lorenz fahren ließ, wo wir die Anträge online ausfüllen, ausdrucken und zum Beamten am Flughafen bringen konnten. Jetzt konnte er uns einen Stempel in die Reisepässe machen und einreisen lassen. Mit dem nächsten Flieger am Nachmittag konnten wir dann nach Lae fliegen, wo uns Knut Cramer am Flughafen abholte. Zwei Tage verbrachten wir in Lae im SIL-Gästehaus und gewöhnten uns an den Verlust von 9 Stunden und die tropischen Temperaturen über 30 Grad. Bei der Kirchenleitung in Ampo verabredeten wir uns mit dem Koordinator für Partnerschaften, Pfarrer Kinim Siloi. Nebenan sitzt Pfr. Don B. Muhuyupe. Wir waren erstaunt, dass der ergraute Herr so gut Deutsch sprach. Während Kinim Siloi einen Brief aus Bürglein an das Dekanat Kerowagi kopierte, schaute er herein. Ich wollte ihm einen Platz anbieten, als Kinim Siloi zurückkam und streng meinte: „Der verschwendet unsere Zeit! Ihr könnt anschließend noch zu ihm gehen.“ Don Muhuyupe erregte meine Aufmerksamkeit, weil Karin bei den alten Unterlagen zur Partnerschaft mit Logaweng einen Brief von ihm an den Wiesenbronner Pfarrer Gottfried Seiler aus dem Jahr 1990 in Händen hatte. Darin fragte er eine Partnerschaft an. Für mich ist das bislang der einzige Hinweis auf den Beginn der Partnerschaft zwischen Castell und Logaweng. Muhuype war Lehrer am Senior-Flierl-Seminar Logaweng von 1982 bis 2005. Da es in PNG kein Rentensystem gibt, bleiben „Ruheständler“ nicht selten in ihren Diensthäusern oder Büros, erhalten noch ein geringes Gehalt, blockieren dadurch aber auch eine effektive Weiterarbeit. Gottfried Seiler war vor seiner Zeit in Wiesenbronn ebenfalls kurz in Logaweng und dann vor allem Boana tätig…

Die Überfahrt von Lae nach Finschhafen mit einem Schnellboot verlief bei ruhiger See insgesamt angenehm. Bei einem Zwischenstopp kam eine ältere Dame auf uns zu, erkannte uns als Deutsche und schenkte uns drei Bananen, weil „von Deutschland das Evangelium zu uns kam“. Diese Dankbarkeit erlebten wir dann auch durchgehend in Logaweng, das vom Dekanat Castell eine jährliche Unterstützung von inzwischen 7500 € erhält. Damit wird vor allem ein Teil des Schulgeldes für die Kinder der Studenten und Lehrer sowie die Anschaffung von theologischen Büchern gefördert. In den letzten beiden Jahren wurde zusätzlich geholfen, einen neuen Truck für die Schulfahrten der Kinder anzuschaffen sowie drei Klassenzimmer zu renovieren. Als Vertreter „aus Castell“ wurden wir mit Blumenkränzen, „Weihwasser“, Gebet, Gesang und Naturalien an der Gartengrenze von Jomie’s Haus, in dem wir Aufnahme fanden, herzlich willkommen geheißen.

Am anderen Tag durfte ich auf Englisch predigen. Pastor William Sugoho unterstrich am Ende den Gedanken, der ihn besonders bewegte: „Das Reich Gottes ist dort, wo niemand mehr verletzt wird und alle Verletzungen heilen.“

Logaweng liegt auf einer Anhöhe. Ein holpriger Feldweg führt von Gagidu hinauf. Die abgeschiedene Lage ist für das Gemeinschaftsleben auf dem Campus und für die Sicherheit von Vorteil. Übersetzt bedeutet Logaweng „Tarogarten“. Auch heute werden hier noch Taro angebaut. Die ersten Missionare kamen 1906 hierher und betrieben eine Schule, das Seminar wurde Ende 1956 gegründet. Man sieht hinunter zum Pazifik und kann die Tami-Inseln sehen, die 12 km von der Küste entfernt liegen. Die Häuser sind luftig gebaut. Bei tropischem Klima über 30 Grad tut ein frischer Wind gut. Der Gesang der Vögel (Klalack, Tauben, Papageien, lachender Hans u.a.) und das laute Zirpen der Zikaden rund um die Uhr begleiten das Leben. Wir hatten das Gefühl mitten in freier Natur zu zelten. Was für Gäste paradiesisch anmutet, ist für die Einheimischen ein Umfeld für einen ständigen Überlebenskampf. Manche Studenten tun sich schwer, die Schulgebühren von umgerechnet etwa 250 bis 300 € im Jahr zu bezahlen, wenn sie nicht von einer Gemeinde oder Verwandten unterstützt werden.

Unterricht ist vormittags. Wir haben einige Stunden miterlebt. Abgesehen von der Pünktlichkeit am Morgen geht es konzentriert und nicht selten lustig zu.

IMGP9872Nachmittags ist Zeit zum Eigenstudium und für die Gartenarbeit. An zwei Nachmittagen (Montag, Mittwoch) findet für 2 Stunden Gemeinschaftsarbeit für die Pflege des Campus statt. Es ist Pflicht für jeden Studenten, ein Buschmesser mit ins Seminar zu bringen. Die Studenten kommen in der Mehrzahl aus Dörfern und müssen sich von den Gärten, die ihnen zugewiesen werden, selbst versorgen. Von ihren Eltern haben sie das Gärtnern gelernt: roden, Feuerholz machen, Laub verbrennen, Wurzelstöcke entfernen, säen, pflanzen, ernten. Die Gärten haben oft eine Hanglage, was die Arbeit erschwert. Nach zwei bis drei Jahren sind die Böden verbraucht und eine 10jährige Brache dient der Erholung. Dann beginnt man wieder mit Brandrodung. Angebaut werden zum Beispiel Erdnüsse, Süßkartoffeln, Taro, Bohnen, Mais, Trockenreis, Bananen, Ananas, Blattgemüse, Zwiebeln. Kartoffeln und Karotten kommen aus dem Hochland und müssen auf dem Markt gekauft werden.

Das Seminar stößt kapazitätsmäßig derzeit an seine Grenzen. 87 Studenten sind derzeit hier. Ab dem zweiten Jahr dürfen sie ihre Frauen mitbringen. So leben auch über 40 Frauen und über 80 Kinder mit auf dem Gelände. So übernimmt das Seminar auch eine soziale Aufgabe für die Frauen und Kinder. Das Versammlungshaus „Hausbung“ wird auch als Kindergarten genutzt. Im Anbau ist die Kinderbücherei, die fleißig genutzt wird. Auf dem Gelände gibt es für die ersten drei Schuljahre eine Elementarschule. Alle anderen Kinder müssen nach Gagidu oder Dregerhafen zur Schule gefahren werden. Dazu ist der Truck unerlässlich. Für die Frauen gibt es eigene Fortbildungskurse. Manche lernen hier erst noch das Lesen und Schreiben – und sollen ja als Pfarrfrauen die Männer unterstützen. Aus unserer Sicht werden sie hier auf eine konservative Rolle festgelegt: „Dienen ohne Lohn“. Die Gärten reichen gerade noch. Die Wasserversorgung bereitet seit zwei Jahren zunehmend Probleme: Die Pumpe ist zu schwach, Wassertanks für das Regenwasser sind alt und verrostet, manche Leitungen sind schon 50 Jahre alt und müssen erneuert werden. So haben die Studenten nur am Morgen und am Abend Wasser aus der Leitung vor dem Haus. In den Unterkünften gibt es zwar Lichtstrom, aber keine Steckdosen. Elektrische Geräte haben die Studenten nicht. Handys laden sie entweder mit Solarzellen oder in Klassenräumen. Kein Student kann sich ein Auto leisten. Wir durften kurz in die zwei Zimmer einer Familie hineinschauen. Die Mutter schläft mit ihren Kindern unter einem Moskitonetz auf einer dünnen Matte am Boden. Persönliche Gegenstände sind auf dem Boden verteilt. Der Vater schläft nebenan ähnlich bescheiden und hat noch einen Schreibtisch zum Studieren zur Verfügung. Gekocht wird in Hütten. Auch die Sanitäreinrichtung ist außerhalb. Während der Regenzeit sind Schirme unerlässlich.

Die Lehrer und Überseemissionare haben einen höheren Wohnstandard, verzichten aber dennoch auch auf vieles, was es in der Stadt geschweige denn in Deutschland gibt.

Auf diesem Hintergrund ist die Dankbarkeit bei allen Studenten und einheimischen Lehren groß für die zuverlässige Unterstützung aus Castell.

Annegret und Knut Cramer haben uns viel gezeigt, erklärt, übersetzt und auch die Schwierigkeiten offen ausgesprochen, mit denen sie hier zu tun und manchmal auch zu kämpfen haben. Auch im Seminar gibt es Vetterleswirtschaft und ein Wirtschaften in die eigene Tasche. Darum ist es gut, dass Knut als Finanzmanager über den Haushalt des Seminars wacht und für Transparenz sorgt. Mit dem Wantok-Denken und einer sauberen, geregelten Buchhaltung treffen zwei verschiedene Lebenswirklichkeiten spannungsreich aufeinander.

Auch bei der Frage, wer denn ein Stipendium erhält, geht es leider nicht immer danach, wer geeignet und begabt ist, sondern wer die besseren Beziehungen hat. Im Fall von William Sugoho trifft das aber nicht zu. Er kann jetzt sein Masterstudium am Martin-Luther-Seminar in Lae beginnen.

Gottesdienst und freies Gebet werden in Logaweng großgeschrieben. Neben dem Sonntagsgottesdienst gibt es jeden Morgen nach der ersten Unterrichtsstunde, die um 7 Uhr beginnt, um 7:50 Uhr einen Morgengottesdienst, den Studenten und Lehrer gemeinsam halten. Die Frauen und Kinder sind mit dabei. Nur ein freies Gebet ist ein richtiges Gebet. Predigten sind oft eine Paraphrase des Bibeltextes, wollen im Glauben stärken und zu einem christlichen Leben ermutigen.

In den 2 Wochen hier in Logaweng zeigten uns Annegret und Knut Cramer die historischen Orte der Region Finschhafen, den Ankunftsort des Pioniermissionars Johann Flierl in Simbang, seine weiteren Missionsstationen auf dem Sattelberg und in Heldsbach, die Gräber der Erstgetauften Tobias und Silas und sehenswerte Kirchen in der Nähe.Taufstein auf dem Sattelberg mit den ersten getauften Kote (Foto von Pfr. Hans Gernert)

Mit einem einheimischen Pfarrer unternahmen wir einen Ausflug zu den Tami-Inseln mit herrlichen Sandstränden, Palmen und Korallen. Beim Schnorcheln sahen wir zauberhafte Fische. Seit einer Woche ist auch Jomie Wild wieder vor Ort. Mit ihm brechen wir nun zum zweiten Teil unserer Reise ins Hochland auf. Von Lae fahren wir am Montag, 17.2.2020, nach Goroka zu Martin und Regine Weberruß. Kewamugl und das Bürgleiner Partnerdekanat Kerowagi stehen danach auf dem Programm. In Kerowagi soll uns dann am Sonntag, 23.2., Peter Gigmai abholen und in die andere Pfarrerausbildungsstätte Ogelbeng bringen, bevor wir die Rückreise von Mount Hagen über Port Moresby und Singapur antreten.

Warum wir nicht auf der Synode sind

Gerade sind über 4000 lutherische Christen in Boana auf der Synode (Bilder von der Eröffnung): Jedes der 17 Distrikte dieser Kirche schickte 50 Delegierte. Neben diesen 850 Delegierten sind viele Gäste und Besucher gekommen, auch von Übersee. Sonntag ging alles los, sogar der neue Premierminister James Marape war gekommen.

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(Auf dem Bild: Governor der Morobe Province Ginson Saonu, Premierminister James Marabe, Bischof Dr. Jack Urame und General Church Secretary Bernhard Kaisom)

Mr. Marape setzte einen ersten thematischen Schwerpunkt. Ein vor Jahren begonnener Bau einer lutherischen Universität möge abgeschlossen werden, schließlich sei die lutherische Kirche die zweitgrößte des Landes. Die Regierung würde dies finanziell unterstützen. Anscheinend sieht dies der aktuelle Bischof anders. Er will erstmal die bestehenden Institutionen stärken.

Ob die jeweils 30 wahlberechtigten Delegierten pro Distrikt ihm eine neue Amtszeit gönnen werden, ist offen. Bischof Dr. Jack Urame pflegte gute Beziehungen zu den Partnerkirchen und weiß seine Kirche zu repräsentieren. Sein Stellvertreter, früher Rektor unseres Seminars, Lukas Kedabing hat viele neue Pfarrer ordiniert und ist ein begnadeter Prediger. Sie sind angetreten, um mehr Ordnung in der Zentrale und darüber hinaus zu bringen. Dafür brauchen sie aber wohl noch eine weitere Amtszeit.

Den Herausforderer für das Bischofsamt Pfr. Elymas Bakung will den Distrikten mehr Autonomie geben. Ich kenne ihn nicht besonders gut und kann über ihn nur wenig schreiben.

Liebe Leserinnen, bitte bettet, dass ein Mann mit Führungsqualitäten, theologischer und geistlicher Kompetenz und auch der richtigen inneren Haltung gewählt wird und diese große Kirche mit ihren bis zu 1,2 Millionen Mitgliedern zusammenhält.

Anne und ich sind zusammen mit meiner Schwiegermutter und unseren „drei“ Kindern mittlerweile wieder aus der Großstadt Brisbane (Beitragsbild) zurück nach Logaweng gereist. Erst am 28. Januar beginnt das neue Unterrichtsjahr mit der sogenannten Orientierungswoche. Es ist alles viel ruhiger als sonst, allerdings reisen langsamen die Studenten an. Da alle Kollegen mit Führerschein entweder auf der Synode oder im Urlaub sind, sind Anne und ich nun die einzigen beiden mit Führerschein. Ob zum Krankenhaus, Markt oder Boots­anleger, wir sind viel unterwegs.

img_20200114_082934.jpgHeute Morgen hat Anne dieses Ehepaar zum Krankenhaus runtergefahren. Sie erwarten gerade, während ich diese Zeilen schreibe, ihr viertes Kind. Wir halten hier also die Stellung, während andere wahrscheinlich zum Teil hitzig diskutieren.

Vorgestern habe ich stolz über 100 Seiten ausgedruckt. Mein erster Finanzbericht dieses Seminars ist fertig und genügt hoffentlich den Ansprüchen des Projektbüros der Kirchenleitung. Diejenigen Hochschulen der ELC-PNG, die einen lückenlosen Kassenbericht abgeben können, erhalten jährlich vom Zusammenschluss der Partnerkirchen 30.000 Kina. Das entspricht immerhin ca. 12% unseres Jahresbudgets, die Gehälter der Mitarbeiter ausgenommen. Diese werden von der Zentrale in Lae bezahlt. Ich bin froh, Zeit zu haben, dass ich den Bericht in Ruhe fertig stellen konnte.

Ich werde diese Tage auch beginnen, meine letzten Kurse vor unserem Heimaturlaub intensiv vorzubereiten. Auch dafür ist Zeit, weil ich nicht in Boana verweile. Ich werde noch einmal einige Studenten in die griechische Sprache und vor allem in die hellenistische Umwelt einführen. Der neue Kurs „Einführung in biblische Exegese“ und wiederum „Johannesevangelium“ stehen noch auf meinem Kursplan. Ich bin mit diesen 10 Wochenstunden ganz im Neuen Testament angekommen, obwohl ich ursprünglich dachte, dass ich vor allem als Dozent für Systematische Theologie arbeiten könnte.

Ich bin froh nach unserem längeren erholsamen Urlaub nicht gleich wieder in Betriebsamkeit und Hektik verfallen zu müssen, sondern erstmal Zuhause sein zu können. Logaweng ist ja doch mittlerweile unser Zuhause sind. Insbesondere Jaron hat sich sehr darauf gefreut, in unserem Garten seinen neuen Bobbycar-Anhänger ausprobieren zu können.

Neben den Argumenten, die uns hier halten gibt es auch noch eines, das uns nicht gehen lässt:  Anne hätte mittlerweile mit ziemlich dickem Bauch sowieso nicht mehr auf die Synode fahren können. Es wäre eine Fahrt mehr mit dem Dingi nach Lae gewesen, dann über den holprigen Highway und noch 1 Stunde „Landstraße“, die morgens nass vom nächtlichen Regen teilweise überhaupt nicht passierbar ist. Auch die hygienischen Zustände auf der Synode sollen nicht besonders sein.

Und trotzdem halte ich mich ständig über die Synode auf dem Laufenden. Fotos von ihr und Updates über seinen Verlauf gibt es vor allem auf folgenden Facebookseiten „Evangelical Lutheran Church of Papua New Guinea“, „ELC-PNG Forum“ und „ELC-PNG Synod 2020“ (Quelle der Bilder der Synode). Das Radioprogramm berichtet live. Ein Kollege schickt mir auch Zeitungsartikel per Whatsapp, weil hier nur eine Zeitung, wenn überhaupt, mit einem Tag Verzögerung ankommt. Mit meinem Gedanken und einem Herz für die ELC-PNG bin also doch ein wenig auf der Synode.

Ihr / Euer Knut Cramer

Weihnachtsgrüße aus Australien

Hirten von den Feldern um Bethlehem treffen auf Magier aus dem fernen Osten. Ein hilfsbedürftiges Baby wird als König gefeiert. Es wird in einem Stahl mit Ochsen und Esel geboren und hat seine himmlische Herrlichkeit aufgegeben.

Die Weihnachtsgeschichte, besonders wenn die unterschiedlichen Versionen und Traditionen zusammengenommen werden, ist voller Kontraste. Auch wir erleben gerade große Unterschiede zu unserem Alltag. Aus Brisbane senden wir „Fröhliche Weihnachten“ und wünschen ein gesegneten 2. Weihnachtstag!

In Logaweng ist es still geworden. Abgesehen von einigen wenigen Dozenten und Studenten sind alle abgereist. Urlaubszeit. Auch wir haben uns wenige Tage nach der Graduation (01.12.) aufgemacht. Es gab noch ein bisschen in Lae zu erledigen und ich durfte in der größten lutherischen Kirche in Moresby predigen (08.12.).IMG_2514

Dann sind wir am 09.12. nach Brisbane weiter geflogen. (Da wir schon Ende März wieder nach Deutschland kommen werden, wollten wir dieses Jahr diese lange Klima schädigende Reise nicht antreten.) So schreibe ich nun von Kontrasten aus Brisbane.

Noch in Lae und Port Moresby ist mir der kitschige Weihnachtsschmuck aufgefallen. Hier in Brisbane waren zwar Verkäufer mit roten Mützen bekleidet oder hatten Plüschgeweihe am 23.12. hinter den Ohren stecken, aber insgesamt hielt sich der Kitsch stark in Grenzen.20191217_141519

Stattdessen fällt mir auf, dass ich trotz Einkaufswahns mit jeder Verkäuferin einen Plausch halten kann. Viel Freundlichkeit gepaart mit ein bisschen Oberflächlichkeit nehme ich wahr. Sonntags wollte ich einfach passiv einen Gottesdienst besuchen und meinen Gedanken nachgehen, aber ich wurde ständig angesprochen. Ich konnte zwar meine Gedanken nicht sortieren, aber die Gastfreundschaft hat mich positiv beeindruckt. Vom Kirchenkaffee konnten wir noch an keinen Sonntag fernbleiben. Ich bin auch beeindruckt, wie liebevoll ein Gottesdienst für Familien in der Anglikanischen Kirche am Heiligen Abend gestaltet wurde. 20191224_153842

Allerdings war die St. John Cathedral in Brisbane unheimlich schlecht besucht. Traditionsabbruch und Säkularisation sind hier viel weiter fortgeschritten als in Deutschland. Gemessen an PNG gibt es hier fast kein Christentum mehr. Das hat mich gestern ein wenig traurig gemacht.

Ansonsten genießen wir die Natur, gutes Essen, die Strände der Sunshine Coast, Spielplätze, den Australia Zoo mit meinen Lieblingstieren, die vielen Einkaufsmöglichkeiten oder lokale Handwerksmärkte.

Ein solcher Urlaub wäre in unserem Einsatzland einfach unmöglich. Wir sind auch dankbar für die gute medizinische Versorgung. In PNG waren Nora und Jaron nie ernsthaft krank. Nun musste Nora aber mit einer starken Grippe sogar ins Krankenhaus. Sie hatte hohes Fieber, ihr war übel und wollte einfach keine Flüssigkeit zu sich nehmen. Nach einer Nacht im Children’s Hospital hat sie allerdings neue Kräfte gesammelt. Zwei Tage später litt ich unter Fieber und am 23. und am 24.12. lag auch Jaron im Bett. Wir müssen uns bei Nora angesteckt haben. Hoffentlich bleibt Anne gesund, denn bei ihr ist in punkto Schwangerschaft alles in Ordnung und das soll auch so bleiben. Auch sie wurde hier durchgecheckt. Wir haben erste Bilder von unserem dritten Kind gesehen und sind nun gewiss, dass unser Baby fröhlich in Annes Bauch strampelt!

Monika, meine Schwiegermutter, ist zwischendurch aus Deutschland dazu gestoßen und hat die Weihnachtsgeschenke der Familie mitgebracht. Durch unsere Wohnung wird jetzt also eine Playmobil Kutsche geschoben und Matchboxautos finden wie in der australischen Realität nur schwerlich Parkplätze im Parkhaus.

Mich stimmt ärgerlich, dass mit dem Lebensstil in Australien (Klimaanlagen, große Autos, unheimlich viel Plastikmüll, hoher Fleischkonsum), die Klimakrise weiter verschärft wird. Trotz Buschbränden, von denen wir bisher Gott sei Dank wenig mitbekommen haben, wird das Thema hier nicht offensiv angegangen. Wie paradox und grotesk! Ich habe mir für nächste Jahr fest vorgenommen, weniger Fleisch zu essen.

Mit den besten Wünschen für dieses Weihnachtsfest und das Jahr 2020!

Ihr / Euer Knut Cramer